Ziel
Das Ziel des Arbeitskreises ist die Realisierung eines autofreien Wohngebiets in Frankfurt.
Die vielen Frankfurter, die jetzt schon ohne eigenes Auto leben, sollten auch in ihrem Wohnumfeld die Vorteile davon spüren.
Dieses Wohngebiet soll als Pilotprojekt für weitere autofreie Wohngebiete in Frankfurt am Main dienen.
Definition
Autofreies Wohnen bezeichnet ein Wohnangebot,
das sich an Haushalte ohne (eigenes) Auto richtet
mit dem Ziel, für diese Vorteile zu schaffen.
Argumente gegen ... Autoverkehr in der Stadt:
... verengt |
Zugeparkte Straßen, Plätze, Geh- und Radwege: der größte Teil des öffentlichen Raums in der Stadt wird vom Autoverkehr dominiert. |
... verschlechtert |
Unfallgefahr, Luftverschmutzung und Lärmbelästigung sind die bekanntesten negativen Auswirkungen des Autoverkehrs in der Stadt. |
... führt |
Diese mit dem Autoverkehr verbundene Minderung von der Lebensqualität ist für viele der Anlass, aus der Stadt wegzuziehen. Weil die Ausweichmöglichkeit der Stadtflucht nicht allen Schichten zur Verfügung steht, führt dies außerdem zu einer sozialen Entmischung. |
... zu noch |
Durch die Stadtflucht erhöhen sich die Zersiedelung des Umlandes und der Flächenverbrauch. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pendler. Stärkerer Pendelverkehr vermindert wiederum die Lebensqualität der Stadtbewohner. |
... und erhöht |
Nicht nur die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs müssen von den autofreien Stadtbewohnern ertragen werden, sie finanzieren auch die autobesitzenden Haushalte mit: Mieten für Garagen und Stellplätze decken nur zu einem geringen Teil die tatsächlichen Kosten (Erschliessung, Stellplätze, Garagen, Flächenverbrauch). Der Rest dieser Kosten - aber auch die Stellplatzablöse - wird auf alle Haushalte umgelegt. Das bedeutet, dass die autofreien Haushalte für die autobesitzenden Haushalte zahlen. Die Größenordnung dieser Quersubventionierung kann bei ca. 2 DM pro qm Wohnfläche im Monat liegen. Bei einer 60qm großen Wohnung sind dies ca. 1400DM pro Jahr. |
Argumente für ... ein autofreies Wohngebiet:
... bringt |
Anstatt Flächen zu versiegeln und dem ruhenden und fließenden Autoverkehr Platz zu geben, werden Grünflächen und Freiräume geschaffen, die die Qualität des Wohnumfelds steigern: in einem autofreien Wohngebiet steht der Mensch im Mittelpunkt. |
... für menschen- |
Die Umwelt- und Lärmbelastung ist je nach Lage und Größe des Wohngebietes mehr oder weniger stark reduziert. In einem autofreien Wohngebiet gibt es dank der erhöhten Verkehrssicherheit mehr Platz für kinder- und damit familiengerechtes Wohnen. |
... in einer lebens- |
Man kann Urbanität erleben, ohne sie mit den Nachteilen des Autoverkehrs erkaufen zu müssen. Durch das familiengerechte Wohnkonzept fallen die Hauptgründe für die Stadtflucht weg. |
... mit |
Autofreies Wohnen setzt eine verdichtete Infrastruktur voraus. Das führt zu kürzeren Wegen und damit wiederum zu weniger Verkehr. |
... und mehr |
Die Quersubventionierung der autobesitzenden durch die autofreien Haushalte entfällt in einem autofreien Wohngebiet. Ein autofreies Wohngebiet bietet mehr Kostengerechtigkeit. |
Literatur zum Thema:
Voraussetzungen für autofreies Wohnen
ÖPNV-Anbindung / Radnetz
Eine gute Einbindung des autofreien Wohngebietes in das Netz
des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und das Radwegenetz ist
unabdingbar, da diese Verkehrsarten von den Bewohnern überdurchschnittlich
häufig genutzt werden.
Kurze Wege für tägliche Besorgungen
Autofreie Haushalte versorgen sich beim örtlichen Einzelhandel, der
in das Wohngebiet eingebunden oder in kurzer Entfernung erreichbar
ist, und nicht aus Einkaufszentren "auf der grünen Wiese".
Darüber hinaus sollen auch weitere Versorgungseinrichtungen wie
Kindergärten, -tagesstätten, Post oder Schulen auf kurzen Wegen
erreichbar sein.
Autofreie Mobilitiät
Neben zu Fuß erreichbaren Zielen werden weiterreichende
Mobilitätsbedürfnisse - wie in allen autofreien Haushalten - durch
verschiedene Mobilitätsbausteine wie Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel,
Taxis und Auto-Teilen befriedigt. Außerdem sind in einem
autofreien Wohngebiet folgende Angebote wünschenswert:
Bei größeren Wohngebieten könnten diese Angebote in einer Mobilitätszentrale zusammengefaßt werden, die auch andere Dienstleistungen (z. B. Verkaufskiosk, Café oder Post) anbieten könnte.
Planungs-Szenarien
Die Detailplanung eines autofreien Wohngebietes
muß sich zunächst an Größe und Lage des in Frage
kommenden Gebietes orientieren.
