Pressemitteilung vom 21.02.2008

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VCD warnt vor weiterer Zunahme des Autoverkehrs

Im Rahmen des Klimabündnisses hat sich die Stadt Leipzig eindeutig zu einer Verminderung des Pkw-Verkehrs und zu dessen Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger bekannt.

Trotzdem wird in und um Leipzig weiterhin öffentliches Geld mit dem Ziel eingesetzt, den Autoverkehr zu erleichtern, so dass dieser im Wettbewerb gegenüber den umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln Vorteile erlangt.

Die Ortsgruppe Leipzig des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) warnt daher vor den Folgen von Fehlinvestitionen in das Verkehrssystem: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten", so Harald Lindner vom VCD: "Die Zunahme des Autoverkehrs ist auch eine direkte Folge der Investitionen in das Straßennetz – wenn die Zahl der Parkplätze steigt und Straßen vierspurig ausgebaut werden, wird die Motivation der Autofahrer zum Wechsel auf Fahrrad, Bus oder Bahn eher verkleinert."

Insbesondere drei Beispiele für Fehlentscheidungen der letzten Wochen nimmt der VCD aufs Korn:

  1. Die Kommunalen Wasserwerke wollen 545.000 Euro ausgeben, um in bester Citylage ein Grundstück für Parkplätze zu erwerben (vgl. LVZ vom 8.1.2008). Der Bedarf von 300 Stellplätzen der KWL wird vom VCD hinterfragt: "Während es einleuchtet, die überwiegend nötigen Firmenfahrzeuge direkt auf dem Betriebsgelände zu parken, sind weder Mitarbeiter noch Kunden in diesem hohen Maß auf den Pkw angewiesen. Zwischen den Haltestellen Augustusplatz und Johannisplatz ist die Anbindung an die Straßenbahn ideal, auch ein Radweg führt sicher bis zur Tür. Durch geschicktes Mobilitätsmanagement und Kundeninformationen könnte hier jede Menge Autoverkehr vermieden werden, wenn es das Unternehmen nur will."

  2. Das Straßenbauamt plant eine vierspurige Umgehungsstraße um Dölzig, obwohl die Verkehrsbelastung dieser Strecke bereits zurückgegangen ist, nachdem die B 6 nach Schkeuditz und die A 38 jeweils vierspurig ausgebaut wurden (vgl. LVZ vom 11.02.2008). Eine Verlegung der vorhandenen Straße aus dem Ort heraus (begleitet von einer Verkehrsberuhigung der heutigen Straße) wäre nach Ansicht des VCD zwar noch vertretbar, nicht aber eine vierstreifige Führung, die lediglich zum Rasen einlädt.

  3. Das Amt für Verkehrsplanung will die Prager Straße vierspurig ausbauen, dazu Grundstücke erwerben und ggf. für einen Millionenbetrag ein Gründerzeithaus versetzen (vgl. LVZ vom 16.02.2008). Auch hier stellt sich die Frage des Nutzens: Die Straßenbahn erhält zwar einen eigenen Gleiskörper und könnte mit kürzeren Fahrzeiten Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen. Durch mehr Spuren für den Pkw-Verkehr wird dieser Wettbewerbsvorteil umgehend wieder zerstört.

Der VCD vermutet, dass die Planungen noch aus einer Zeit stammen, in der das Wachstum des Straßenverkehrs für ein Naturgesetz gehalten wurde. Inzwischen sinken die Einwohnerzahlen des Umlands, der Absatz von Kraftstoffen in Deutschland geht zurück, weil Autofahrer weniger fahren oder andere Verkehrsmittel nutzen, Neu-Leipziger ziehen in innenstadtnahe Stadtteile, um dort mit dem Fahrrad und zu Fuß ihre Ziele erreichen zu können (vgl. Lizzy-online vom 17.02.2008). Alle Voraussetzungen für einen Rückgang des innerstädtischen Pkw-Verkehrs sind gegeben. Während aber in Paris deshalb Auto-Spuren für andere Verkehrsmittel umgewidmet werden oder die Stadt München gezielt ihre Neubürger auf umweltfreundliche Verkehrsmittel hinweist, werden in Leipzig weiterhin mit öffentlichem Geld Strukturen für ein Wachstum des Pkw-Verkehrs geschaffen. Dies sollte sowohl angesichts der globalen Umweltsituation als auch wegen der Ebbe in den öffentlichen Haushalte vermieden werden.

Leipzig, am 21. Februar 2008

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