"Verkehrsentwicklungsplan" 2005:

unverbesserlich auf Straßenbau programmiert

 

Im Zuge der Fortschreibung ihres Flächennutzungsplans beauftragte die Stadt Bayreuth die Ingenieursgemeinschaft Dr. Ing. Schubert, Hannover, mit dem "Verkehrsentwicklungsplan 2005, Abschnitt: motorisierter Individualverkehr".

Leider muss der VCD feststellen, dass in diesem Ingenieurbüro in über 40 Jahren, die es die Verkehrsplanung in Bayreuth gutachterlich begleitet (1. GVP 1962/1963!), kein grundsätzliches Umdenken erfolgt ist, sondern höchstens eine Verpackung in zeitgemäßere Formulierungen. Angeblich gehen die Prognosen davon aus, dass "den heute erkennbaren Tendenzen einer stadtverträglichen Verkehrsplanung Rechnung getragen, das Angebot und die Qualität im ÖPNV unter den heute bekannten betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgebaut, der Fahrradverkehr durch ein deutlich verbessertes Angebot an sicheren Radwegen und Fahrradrouten gefördert und weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ergriffen" wurden (S.9).

 Bei der mündlichen Präsentation im Bauausschuss zeigte sich allerdings, dass die Verkehrswirksamkeit dieser vom VCD schon lange geforderten Maßnahmen als äußerst gering eingeschätzt wird. Deshalb geht das Büro nach dem Grundsatz "weiter so" von Verkehrszunahmen um 4-5 % bis 2010 und 8% bis 2020 aus, die durch die steigende Motorisierung und Fahrleistung verursacht werden. Hinzu kommen Steigerungen durch das Siedlungswachstum. Das 2. Prognoseszenario rechnet deshalb mit einer Zunahme des motorisierten Individualverkehrs bis 2020 um 12,5 %!

Eine nach der Agenda 21 zur Nachhaltigkeit verpflichtete Stadtplanung müsste angesichts dieses Szenarios dringend nach Möglichkeiten suchen, diese zusätzlichen Belastungen zu verhindern, zumal es sich bei weitaus den meisten Fahrten um Binnenverkehr handelt. Dabei liegen selbst in den am stärksten dem Durchgangsverkehr dienenden Einfallstraßen dessen Anteile nur bei 5-8 %! Statt dessen beschränkt man sich, wie schon seit 40 Jahren, darauf, diesem Zuwachs zusätzlichen Straßenraum anzubieten, ohne zu erkennen, dass somit insbesondere im Binnenverkehr die Autonutzung weiter angeheizt wird.

Den größten Skandal in den Straßenbauplänen stellt zweifellos das Wiederaufgreifen der bereits mehrfach vom Stadtrat abgelehnten Südtangente zwischen Thiergärtnerstraße und Rheinstraße dar. Mit ihr würde nicht nur der Studentenwald, ein intensiv genutztes Naherholungsgebiet, sondern der gesamte südliche Stadtrand schwerwiegend beeinträchtigt (Barriere zwischen Glocke und Saas, Beeinträchtigung des Schulstandortes in der A.-Wächter-Straße).

Auch die "Wunau-Spange" würde für das Naherholungs- und Landschaftsschutzgebiet des Rotmaintales eine empfindliche Beeinträchtigung bedeuten. Diese "komplettiert" den durch die bereits "abgesegnete" B 22 neu angerichteten Schaden.

Bayreuth benötigt dringend eine ganzheitliche Verkehrsentwicklungsplanung. Ausschließlich auf Verkehrszählungen und Prognosen begründete Straßenbaukonzepte können diesem Anspruch nicht gerecht werden sondern sind im Gegenteil ausgesprochen kontraproduktiv. Straßenbau eignet sich nicht zur Lösung von Verkehrsproblemen. Angesichts der in jüngster Zeit dramatisch gestiegenen Treibstoffkosten erscheint ein Umdenken dringend erforderlich. Der VCD hat bereits mit Stellungsnahmen  zum GVP 1994 detailliert die Konzepte für eine neue Verkehrspolitik aufgezeigt. Dies wurde von der Stadt Bayreuth u. a. mit der Verleihung des Umweltpreises anerkannt. Nun müssen dringend Taten erfolgen, die eine Stadtzerstörung durch Straßenbau überflüssig machen.