Umwelt und Verkehr
Mehr Lebensqualität durch immer mehr Gütertransporte?
Billige Computer und Bekleidung aus Asien, Früchte und Blumen aus Mittel- und Südamerika, Autos aus der ganzen Welt - die Deutschen schätzen es, aus dem Vollen zu schöpfen und jedes Produkt das ganze Jahr über kaufen zu können. Doch immer öfter dämmert es, dass die Kehrseite des materiellen Reichtums uns am Ende doch viel stärker beeinträchtigen könnte als wir durch Luxus und Überfluss gewinnen. Spätestens seit kilometerlange Lkw-Schlangen ständig die rechte Spur der Autobahnen blockieren und der Verkehrslärm besonders nachts den Blutdruck hochtreibt, wird deutlich, dass etwas schief läuft. Ein einziger Lkw macht im Durchschnitt soviel Lärm wie 15 bis 20 Autos. Doch noch immer lautet die Maxime: "Transport muss billig sein, damit die Wirtschaft brummt".
Ein gutes Signal aus der Schweiz: Nicht mehr mit uns!
Bereits im September 1998 hat sich die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung für die Einführung der sogenannten "Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe" entschieden, d.h. dass Lkw künftig eine auf das Gewicht und die Entfernung bezogene Abgabe entrichten müssen. Die Schweizer wollen nicht länger hinnehmen, dass der sensible Alpenraum immer stärker vom Straßengüterverkehr überrollt wird. Jetzt muss auch für Deutschland und ganz Europa eine einheitliche Schwerverkehrsabgabe folgen.
Und was ist mit den Arbeitsplätzen?
Als häufig gehörtes Argument gegen eine Verteuerung des Gütertransports auf der Straße gilt der Verlust von Arbeitsplätzen. Tatsächlich aber wurden in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze in Billiglohnländer exportiert, weil gerade der Transportpreis kaum noch eine Rolle spielt. Dagegen würde eine Schwerverkehrsabgabe regionale Wirtschaftskreisläufe belohnen. Die heimischen Produzenten profitierten also am meisten. Unsinnige Transporte von Lebensmitteln quer durch Europa rechneten sich dann nicht länger. Und bei hochwertigen Produkten wie Maschinen und Spezialwerkzeugen fällt die Zusatzbelastung kaum ins Gewicht.
Preisdrückerei zu Lasten der Arbeitnehmer und der Sicherheit
Die Arbeitsbedingungen im Straßengüterverkehrsgewerbe sind miserabel. Unfälle durch übermüdete Fahrer sind keine Seltenheit. Kaum ein Laster fährt die zugelassenen 80 km/h. Die Kontrollen der Behörden sind viel zu spärlich, um Wirkung zu zeigen. Für Lkw-Fahrer sind Arbeitszeiten von 60 bis 80 Stunden pro Woche keine Seltenheit, und die Löhne wegen der starken Konkurrenz sind trotzdem rückläufig. Kriminell wird es, wenn immer mehr Transportunternehmen an der Sicherheit sparen und ihre Lastwagen mit abgefahrenen Reifen und defekten Bremsen auf die Piste schicken. Der knallharte Konkurrenzkampf lässt immer mehr Spediteure zu solchen Mitteln greifen. Hier muss der Gesetzgeber wirksam gegensteuern.
Was kann die Bahn leisten?
Der Anteil der Bahn am Güterverkehr ist auf ein Sechstel geschrumpft. Ganze Transportbereiche wie der Stückgutverkehr und der Posttransport wurden eingestellt bzw. an den Lkw abgegeben. Die Bahn hat immer noch den Ruf, zu langsam, zu unflexibel, zu teuer und wenig leistungsfähig zu sein. Das muss sich ändern! Neben fairen Wettbewerbsbedingungen braucht die Schiene unbedingt einen Modernisierungsschub, um wieder konkurrenzfähig zu werden. Doch auch heute schon liegen die größten unausgeschöpften Potentiale im Güterverkehr auf der Schiene.
Welche Rolle spielen die Brummer in Zukunft?
Leider wird der Straßengüterverkehr beim Warentransport auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Vieles ginge jedoch effizienter, sauberer, leiser und intelligenter, wenn alle Optimierungsmöglichkeiten genutzt würden. Am stärksten belastet der große Bestand an älteren Lastern die Umwelt. Hier müsste ein Paket von Anreizen und Verboten den Trend zu umweltverträglicheren Lastern anschieben - indem nur emissionsarme Fahrzeuge auf bestimmten Straßen und in die Stadtteile fahren dürfen. Wichtig ist darüber hinaus eine Begrenzung des Fahrzeuggewichts und der Abmessungen. Immer schwerere Lkw verursachen mehr Straßenschäden. Und größere Fahrzeugabmessungen verlangen mehr Straßenfläche in der Stadt insbesondere in Kreuzungsbereichen und dort wo rangiert wird. Außerdem könnten neue Logistikkonzepte und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Speditionen viele Lkw-Kilometer einsparen und Leerfahrten vermeiden helfen.
Faire Wettbewerbsbedingungen im Güterverkehr
Der VCD will der Benachteiligung der Schiene im Wettbewerb mit den anderen Verkehrsträgern im Güterverkehr ein Ende bereiten. Mit einer leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) für Lkw will der VCD wieder Chancengleichheit zwischen Straße und Schiene herstellen und die Lkw-Flut eindämmen.


