Problemlos reisen mit der Bahn

- Foto: Marlis Jonas
Marlis Jonas (63) und Joachim Krueger (58) begeben sich auf »Bahn-Zeit-Reise«: Im Gepäck eine Bahncard 100 und sechzig Orte der Sehnsucht, die sie alle innerhalb eines Jahres besuchen wollen. Ihr Beispiel zeigt, wie einfach auch Senioren mit der Bahn mobil sein können. Der VCD traf sich mit den beiden, um ihnen einige Tipps zu entlocken, wie man auch im Alter noch entspannt verreisen kann.
VCD: Das »Bahn-Zeit-Reise«-Jahr ist nun vorbei − wie viele Kilometer haben Sie insgesamt zurückgelegt?
Hr. Krueger: Wir sind etwa 38 494 Kilometern mit insgesamt 419 verschiedenen Zügen gefahren. Busse und U-Bahnen habe ich gar nicht erst mitgezählt.
VCD: Und haben Sie alle Ziele wirklich ohne Auto erreicht?
Hr. Krueger: Ja, wir hatten uns zum Anfang zwar durchaus die Option offen gehalten, auch mal Car Sharing oder ein Taxi zu nehmen, doch sind wir bisher ohne ausgekommen.
VCD: Und das hat immer reibungslos geklappt?
Fr. Jonas: Am Anfang des Jahres hab ich mir gleich klargemacht: Wir steigen von Anspruch auf Abenteuer um. Das heißt nicht schon im Vorfeld den Anspruch zu haben, dass alles perfekt läuft, sondern einfach die Reise zu genießen, auch wenn etwas dazwischen kommt.
Hr. Krueger: Und eigentlich ist nur wenig dazwischengekommen. Unsere größte Reiseverzögerung ist bisher 65 Minuten gewesen. Und auch im Winter ging alles gut. Da mussten wir mal einen ganz anderen Zug nehmen, als wir eigentlich nehmen wollten. Aber am Ende kamen wir fast immer pünktlich an.
Fr. Jonas: Und selbst wenn wir mal eine Stunde am Bahnhof warten mussten, dann sind wir einfach außerhalb des Bahnhofs in ein Lokal gegangen und haben was gegessen und getrunken.
VCD: Haben Sie noch weitere Tipps für Senioren auf Bahnreisen?
Hr. Krueger: Ein Smartphone macht die Sache natürlich einfacher …
Fr. Jonas: Aber es geht auch ohne Smartphone. Man muss sich nur ordentlich vorbereiten und den Fahrplan ausgedruckt haben. Und wenn man große Angst hat, sollte man am besten auch den Platz reservieren. Außerdem rate ich, nicht in Stoßzeiten die Bahn zu nutzen, freitags und sonntags auf die Bahnfahrt zu verzichten und auf die Ferienzeiten in den jeweiligen Bundesländern zu achten. Das sind so ganz einfache Regeln, wenn man die beachtet, kann man schon viel entspannter reisen.
VCD: Was für einen Eindruck haben Sie denn von den Bahnhöfen bezüglich ihrer Barrierefreiheit?
Hr. Krueger: Mit der Barrierefreiheit wird es immer besser. Immer mehr Bahnhöfe werden umgebaut. Aber klar gibt es noch ein paar Leichen im Keller, wie einige nicht-funktionierende Fahrstühle und Gepäckbeförderungsbänder, die ihren Namen nicht verdienen. Doch letztendlich kamen wir überall durch.
Fr. Jonas: Was allerdings sehr verbesserungswürdig ist, ist die Gepäckaufbewahrung an den Bahnhöfen. Oft gibt es nur wenige Aufbewahrungsmöglichkeiten und die sind dann schon belegt. Wir beschränken uns mittlerweile aber auf ganz wenig Gepäck − das macht das Reisen angenehmer.
VCD: Und sonst gibt es keine Erschwernisse für ältere Menschen?
Fr. Jonas: Der Knackpunkt ist natürlich auch das Ticketkaufen. Das mussten wir mit unserer Bahncard 100 nicht machen, deshalb sind wir auch so unbeschwert gereist. Doch alle anderen stehen vor dem komplizierten Preissystem der Bahn, auf die Beratung an den Schaltern muss man lange warten und dann verliert man schnell die Lust am Reisen.
VCD: Was würden Sie Freunden raten, die großen Respekt vor dem Bahnfahren haben?
Fr. Jonas: Freundet euch mit der Bahn an und probiert sie aus. Aber nicht nur einmal, sondern mehrmals. Denn beim ersten Mal geht garantiert alles schief.
VCD: Was denken Sie, wie Sie mit Mitte 70 noch reisen werden?
Fr. Jonas (lacht): Na hoffentlich weiterhin mit der Bahn. Und wenn dann gar nichts mehr geht, dann kommen Kreuzfahrten dran.
VCD: Vielen Dank für das Gespräch!
- Mehr Eindrücke und weitere Fotos haben die beiden Reiselustigen in ihrem Blog veröffentlicht


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