Reaktionen zur Aktion »Maut-Flucht stoppen«
Seit dem Start der Aktion am 16. März 2005 meldeten sich zahlreiche VCD-Mitglieder und Betroffene, aber auch Spediteure und LKW-Fahrer beim VCD. Klagen über gestiegenen Lkw-Verkehr, Briefe verärgerter Spediteure und Reaktionen von Brummifahrern zwischen allen Stühlen zeigen die Probleme rund um das Thema. Hier finden sie einige Stimmen zur VCD-Aktion:
Betroffene
... gestern berichtete der Rundfunksender NDR 90,3, dass der VCD Verkehrsclub Deutschland e.V. die Aktion "Maut-Flucht stoppen" gestartet hat. Dabei wurde auch erwähnt, dass nach Auskunft der Verkehrsbehörde, Frau Helma Kristanoski, bisher in Hamburg keine Belastungen im Straßenverkehr durch Mautflüchtlinge festgestellt werden konnten.
Ich kann nur hoffen, dass der Sender da etwas nicht richtig interpretiert hat. Wenn die Aussage so stimmt, dann muss ich mich fragen und stelle die Frage auch Ihnen, ob die Pressestelle einen Pressespiegel, besser Medienspiegel, betreibt. Wenn ja, müssten Sie sich an das Hamburger Abendblatt vom 17. Januar 2005 erinnern können, in dem u.a. die Zählungen der Schwerlaster auf der B5 über einen längeren Zeitraum durch einen seriösen Geschäftsmann aus Börnsen widergegeben wurde. Der Mann hat auch heute wieder seine Strichlisten geführt. Während der ruhigen Mittagsstunden (die Hauptzeit für die Schwerlaster liegt morgens zwischen 8 und 10 Uhr und abends zwischen 17 und 20 Uhr) zählte er in Börnsen auf der B5 pro Stunde mehr als 30 schwere Lastzüge: Lkw ohne Anhänger wurden nicht mitgezählt. Vor Einführung der Lkw-Maut waren es in einer Stunde weniger als 5 Lkw.
Seit Einführung der Lkw-Maut verlassen viele Lkw spätestens in Billstedt die Autobahn, gehen auf die B6 und fahren dort durch Bergedorf bis Geesthacht. Wenn Sie es bisher nicht bemerkt haben, sollten Sie einmal die armen Hamburger Bürger in der Holtenklinker Straße befragen oder sich einmal für ein paar Stunden dorthin stellen. Dann würde Sie sicher die Belastung feststellen.
An der auf lange Sicht nicht tragbaren Mehrbelastung der B5 durch Schwerlaster ändert auch nicht ein "Waschzettel", den eine Polizeidienststelle mit einer "Entwarnung" herausgegeben hat, nachdem sie sich offensichtlich für eine kurze Zeit den Verkehr angesehen hat.
Ich bin gespannt, ob Sie die Größe und den Mut haben, so bald wie möglich objektive Zählungen zu veranlassen und diese dann zu publizieren.
Escheburg, 18.03.05
...in unserer Regionalzeitung erschien ein Artikel zu o.g. Thema. Hiermit kann ich nur bestätigen, das der Lkw- und Schwerlastverkehr (ebenso Armee-Transporte) im meiner Straße sehr zugenommen hat. Bereits in den Nacht- und frühen Morgenstunden sowie auch am Tage sind diese Fahrzeuge in Richtung Rotenburg/Wümme, Verden, Soltau etc. unterwegs. Dies zu Ihrer Information.
Visselhövede, 30.03.05
...im Zuge des neu gebauten Teilstücks der B 31 sind die Ortsteile Mariabrunn und Tannösch der Gemeinde Eriskirch/Bodensee in einen erheblich erhöhten Lärmbereich gerückt. Unsere Initiative "Bürger für Lärmschutz", welche auch auf Material des VCD zurückgreift und unter anderem Ihr Messgerät mieten konnte, hat sich erst einmal erfolgreich gewehrt.
Das Regierungspräsidium hat auf unsere Veranlassung neu Verkehrszählungen durchgeführt und es wurde im Jahr 2004 ein Anstieg von 32 % Lkw-Verkehr registriert (2705/24h) gegenüber den Prognosen. Der Gesamtverkehr dieses Streckenabschnitts der B 31 neu zeigte Spitzenwerte von 36000 Fahrzeugen/24h.
