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Für wen lohnt sich Car-Sharing und welche Alternativen gibt es?

Für wen ist Auto-Teilen eine Alternative?

77.000 Menschen in Deutschland beteiligen sich im Jahre 2005 bereits am Car-Sharing. Nach einer Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums kommen allerdings rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland für Car-Sharing in Frage. Ein großes Potenzial. Interessant ist Auto-Teilen für alle, die für den täglichen Arbeitsweg nicht auf ein Auto angewiesen sind, die nicht mehr als 7.000 km im Jahr mit dem Auto zurücklegen (müssen) und die in größeren Orten relativ zentral wohnen. Viele Alltagswege sollten gut mit Bus und Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erledigen sein.

Menschen, deren Einstellung zum Auto eher sachlich als emotional geprägt ist, fällt die rationale Wahl des geeigneten Verkehrsmittels leichter. Sie kalkulieren genauer, nutzen das Auto gezielt für bestimmte Zwecke und entscheiden sich für das Auto-Teilen, weil sie damit eine Menge Geld sparen und zugleich die Umwelt schonen können. Wer dagegen stark auf Unabhängigkeit setzt, für den gibt es beim Car-Sharing ein paar Hürden: den höheren Zeitaufwand durch den meist längeren Weg zum Standort des Fahrzeugs sowie eine Verfügbarkeit von gut 90 Prozent bei der Reservierung des gewünschten Autos. Durch Kooperationen mit Mietwagenfirmen, Taxizentralen und öffentlichen Verkehrsunternehmen versuchen die Car-Sharing-Organisationen jedoch, Zeitlücken zu schließen und ihr Mobilitätsangebot im Sinne eines "Rundum-Service" aus einer Hand zu optimieren. Durch eine überregionale Zusammenarbeit stehen den NutzerInnen auch Car-Sharing-Fahrzeuge in anderen Städten zur Verfügung.

Vorteile durch Car-Sharing

Je nach Größe der Car-Sharing-Organisation teilen sich zwischen 15 und 20 Menschen ein Auto. Im Durchschnitt werden durch ein Car-Sharing-Auto fünf private Pkw ersetzt. Der Platzbedarf von Autos ist sehr hoch. Gerade in Städten und Ballungsräumen spart Car-Sharing wertvollen Raum. Das Verkehrsverhalten verändert sich durch die Teilnahme am Car-Sharing gewaltig. Ehemalige AutobesitzerInnen reduzieren ihre Pkw-Fahrleistungen im Schnitt um 50 bis 60 Prozent. Sie fahren deutlich mehr mit Bus und Bahn. Aktivitäten im Nahbereich gewinnen an Bedeutung. Insbesondere bei Strecken unter zehn Kilometern steigen viele auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad um oder gehen zu Fuß. Car-Sharing-Autos werden vor allem für Transporte sowie mittlere und weite Fahrtstrecken genutzt. Durch die eingesparten Autokilometer sinken die Unfallgefahr, der Energieverbrauch sowie der Schadstoffausstoß. Lärmbelastungen und die Beanspruchung der Straßen gehen zurück. Durch die intensive Nutzung der einzelnen Autos wird der Fuhrpark ständig erneuert, so daß die Fahrzeugflotte in der Regel auf dem neuesten Stand der Technik ist.

Umweltverbund und flexible Autonutzung

Wer sich aus der "ökonomischen Falle" des privaten Autobesitzes ausklinkt und auf den Umweltverbund aus Öffentlichem Verkehr, Fahrrad und eigenen Füßen setzt, hat eine Menge Geld gespart. Er kann sich vermeintlichen Luxus leisten: Eine Netzkarte für den Öffentlichen Verkehr bietet freie Beweglichkeit und erspart das Lösen von Einzelfahrscheinen. Gelegentliche Fahrten mit dem Taxi - beispielsweise nachts nach einem Kneipenbummel - oder ein Wochenendausflug mit dem Mietwagen sind dann kein finanzielles Problem. Die Abschaffung des Privatautos spart Fixkosten, die sich je nach Wagentyp in einer Größenordnung von 150 bis 500 Euro im Monat bewegen. Wer nach dem Motto Auto fährt "So oft wie nötig, so wenig wie möglich", der schützt nicht nur seine Mitmenschen und die Umwelt. Gleichzeitig erhöht er seine eigene Lebensqualität durch die flexible Wahl des geeigneten Verkehrsmittels je nach Zweck und Ziel des Weges. Wo das Angebot des Öffentlichen Verkehrs endet, schließen Car-Sharing, Taxis und Mietwagen die Lücken in der Wegekette. Wer sich dagegen einmal auf sein eigenes Auto festgelegt hat, dem erscheint die gelegentliche Nutzung anderer Verkehrsmittel oft zu teuer, weil das stehengelassene Auto weiter "vor sich hin kostet".

