Fernlinienbusse - 2013 ist Jahr der Liberalisierung

Reisebus
Foto: meinfernbus.de

Seit Anfang 2013 dürfen Unternehmen bundesweit Linienfernverkehre mit Bussen anbieten. Bundestag und Bundesrat habe im Herbst 2012 einer entsprechenden Änderung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) zugestimmt. Bisher verhinderte eine gesetzliche Regelung im PBefG aus den 1930er Jahren, dass in Deutschland parallel zu Strecken, auf denen Bahnverkehr angeboten wird, Linienbusse fahren. Ausnahmen gab es lediglich für Berlinverbindungen und einige Zubringerverkehre zu Flughäfen und Messen.

Der VCD begrüßt die Aufhebung dieses Monopols für bestehende Fernverkehrsangebote. Liniengebundener Fernbusverkehr ist, in Ergänzung zur Bahn, eine weitere Möglichkeit klimaverträglicher Mobilität.

Schweden und Großbritannien zeigen, dass eine Liberalisierung der Fernbusse dem Bahnverkehr nicht schadet. Ganz im Gegenteil konnten Bus und Bahn Fahrgäste hinzugewinnen. Neben Busfahrten auf Niedrigpreisniveau werden dort auch luxuriöse Fahrten angeboten.

Buslinienangebote mehr als verdoppelt

Seit der Marktöffnung Anfang 2013 gibt es zahlreiche neue Fernbuslinien, das Angebot hat sich seit 2012 bereits mehr als verdoppelt. Städte und Kommunen bauen bestehende Bushaltestellen aus oder verlegen sie vom Stadtrand in die Innenstädte.

Einen guten Überblick über aktuelle Busverbindungen und Fahrpreise bietet die Webseite www.busliniensuche.de.

Untenstehende Grafik stellt das bundesweite Angebot von Fernbuslinien und die Häufigkeit der Fahrten auf den jeweiligen Strecken dar (Vergößerung mit Klick auf Tabelle).

Grafik: ©KCW GmbH 2013

Revisionsklausel beschlossen

In einem Positionspapier zu „Fernlinienbussen” hat der VCD im Juni 2010 vom Deutschen Bundestag gefordert, eine Befristung der jetzt beschlossenen Deregulierung vorzunehmen. Nach einigen Jahren soll dann die Auswirkungen der Neuregelung evaluiert werden um möglicherweise über Weiterentwicklungen der Maßnahme zu entscheiden. Eine solche Revisionsklausel wurde nun auch beschlossen.

Die VCD-Position zum Fernlinienbusverkehr

Der VCD setzt sich für einen leistungsfähigen Öffentlichen Verkehr ein. Das Rückgrat dafür ist ein gut ausgebautes Fernverkehrsangebot auf der Schiene, das durch den Integralen Taktfahrplan mit dem Nahverkehr auf Schiene und Straße optimal verknüpft ist.

Als Ergänzung dazu hat der liniengebundene Fernbusverkehr durchaus seine Berechtigung. Viele Mittelstädte und sogar einige Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern werden nicht vom Eisenbahn-Fernverkehr bedient. Hier bietet der Fernbus ebenso eine attraktive Alternative, wie auf Strecken, die aus topographischen Gründen nicht von der Bahn bedient werden können. Auf nachfragestarken Strecken, wie zum Beispiel Köln - Frankfurt oder auch Berlin - Hamburg mit hohen ICE-Preisen, kann der Fernlinienbus als Korrektiv wirken und Mobilität für Menschen mit wenig Geld bezahlbar machen. Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, muss es für Fernlinienbus und Schiene vergleichbare Bedingungen geben: Analog zu den Trassen- und Stationspreisen für die Bahn muss der Fernlinienbus Maut für die Nutzung der Straßen zahlen. Außerdem müssen für beide Verkehrsträger Fahrgastrechte und vergleichbare Sozial-, Umwelt und Sicherheitsstandards gelten.

Seite weiterempfehlenSeite drucken

Footer