Unser Ziel ist es einen aktiven Lärmschutz zu bekommen. Seit Januar 2005 hat sich der Lkw-Verkehr nach unserer Schätzung und Beobachtung um weitere 10-12% (ca. 3000 Fahrzeuge/24h) durch die Maut-Umgehung erhöht, da die B 31 Lindau-Singen-Freibug nach der A6 und A8 die einzige West-Ost-West Verbindung ist und insbesondere den Lkw-Verkehr aus Österreich, den osteuropäischen Ländern, der Schweiz und Frankreich aufnimmt. Wir rechnen daher mit starken weiteren Zunahmen.
Ihren Fragebogen zur Maut-Umfahrung haben wir entsprechend dankend begrüßt und wir werden uns um rege Beantwortung unserer Bürger bemühen.
Wir sind Ihnen sehr dankbar, wen Sie in ihrer Eigenschaft als Verband an verkehrspolitischer Stelle in Berlin auf diesen Missstand hinweisen werden. ...
Eriskirch, 08.04.05
Spediteure
...haben sich die verantwortlichen Personen des VCD einmal gefragt, wer die jetzigen und die von Ihnen nun noch zusätzlich verlangten Mautkosten für Bundesstrassen - Benutzung letztlich zu tragen hätte? Hat sich der VCD auch schon mal gefragt, ob diese hier geforderten Mehrkosten nicht dazu angetan sein könnten, die Wirtschaft dann noch mehr zu belasten? Ist das tatsächlich der Sinn Ihrer Aktion und wollen Sie das wirklich damit erreichen? (Ihre Antwort wird mit Interesse entgegen gesehen!)
Offenbar ist Ihnen wohl verborgen geblieben, dass den deutschen Transportunternehmungen schon seit geraumer Zeit das (wirtschaftliche) "Wasser bis zum Halse" steht bedingt durch die in Deutschland zu zahlenden extrem angestiegenen Dieselkosten und damit verbunden hohen Mineralöl- und Ökosteuern (Verbrauch eines 40 Tonnen LKW zwischen 28 und 32 Litern auf 100 Kilometern!). Dazu kommen nun noch durch die ab 1.1.05 eingeführten Autobahn - Mautgebühren, die die Verantwortlichen in der deutschen Industrie zwar zu Kenntnis nehmen, aber den Transportfirmen nicht oder oftmals nur zu einem ganz geringen Teil, erstatten. Zu allen Ungemach befinden sich auch noch die eigentlichen Frachtkosten im freien Fall - bedingt durch die ausländische/osteuropäische LKW - Konkurrenz mit spezieller Duldung und teilweise Förderung aufgrund einiger günstiger EU Vorschriften.
Sehr viele ausländische Transportunternehmungen (namentlich aus Russland/Ukraine/Rumänien/Bulgarien/Kroatien) werden aufgrund des unzureichenden Maut-Kontrolldienstes durch die BAG (Nur ca. jeder 10. LKW ohne OBU an Bord wird durch die Mautkontrollbrücken erfasst!) überhaupt nicht zur Kasse gebeten und wenn diese einmal erfasst werden, kann man die Mautkosten aus verständlichen Gründen später nicht realisieren (Einen entsprechenden Bußgeld- Bescheid z.B. nach Odessa oder nach Constanza zu senden, dürfte wohl ins Leere gehen...!). Ein automatischer sofortiger Kontrollstopp hinter den Autobahn - Mautbrücken ist derzeitig nur sehr selten erkennbar.
... Finden Sie eine solche Ungleichbehandlung in Ordnung? ... und nun verlangt Ihre Organisation noch mehr Kostendruck, indem Transportunternehmer (und hier speziell trifft es wieder die deutschen Unternehmungen) evt. künftig auch auf Bundesstrassen Mautgebühren zahlen sollen, die mit Sicherheit dann auch wieder nicht von der Industrie erstattet werden. Die Mehrkosten soll der Spediteur selber tragen, einschließlich der gefahrenen Leerkilometer, denn diese sind ebenfalls mautpflichtig!
Können Sie nicht nachvollziehen, dass auch Transportunternehmer versuchen müssen, Kosten zu sparen, indem sie die Autobahnbenutzung - und zwar dann, wenn es einigermaßen ökonomisch vertretbar ist - möglichst umgehen? Bundesstrassen sind schließlich Strassen, die für alle ordnungsgemäß zugelassenen Fahrzeuge auch zur Benutzung bereitstehen.
