Freiwilliges ökologisches Jahr beim VCD

Nicola A.
Foto: VCD

Bei einem FÖJ als Zivildienstersatz verdient man halb so viel, wie beim herkömmlichen Zivildienst, und es dauert 12 statt 9 Monate. Sag mal Nicola, warum machst du das?

(Lacht) Nein, das war schon eine bewusste Entscheidung. Geringeren Lohn und längere Dauer habe ich bewusst in Kauf genommen − für interessantere Aufgaben. Ich wollte den Bereich der Umweltpolitik genauer kennenlernen und dort Erfahrungen sammeln. Bei meiner Recherche bin ich dann - über die Stiftung Naturschutz als Träger solcher Stellen - auf den VCD gestoßen. Da wusste ich dann, das will ich machen.

Was lernt man in so einem FÖJ?

Im Büro des VCD bekomme ich natürlich viel von den Inhalten mit. Sammle aber auch Erfahrungen in Methodik oder einfach im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. In Seminaren mit anderen FÖJ’lern lernen, diskutieren und arbeiten wir zu verschiedenen Umweltthemen. Das ist dann immer wie Klassenfahrt und eine lustige, aber durchaus informative Abwechslung zum Büroalltag.

Was genau ist deine Aufgabe beim VCD? Wie sieht dein Alltag aus?

In meinem Jahr hier gucke ich mir jede Abteilung im Bundesverband an und bekomme so ein umfassendes Bild von der täglichen umweltpolitischen Arbeit. Natürlich muss ich mir bestimmte Schwerpunkte setzen, und ich habe auch feste zugeteilte Aufgaben. Ich pflege zum Beispiel unseren Bestand an Aktionsmaterialien, stelle den monatlichen Newsletter für die Aktiven aus dem VCD zusammen und seit Neustem arbeite ich an einem VCD-Positionspapier zur Elektromobilität mit, wo viel recherchiert und gelesen werden muss. Das ist spannend. Elektromobilität wird im Moment kontrovers diskutiert, von Medien, Umweltverbänden, Politik und Autokonzernen.

Warst du auch schon auf Veranstaltungen oder Aktionen dabei?

Ja, gleich in meiner ersten Woche wurde der VCD Bahntest vorgestellt. Im gleichen Monat durfte ich nach Frankfurt zur IAA. Zur Klimakonferenz in Kopenhagen haben wir dann eine Protest-Aktion vor dem Kanzleramt gemacht. Die Presseresonanz zeigt, dass der VCD eine ganz schöne Wirkung haben kann. Leider ist er in der Allgemeinheit doch noch zu wenig bekannt.

Woran liegt das deiner Meinung?

Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich den VCD vor der Recherche zum FÖJ selbst auch nicht kannte. Ich meine, Umwelt- und Klimaschutz sind längst zu Themen geworden mit denen sich ein großer Teil der Gesellschaft beschäftigt oder zumindest dazu informiert. Gerade der Verkehr − allen voran die PKWs mit ihren 14 Prozent Anteil an den gesamten CO2-Emissionen − sollte dabei im Fokus stehen. Genau dazu arbeitet der VCD. Das war auch meine Motivation, hier mein FÖJ zu machen. In Deutschland ist das ja ein sehr emotionales Thema, wenn man die negative Rolle des Autos für Umwelt und Klima anspricht. Auch unter Freunden und Bekannten wird das Thema selten mit Vernunft angegangen. Der VCD hat natürlich mit der Autoindustrie auch einen harten Gegner, dafür klappt das mit der Bahn besser.

Inwiefern?

Der VCD Bahntest ist viel beachtet und wird von der Deutschen Bahn ernst genommen und geschätzt. Die Arbeit wirkt − ohne VCD gäbe es keine Bahncard 50.

Ach ja, wie sieht es denn mit deiner eigenen Mobilität aus?

Hier in Berlin nutze ich nur Fahrrad und ÖPNV. Für Fahrten durch Deutschland die Bahn. Eine Bahncard habe ich auch. Aber das war vor meiner Zeit beim VCD auch nicht anders − ohne Nachhaltigkeitsbewusstsein hätte ich wohl auch kaum ein FÖJ gemacht.

Was hat dir das FÖJ gebracht? Hat es deine Erwartungen erfüllt?

Ich habe einen Einblick in die Arbeit eines Umweltverbandes bekommen, so wie ich mir das vorgestellt habe. Außerdem habe ich beim VCD und auf den Seminaren viele interessante Menschen, Meinungen und Ansichten kennen gelernt.

Nicola, vielen Dank für das Interview.

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