Privates Autoteilen und Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr

Eine Möglichkeit, das eigene Auto nutzbringender einzusetzen, besteht darin, es dauerhaft mit Freunden oder Nachbarn zu teilen. Empfehlenswert ist in diesem Fall eine vertragliche Regelung der Nutzungsbedingungen, um möglichen Streitigkeiten bei ungeplanten Ereignissen vorzubeugen (z.B. bei einem Unfallschaden). Die gesamten Kosten und möglichen Risiken verteilen sich im Verhältnis der Nutzung auf die Beteiligten. Natürlich sind einige Absprachen und eine gute Planung nötig, damit jeder die gewünschten Fahrten durchführen kann. Das Modell funktioniert dann gut, wenn das Auto für unterschiedliche Zwecke benötigt wird oder die Beteiligten nicht täglich darauf angewiesen sind. Zum Beispiel nutzt es einer für den Arbeitsweg, die andere überwiegend abends oder am Wochenende. Auch Zweitwagen können auf diese Weise häufig ersetzt werden. Der VCD hält einen Mustervertrag zum Nachbarschaftlichen Autoteilen bereit, der für alle wesentlichen Punkte Erläuterungen und Vorschläge anbietet.

Durch die Bildung von Fahrgemeinschaften für den Weg zur Arbeit können BerufspendlerInnen Fahrtkosten einsparen. Umweltbewusste ArbeitgeberInnen unterstützen Fahrgemeinschaften durch Vermittlungsbörsen im Betrieb, reservierte Parkplätze und weitere Vergünstigungen. Der Betrieb spart dadurch knappe Stellplatzflächen ein. Zusätzlichen Anreiz kann der Arbeitgeber durch eine "Heimfahrtgarantie" geben. Wenn die Fahrgemeinschaft kurzfristig nicht klappt, beispielsweise bei ungeplanten Überstunden, übernimmt er die Kosten für ein Taxi oder stellt einen Fahrdienst, damit der Arbeitnehmer nach Hause kommt.

Tipps zum umweltschonenden Autogebrauch

Nicht alle Menschen können oder wollen kurzfristig ohne eigenes Auto leben. Bereits beim Autokauf werden wichtige Entscheidungen pro oder kontra Umwelt getroffen. Nicht zuletzt durch eine verführerische Werbung entscheiden sich viele Kunden für ein stark überdimensioniertes Fahrzeug, sei es in puncto Größe (Mini-Van statt Kombi) oder Leistung (unter 80 PS fühlen sich viele untermotorisiert). Die Folge: Autos werden immer schwerer und stärker, der Spritverbrauch sinkt nur im Schneckentempo und nimmt bei manchen Modellen sogar zu. Die jährlich aktualisierte VCD Auto-Umweltliste nimmt über 300 Automodelle unter die »Öko-Lupe« und gibt Entscheidungshilfen für den Autokauf. Durch ein umweltschonendes und sicherheitsbewußtes Fahrverhalten kann jeder Autofahrer und jede Autofahrerin erheblich zur Verminderung schädlicher Auswirkungen des Autofahrens beitragen. Dazu gehören u.a. ein gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren im niedertourigen Drehzahlbereich, Motorabstellen bei Stopps von mehr als zehn Sekunden, Vermeidung von Kurzstreckenfahrten, der richtige Reifendruck und der Verzicht auf "Energiefresser" wie Klimaanlagen.

Die Zukunft gehört der intelligenten Autonutzung

Car-Sharing und andere Formen der flexiblen Autonutzung sind heute noch überwiegend auf Pioniere beschränkt, die häufig aus ökologischen Motiven bewusst ohne ein eigenes Auto leben wollen. Immer mehr Menschen, Betriebe und öffentliche Verwaltungen erkennen jedoch die Chancen, die ihnen Car-Sharing bietet. Wenn eine enge Zusammenarbeit zwischen Verkehrsbetrieben, Kommunen und Car-Sharing-Unternehmen zur Regel geworden ist und die Beteiligten eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit betreiben, kann Car-Sharing sein Nischendasein verlassen und für viele Haushalte eine vollwertige Alternative zum eigenen Auto werden.

Die Autoindustrie wird sich in den nächsten Jahren mit dem Kundenwunsch nach intelligenter Autonutzung konfrontiert sehen. Sie wird ihren Kunden beim Kauf eines sparsamen Stadtmobils die Garantieleistung anbieten müssen, das gekaufte Modell für den Urlaub oder zu Transportzwecken gegen einen größeren Wagentyp eintauschen zu können. Ein derartiges Konzept würde einen Trend zu kleineren, niedrig-motorisierten Pkw unterstützen. Von einer intelligenten Autonutzung profitieren nicht nur die NutzerInnen, sondern die Umwelt und die ganze Gesellschaft.

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