... Ihre ausgerufene Aktion "Maut - Flucht stoppen" ist dazu angetan, das gesamte Transportgewerbe zu kriminalisieren, denn einer der auf der Flucht ist, hat schließlich etwas verbrochen, sonst wäre er ja schließlich nicht auf der Flucht...! Stellt also Ihrer Meinung nach die Benutzung einer deutschen Bundesstrasse durch einen LKW ein Verbrechen dar? Sicherlich nicht!!!!
STOPPEN Sie also Ihre gegenüber Transportunternehmern und Spediteuren feindliche Aufruf -Aktion gegen angebliche Maut- Flüchtlinge! ...
Seevetal, 21.03.05
... Sie haben zur Zeit eine Kampagne gegen den Schwerlastverkehr auf Ihren Seiten. Dazu möchte ich Ihnen folgende Worte sagen: Mein Lebenspartner hat eine kleine Spedition. Seit Mauteinführung ist es ein täglicher Kampf für ihn, zu überleben. Er hat seitdem zusätzliche Kosten von ca. 12.000 Euro. Was glauben Sie, wie man solchen Kosten entgegenwirken kann! Auch Sie würden alles tun, um Ihr Unternehmen am Leben zu halten und versuchen, an allen möglichen Ecken einzusparen. Wenn man auch noch Fahrer hat, die Ihre Familien ernähren müssen, ist man ebenfalls darauf bedacht, zu sparen. Die Fahrer machen einen Job, genauso wie Sie und ich und sind Tag und Nacht unterwegs, auch für Sie! Wenn dann noch solche Profis wie Sie die Leute gegen Sie hetzen wollen, kann einem wirklich alles vergehen. Und wenn die Maut auf das Doppelte erhöht wird, wie Sie es ja wollen, dann Gute Nacht Deutschland! Wer soll denn das bezahlen, meinen Sie, den Speditionen fällt die Mautgebühr vom Himmel herab!
Ihre Vision vom "Schwerlastverkehr auf die Schienen" wird nie passieren, da müssen Sie in Deutschland wohl noch 10 Jahre warten. Ich sehe ein, dass es Anwohnern lästig ist, jeden Tag mit LKWs zu leben, aber dass man eine Hetzkampagne gegen Sie führen muss, ist unmöglich!
Auch Sie als PKW- Fahrer würden lieber einen Umweg fahren, wenn Sie dadurch eine Menge Geld sparen könnten. ...
23.03.05
... Warum werden die Spediteure so angeprangert? Warum gibt es soviel Verkehr? Weil jeder Bürger zu jeder Zeit jedes Gut zum "Geiz ist geil" - Preis verfügbar erwartet.
Und das geht nur mit dem LKw besser Sie verteufeln ihn nicht!! Oder haben die Supermärkte in BW Anschlussgleise? Außerdem solange wir Kraftfahrzeugsteuer bezahlen, haben wir das Recht jede öffentliche Strasse zu benutzen, oder?
Bergheim, 13.04.05
Lkw-Fahrer
... meine Familie und ich sind beiderseits betroffen. Mein Mann ist als Lkw-Fahrer tätig und wir sitzen somit zwischen zwei Stühlen. Viele Firmenchefs geben ausdrücklich die Anweisung keine Maut zu verfahren, ansonsten droht der Job-Verlust bzw. Konkurs der Firma. Also müssen die armen "Schweine" von Fahrern der Autobahn fernbleiben. Oder es kommt irgendwann ganz anders. Großer Lkw wird abgeschafft, kleinere Mautfreie gekauft. Aber kaum mehr Fahrer eingestellt. Diese fahren dann doppelte Touren oder die Lagerkapazitäten werden auf Dörfer verlegt, um gezielt und schnell Waren zu organisieren bzw. zu liefern. Damit vermeidet man die Maut und erhöht das Verkehrsaufkommen, die Unfallgefahr und Abgasverschmutzung der Luft. Die Fahrer sind letztlich die Dummen und bangen um Job, Geld und Eigentum. Andererseits leidet unser Haus enorm durch das Verkehrsaufkommen. Die Wände wackeln den ganzen Tag, ebenso reißen Wände, verziehen sich Türen und der Abgasdreck ist kaum noch wegzubekommen. Selten fahren die Brummis langsamer als 60 Kilometer/Stunde. Klar, bei Terminfracht schafft man seine Zeit nur, wenn mit 90 durchgekachelt wird. Tachoscheiben werden vernichtet und getürkte Urlaubs- bzw. Krankheitsscheiben geschrieben.
Die Maut ist nur mal wieder ein Zeichen des Versagens und Verschwendens der deutschen Regierung!
Bergen (Dumme), April 2005


