Elektromobilität - Hype oder Heilsbringer?

Elektroauto
Foto: Flickr.de, Martin Ecker

Dem Elektroauto gehört angeblich die Zukunft. Nachdem es Jahrzehnte im Dornröschenschlaf verbrachte, erlebt es gerade eine erstaunliche Renaissance. Im Mai 2010 rief die Kanzlerin zu einer »Nationalen Plattform Elektromobilität« (NPE), und man könnte meinen das elektromobile Zeitalter stünde unmittelbar bevor.

Politikerreden, Ankündigungen der Autoindustrie und Medienberichte setzen Elektromobilität meist mit Elektroautos gleich. Dabei hat das Zeitalter der Elektromobilität schon lange begonnen: Denn mit den meisten Fern- und Regionalbahnen, mit den Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs und natürlich mit dem Elektrofahrrad, kann man schon seit Jahren elektromobil unterwegs sein.

Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes waren Anfang 2010 hingegen in ganz Deutschland knapp 1600 Elektroautos zugelassen. In 10 Jahren sollen es nach den Plänen der Bundesregierung eine Million Elektroautos sein.

Laut Umfragen sind jetzt schon viele Autofahrer bereit, auf ein Elektroauto umzusteigen, wenn das Auto wie gewohnt funktioniert und der Preis stimmt. Aber ein Elektroauto wird in den nächsten Jahren 10.000 bis 20.000 Euro mehr kosten als ein vergleichbarer Benziner und die Batterien werden trotz technischem Fortschritt teuer bleiben. Der Strom für 100 Kilometer kostet hingegen mit ein bis zwei Euro vergleichsweise wenig. Doch für alle elektromobilen Fahrzeuge sieht der VCD nur dann eine Zukunft, wenn der Strom, um sie zu betreiben, regenerativ erzeugt wird. Unter der Voraussetzung, dass der Strom aus zusätzlicher erneuerbarer Energie gewonnen wird, sind Elektromotoren effizient und verursachen wenig Schadstoffe.

Im Rahmen eines neuen Mobilitätskonzeptes sieht der VCD die Zukunft des Elektroautos mittelfristig in Carsharing-Flotten. So ist das Fahrzeug optimal ausgelastet und seine hohen Anschaffungskosten sind relativiert. Kürzere Wege legt man dann zu Fuß und mit dem Rad zurück, es gibt einen entwickelten öffentlichen Personennahverkehr, weitere Strecken werden mit der Bahn zurückgelegt. An Bahnhöfen und anderen Knotenpunkten gibt es Leihstationen für (Elektro-)Fahrräder, Elektroautos und energieeffiziente Hybridautos. Insgesamt sind viel weniger Pkw zugelassen als heute − aber das einzelne Auto ist viel mehr unterwegs als heute und dadurch effizienter.

Die VCD Position zum Thema Elektromobilität finden sie rechts zum Download.

Perspektivwechsel bei Elektromobilität notwendig

VCD-Fachforum auf der Woche der Umwelt 2012
Foto: VCD

Individuelle Elektromobilität ist ein entscheidender Baustein für zukunftsfähige Mobilitätskonzepte. Doch während Politik und Automobilindustrie seit Jahren auf den Durchbruch bei Elektroautos setzen, findet auf deutschen Straßen eine andere Entwicklung statt: Immer mehr Menschen steigen um auf das Elektrofahrrad.

Der VCD nahm die Woche der Umwelt bei Bundespräsident Joachim Gauck am 5. und 6. Juni daher zum Anlass, ein Umdenken bei der Förderung der Elektromobilität zu fordern. Gemeinsam mit Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, und Michael Cramer, Mitglied des Europäischen Parlaments, diskutierte der VCD im Garten des Schloss Bellevue über Chancen und Potentiale von E-Rädern und Elektroautos.

Fakt ist, die Bilanz der E-Autos fällt bisher nüchtern aus: Nicht einmal 5 000 fahren derzeit auf deutschen Straßen, der Großteil davon in Testflotten. Grund dafür ist die bescheidene Auswahl an E-Autos und die deutlich höheren Preise im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor. Statt einseitig die E-Autos zu fördern, fordert der VCD, auch auf erfolgversprechendere Alternativen zu setzen. Denn während das Ziel der Bundesregierung, eine Million E-Autos bis 2020 auf die Straße zu bringen, zunehmend unrealistisch erscheint, sind E-Räder bereits an diesem Punkt angelangt. Nach Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) waren im März dieses Jahres mehr als 900 000 E-Bikes und Pedelecs in Deutschland unterwegs. Eine gezielte Förderung des Radverkehrs könnte den Trend der Mobilität auf zwei Rädern unterstützen und ausbauen und dadurch den Ausstoß schädlicher Klimagase und des Verkehrslärms verringern.

Generation Mietwagen - Die neue Lust an einer anderen Mobilität

Titel: Generation Mietwagen

Das eigene Auto war gestern, findet fairkehr-Chefredakteur Michael Adler und hat ein Buch über die „Generation Mietwagen” und die neue Lust an einer anderen Mobilität geschrieben. Darin erklärt er zum einen, weshalb das Ende des Ölzeitalters und der Klimawandel uns zwingen umzudenken. Zum anderen zeigt er auf, wie die jungen Menschen aus den Städten sich bereits anders fortbewegen als ihre Eltern: ganz flexibel mit Carsharing, Leihrädern, Mitfahrbörsen, Bus und Bahn.
mehr

Seite weiterempfehlenSeite drucken

Mehr zum Thema

Der VCD empfiehlt

Elektroautos haben nur dann einen Klima-Vorteil gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen, wenn der von ihnen verbrauchte Strom regenerativ erzeugt wird. Alles zum Thema Ökostrom erfahren Sie auf den Seiten der Initiative »Atomausstieg selber machen«.

VCD-Newsletter

Aktuell, kostenlos und bequem per E-Mail. Jetzt abonnieren!

Footer