CO2-Grenzwert - 80 g/km!

Mitte Juli 2012 hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für eine weitere Verbrauchsreduzierung von Pkw vorgestellt. Danach sollen neue Pkw ab 2020 im Schnitt maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dies entspricht einem Verbrauch von 4,1 Liter Litern Benzin bzw. 3,6 Diesel pro 100 km. Der VCD begrüßt die Fortschreibung der bereits geltenden CO2-Grenzwerte für 2015 von 130 g/km, bemängelt allerdings die wenig ambitionierte Ausgestaltung.

Entwicklung des CO2-Grenzwertes bis heute

Bereits Mitte der 1990er Jahre diskutierte die Europäische Union über einen Grenzwert für den CO2-Ausstoß von Pkw. Im Umweltministerrat, dem auch Angela Merkel als damalige deutsche Umweltministerin angehörte, wurde schon zu diesem Zeitpunkt ein Zielwert von 120 g/km für das Jahr 2005 angepeilt. Aufgrund des Versprechens der Autoindustrie, freiwillig den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen bis 2008 auf 140 g/km zu senken, wurde die gesetzliche Verpflichtung jedoch fallengelassen. Ihr Versprechen haben die Hersteller aber nicht gehalten. Ende 2008 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU bei 154 g/km.

Als deutlich wurde, dass die freiwliige Vereinbarung nicht zum Ziel führte, legte die EU-Kommission im Dezember 2007 erstmals einen Entwurf für verbindliche Verbrauchsgrenzwerte für Neuwagen vor. Ende 2008 beschlossen Parlament und Regierungen der EU nach monatelanger, hitziger Diskussion schließlich die stufenweise Einführung eines EU-weiten CO2-Grenzwerts für Pkw von 130 g/km ab 2012 bis 2015. Im Entwurf der EU-Kommission war noch von 130 g/km bis 2012 die Rede gewesen - ohne stufenweise Einführung. Die Anhebung des Grenzwerts und die Verlängerung der Umsetzungsfrist sind vor allem Resultat des erbitterten Widerstandes der deutschen Bundesregierung, die entgegen ihres vollmundigen Klimaschutzbekenntnisses als Sprachrohr der deutschen Automobilindustrie fungierte. Mehr zur Geschichte des CO2-Grenzwerts bietet die Chronologie einer Blockade, die rechts in der Menüleiste heruntergeladen werden kann.

Der Vorschlag für die Grenzwerte 2020 wird derzeit zwischen Europaparlament und Mitgleidsstaaten verhandelt. Die endgültige Version des EU-Gesetzes wird wahrscheinlich bis Ende 2013 in Brüssel beschlossen werden. Dabei wirkt auch die deutsche Bundesregierung an der Formulierung des endgültigen Gesetzes mit. Es ist zu erwarten, dass es wieder zu einer hitzigen Auseinandersetzung kommt. Die Autolobby wird ebenfalls alles dafür tun, ihren Einfluss geltend zu machen.

 

Forderungen des VCD

Für den VCD widersprechen abgeschwächte Grenzwerte einer ambitionierten Klimapolitik. Angesichts des Klimawandels und schwindender Ölreserven ist es unerlässlich, den Spritverbrauch von Pkw deutlich zu senken. Selbst der beschlossene lasche Grenzwert für 2015 zeigt Wirkung. Nach jahrelanger Untätigkeit der Hersteller, ihre Modellpalette von sich aus sparsamer zu machen, ist in den letzten vier Jahren ein regelrechter Effizienzboom ausgebrochen. Viele Hersteller werden den ab 2015 gelten Grenzwert bereits deutlich früher einhalten. Der VCD fordert daher gemeinsam mit anderen Umweltverbänden für 2020 einen verbindlichen Wert von 80 g/km. Darüber hinaus fordert der VCD aus Gründen der Planungssicherheit und langfristiger Anreize zur Entwicklung sparsamer Autos, bereits jetzt einen Grenzwert von 60 g/km für das Jahr 2025 zu formulieren. Dies schafft zusätzliche Hightech-Arbeitsplätze in der Auto- und Zulieferindustrie.

Leider enthält der EU-Vorschlag die Möglichkeit einer Mehrfachanrechnung von Elektroautos. Nach Plänen der EU-Kommission soll jedes dieser Fahrzeuge als 1,3 Fahrzeuge gezählt werden. Dabei werden batterieelektrische Fahrzeuge als Null-Emissionsfahrzeuge gerechnet. Das heißt, jedes verkaufte Elektroauto verwässert die Zielsetzung für den CO2-Ausstoß von herkömmlichen Benzinern oder Dieseln übermäßig. Damit wird das Gesamtziel aufgeweicht. Diese Mehrfachanrechnung lehnt der VCD ab. Weitere Erläuterungen und Forderungen zum CO2-Grenzwert können rechts in der Menüleiste heruntergeladen werden.

Ambitionierte CO2-Werte sind nichts Illusorisches: Schon heute gibt es viele Modelle - und darunter nicht nur Kleinwagen -, die weniger als 100 Gramm emittieren. Einen Überblick darüber gibt die jährlich erscheinende VCD Auto-Umweltliste. Mit heutigen sparsamen Autos können über alle Fahrzeugklassen hinweg Fahrzuegflotten zusammengestellt werden, die den Wert für 2020 unterschreiten (s. Übersicht "95g-Flotte im Menü rechts).

Vorteile für Verbraucher

Ambitionierte CO2-Grenzwerte dienen nicht nur dem Klimaschutz, sondern verringern auch die Spritkosten. Der CO2-Ausstoß hängt direkt mit dem Kraftstoffverbrauch zusammen. Pro Liter verbranntem Benzin entstehen 2,3 kg CO2, bei einem Liter Diesel sind es 2,6 kg. Ein CO2-Grenzwert von 80 g/km entspricht einem Verbrauch von 3,4 bzw. 3,1 l/100 km. Bei einem Spritpreis von 2 Euro und den durchschnittlichen Fahrleistungen des Jahres 2010 würden Autofahrerinnen und Autofahrer zwischen 600 bis 1.000 Euro pro Jahr sparen.

CO2-Grenzwerte für Transporter

Analog zur Regelung für neue Pkw hat die EU Ende 2010 auch CO2-Grenzwerte für leichte Nutzfahrzeuge (Transporter) bis 3,5 Tonnen beschlossen. Danach sollen neue Transporter schrittweise von 2014 bis 2017 durchschnittlich 175g CO2/km ausstoßen. Dieser Wert soll bis 2020 auf 147 Gramm sinken. Die Modalitäten zur Erreichung des 2020er Ziels hat die EU-Kommission ebenfalls Mitte Juli 2012 in einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, Wie schon bei den Pkw-Grenzwerten gab es einen erbitterten Widerstand der Fahrzeugindustrie, die erfolgreich die ursprünglich strengeren Vorgaben der EU-Kommission abgeschwächt haben. Dabei zeigen neue Transportermodelle bereits heute, dass die Grenzwerte erreichbar sind.

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