Carsharing: Auto nutzen statt besitzen

- Carsharing in Hannover
Der Besitz eines eigenen Pkw gilt heute meist als Ausdruck von Unabhängigkeit und Erfolg. Je größer und PS-stärker, desto höher das soziale Ansehen. Die Vorteile eines eigenen Autos haben jedoch ihren Preis: Anschaffung und Unterhaltung sind sehr kostspielig. So betragen beispielsweise die gesamten Kosten für einen Mittelklassewagen wie einen einfachen Golf bei einer durchschnittlichen Kilometerleistung von 12.000 rund 6000 Euro im Jahr − Versicherung, Steuern, Wartung, Wertverlust und Spritkosten inklusive. Die Fixkosten haben daran einen Anteil von etwa drei Vierteln, d.h auch wenn das Auto keinen Meter bewegt werden würde, fielen diese Kosten an.
Dabei steht das teure Gefährt in der Tat die meiste Zeit nur herum. Im Durchschnitt ist das Auto 23 Stunden am Tag kein Fahr-, sondern ein »Stehzeug«. Wahrhaftig keine rationale Nutzung eines Fortbewegungsmittels, das hohe Fixkosten verursacht. Aus diesem Grund fanden sich Ende der 1980er Jahre in der Schweiz Menschen zusammen, die nach dem Motto "Nutzen statt besitzen" eine Alternative zum individuellen Autobesitz entwickelten: Das organisierte Auto-Teilen, auf Neudeutsch »Carsharing«. Auch in Deutschland entstanden mit Unterstützung des VCD in zahlreichen Städten Carsharing-Organisationen, so unter anderem in Berlin der Carsharing-Anbieter Stattauto.
Entwicklung des Carsharing in Deutschland seit 1997* (Vergößerung mit Klick auf Tabelle):
*jeweils zum 1. Januar des Jahres; Tabelle: eigene Darstellung nach Daten des Bundesverband Carsharing
Das klassische Carsharing funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Viele Menschen teilen sich mehrere Autos, die von einer Zentrale verwaltet werden. Unterschiedliche Autotypen stehen an verschiedenen Standorten bereit und können nach Bedarf und Einsatzzweck − meist rund um die Uhr − per Telefon oder Internet gebucht werden. Zugang zum gebuchten Fahrzeug bekommt man jederzeit über spezielle Schlüsseltresore am Parkplatz oder elektronische Kartensysteme. Die NutzerInnen haben mit Reinigung, Wartung, Instandsetzung, Versicherung der Autos und anderen lästigen Dingen nichts mehr zu tun. In der Regel erhalten sie einmal im Monat eine Rechnung je nach Inanspruchnahme der Fahrzeuge. Den Rest erledigt die Carsharing-Organisation.
Struktur Carsharing in Deutschland am 1. Januar 2013 im Vergleich zu 2012:
Tabelle: eigene Darstellung nach Daten des Bundesverband Carsharing
Mit dem Erfolg des klassischen Carsharing begannen auch die großen Automobilhersteller in den stetig wachsenden Markt einzusteigen, allerdings mit anderen Geschäftsmodellen (sogenanntes Free-Floating Carsharing). Während bei klassischen Carsharing-Anbietern die Fahrzeuge in der Regel wieder an denselben Ort zurückgestellt werden müssen, bietet Free-Floating Carsharing die Möglichkeit zu Einwegfahrten. Ob dies zu negativen Auswirkungen auf den ÖPNV führt, ist noch nicht untersucht, erste Anzeichen lassen dies jedoch erkennen.
Formen der gemeinsamen Fahrzeugnutzung (Vergößerung mit Klick auf Tabelle):
Tabelle: eigene Darstellung
Weitere Informationen rund um das Thema Carsharing bietet auch der Bundesverband Carsharing. Einen guten Überblick sämtlicher Carsharing-Anbieter mit Vergleichskriterien bietet das Portal flexauto.de.
VCD-Mustervertrag für privates Carsharing

- Autos teilen statt besitzen
Für Nachbarn oder Freunde, die ein Auto gerne gemeinschaftlich nutzen möchten, weil Sie das Auto zu unterschiedlichen Zeiten oder für unterschiedliche Zwecke benötigen, hat der VCD einen Mustervertrag für nachbarschaftliches Auto-Teilen entworfen. Er enthält Erläuterungen und Vorschläge für alle erforderlichen Regelungen. So können Kosten und Risiken für die Nutzer vorab geklärt werden.
VCD-Mitglieder können sich den Mustervertrag für privates Carsharing kostenlos im Mitgliederbereich herunterladen. Im VCD-Online-Shop kann der Mustervertrag zum Unkostenpreis bestellt werden.


vcd.org