Pressemitteilung vom 19.06.2008

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Lutz Dressler
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Wirtschaft steckt hinter Gründung des neuen "Bürgervereins" pro Flughafen - VCD: Das Nachtflugverbot ist dringend notwendig

Dass Wirtschaft und Flughafenbetreiber Vereine oder Bürgerinitiativen initiieren, um so für ihre Interessen zu werben und zum Beipiel von Anwohnern verpönte Ausbaupläne durchzubekommen, ist nichts Neues in Deutschland.

In Frankfurt gibt es die "Bürgeraktion" Pro Flughafen. Besucht man deren Website www.pro-flughafen.de, hat man wirklich den Eindruck, dass hier hauptsächlich Bürger aktiv sind. Erst wenn man sich unter den Links bis zu den Sponsoren durchgeklickt hat, sieht man welch eine beachtliche Liste von Wirtschaftsunternehmen für die Finanzierung der "Bürgeraktion" sorgen.

Laut Entscheidung des Kasseler Verwaltungsgerichts vom Dienstag ist der Ausbau des Regionalflughafens Kassel-Calden legitim. Enttäuschte Anwohner überlegen jetzt den Schritt vor das Leipziger Bundesverwaltungsgericht. Der Flughafenausbau war das erklärte Ziel der "Initiative Pro Flughafen Kassel", die auf www.proflughafenkassel.de klarstellt: "Wir, die 'Initiative Pro Flughafen Kassel e.V.', sind ein Verein aus Privatpersonen". So? Schaut man in den Quelltext der Website, dann sieht man wer hier mitarbeitet: Michael Siegl von der FSG Group, einem Beratungsunternehmen, das unter anderem den Kasseler Flughafen zu seinem Kundenkreis zählt.

Im Leipziger Ratskeller wurde am 13. Juni der Bürgerverein pro Flughafen Leipzig/Halle gegründet. Maria Sharichin, die neue stellvertretende Vorsitzende und Holger Schmahl, der Pressesprecher können als Organisationsteam der regelmäßigen Leipziger Ratsgespräche als Initiatoren der Vereinsgründung gelten. Beide betreiben in Leipzig Kommunikationsagenturen. Schmahl stellte zu Beginn klar, dass es im Verein keine finanziellen Verbindungen zum Flughafen gebe, man sei kein Förderverein des Flughafens. Erst auf telefonische Nachfrage der "Mitteldeutschen Zeitung" musste er einräumen, dass seine Kommunikationsagentur geschäftliche Beziehungen zum Flughafen habe und Veranstaltungen der Agentur vom Flughafen bezahlt worden sind. Auch die Firma von Vereinsmitgründer Dietmar Schulz "alpha 2000" zählt laut eigener Website den Flughafen zum Kundenkreis. Gute Kontakte hat man auf alle Fälle schon zum Geschäftsführer des Flughafens, Eric Malitzke, der schon kurz nach der Gründung die neue Initiative per Pressemitteilung lobte.

Zum Thema Nachtflugverbot erklärt Lutz Dressler, Vorstandsmitglied im Verkehrsclub Deutschland LV Elbe-Saale: "Gerade so kurz vor dem entscheidenden Prozess vor dem Bundesverwaltungsgericht, darf man sich nicht von vermeintlichen Bürgeraktionen blenden lassen. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Eingrenzung der Nachtflüge auf Expressgut muss im Sinne der vielen tausend Anwohner, die berechtigterweise seit Monaten und Jahren für Ruhe kämpfen, umgesetzt werden. Militärische Güter und sonstige Luftfracht dürfen keinen Vorrang vor der Nachtruhe erhalten."

Leipzig, am 19. Juni 2008

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