Designerkraftstoffe: Benzin aus dem Labor
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Foto: PhotoCase.com |
Wofür die Natur Millionen von Jahren brauchte, das schafft ein Unternehmer aus Sachsen in wenigen Minuten: Aus Pflanzen, denen die Sonne zum Wachsen verholfen hat, macht er Sprit − so genanntes Sunfuel. Aus gehäxelter Biomasse entsteht zunächst ein Synthesegas, das dann zu flüssigem Kraftstoff verpresst wird. Daher rührt auch die Abkürzung BTL (= Biomass to Liquid). Dieser Kraftstoff ist, je nach Oktanzahl, in herkömmlichen Otto- oder Dieselmotoren einsetzbar. Bisher läuft die erste Anlage noch in Erprobung und nur wenige Liter haben das Werk verlassen.
Choren Industries hat ein weltweites Patent auf Sunfuel angemeldet und wird bei der weiteren Erforschung von VW und Daimler-Chrysler unterstützt. Rückenwind kommt auch von der Bundesregierung. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., die dem Verbraucherschutzministerium unterstellt ist, schätzt, dass auf einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche etwa 4000 Liter BTL-Kraftstoff erzeugt werden können. Damit ließen sich in Zukunft etwa 25 Prozent des gesamten Kraftstoffbedarfs in Deutschland decken.
Die Kosten für Sunfuel schätzt die Firma Choren optimistisch auf 60 Cent pro Liter. Da die Bundesregierung bis 2009 Biokraftstoffe von der Mineralölsteuer befreit hat, wäre Sunfuel bei diesen Herstellungskosten zu herkömmlichem Diesel aus Mineralöl gut konkurrenzfähig. Ein neues Tankstellennetz wäre nicht nötig.
Vorteile
Alle Arten von Biomasse sind einsetzbar. Neben Holz können schnellwachsende und anspruchslose Pflanzen verwendet werden, von der Wurzel bis zur Blüte. Aber auch Bioreststoffe wie Stroh oder Laub sind verwertbar. Weil Pflanzen bei ihrer Verbrennung immer nur die Menge an CO2 freisetzen, die sie während des Wachstums der Atmosphäre entnommen haben, ist die CO2-Einsparung hoch. Zusätzliche Treibhausgase entstehen nur durch die Produktionskette.
Nachteile
Unsicherheit besteht über das Potenzial dieses Kraftstoffs. Auch wenn, anders als beim Rapsanbau, keine Monokulturpflanzen nötig sind, ist unklar, wo die Mengen an Bioabfällen und Holz herkommen sollen, und in welchen großtechnischen Anlagen sie zu Alternativsprit verarbeitet werden könnten − vom Transport der unvorstellbar großen Mengen an Biomasse ganz zu schweigen.