Hierfür sind verschiedene Szenarien vorstellbar,
die teilweise in anderen Städten bereits umgesetzt
wurden oder werden.
Wieviel Autofreiheit?
Die Zahl der Stellplätze (für Auto-Teilen, Taxis, Besucher)
ist deutlich geringer als in einem bisher
üblichen Wohngebiet. Diese Stellplätze werden im
allgemeinen am Rand konzentriert sein.
Die Frage, wieviel "Autofreiheit" im konkreten Fall
sinnvoll und durchsetzbar ist, muss im weiteren
Planungsprozess mit allen Beteiligten geregelt
werden. Denkbar sind folgende Konzepte:
A
z. B. Hamburg: Saarlandstraße
Nur Stellplätze für Autos von Behinderten, wenige Besucherstellplätze, keine Stellplätze für Auto-Teilen.B
z. B. Münster: Gartensiedlung Weißenburg
Zusätzlich zu A: Stellplätze für Auto-Teilen.C
z. B. Freiburg: Vauban-Gelände
wie B, aber Umstieg zu Autobesitz möglich (bei vollständiger Kostengerechtigkeit), Stellplätze außen konzentriert.D
z. B. Nürnberg: Stadtteil Langwasser-P
"Normale" Stellplatzquote, jedoch innen verkehrsfrei, Stellplätze außen konzentriert.
Innenstadtnähe
Bei urbanem Wohnen ist die Infrastruktur meistens schon optimal
vorhanden (kurze Wege!). Die Neubaugebiete sind im allgemeinen
kleiner, so dass Luftverschmutzung und Lärmbelästigung durch das
Umfeld kaum zu verhindern sind.
Stadtrand-Lage
In einer Stadtrandlage lassen sich Umweltziele am ehesten
berücksichtigen, so z. B. die Nähe zu Grünanlagen oder eine
geringere Lärmbelastung. Um so wichtiger ist eine optimale
Versorgungsinfrastruktur sowie ÖPNV- und Radwegeanbindung.
Details
Größe
Die Größe des Gebietes (sowohl bezogen auf die Fläche als auch
auf die Anzahl der Wohneinheiten) ist nicht vorrangig. Von einer
Baulücke im Bestand bis hin zu großen Gebieten können autofreie
Konzepte umgesetzt werden. Je nach Größe des Wohngebietes
können unterschiedliche Grade der Autofreiheit realisiert werden.
Gestaltung
In einem autofreien Wohngebiet sind Fuß- und Fahrradwege gut
ausgebaut, während Verkehrsflächen für Autoverkehr auf das
Notwendigste beschränkt sind (für Rettungswege, Anlieferung
etc.). Gegenüber bisher üblichen Wohngebieten können mehr
Grünflächen, Spielplätze und Begegnungsbereiche geschaffen
werden. Auch nutzerfreundliche Fahrradabstellanlagen und Räume
für Transportgeräte sollten bei der Gestaltung der Wohnanlagen
eingeplant werden.
Der Arbeitskreis bevorzugt Wohnungsbaukonzepte, die folgende
Aspekte berücksichtigen:
Rechtliches
Normalerweise wird beim Neubau von Wohnungen gleichzeitig der
Bau einer bestimmten Anzahl von Stellplätzen gesetzlich gefordert.
Bei Nichterfüllung der geforderten Stellplatzquote wird eine "Strafe"
fällig (Stellplatzablöse). Um in den Genuss des finanziellen Vorteils
eines autofreien Wohngebietes zu gelangen, muss die Befreiung
von dieser Stellplatzablöse beantragt werden. Es gibt Beispiele aus
anderen Städten, auch hessischen, wo dies erfolgreich umgesetzt
wurde.
Die Autofreiheit der Bewohner und eventuelle Ausnahmen müssen
rechtlich bindend verankert werden. Dies kann erfolgen z.B.
Auch hier orientiert sich der Arbeitskreis an Erfahrungen aus anderen Städten.
Der Weg
Wie will der Arbeitskreis
dieses Ziel erreichen?
1. Durch Öffentlichkeitsarbeit
Der Arbeitskreis wirbt für die Idee eines autofreien Wohngebietes
in Frankfurt durch Veröffentlichung in der Presse, mit Informationsveranstaltungen,
der Verteilung von Faltblättern und anderen
Mitteln.< BR>
2. Durch das Zusammenführen von Interessierten
Der Arbeitskreis ist eine Anlauf- und Sammelstelle für alle an
autofreiem Wohnen Interessierten.
Anhand von Antwortkarten und Unterschriftslisten erfasst und
dokumentiert der Arbeitskreis das Interesse am Wohnen in einem
autofreien Wohngebiet in Frankfurt.
Dieser "Pool" aus interessierten potentiellen Mietern oder
Eigentümern ist ein wichtiges Argument z.B. für Investoren, denen
es um die Vermarktungschancen von autofreien Wohnungen geht.
3. Durch Herstellung und Pflege von Kontakten zu
4. Durch Vermittlung zwischen
5. Durch Projektentwicklung
Mit Hilfe eines speziell erarbeiteten Kriterienkataloges untersucht
der Arbeitskreis sukzessive alle für den Wohnungsneubau vorgesehenen
Gebiete in Frankfurt auf ihre Eignung als autofreies
Wohngebiet.
Für ausgewählte Gebiete werden Bebauungspläne und Nutzungskonzepte
entwickelt (wie z.B. für die Alte Feuerwache 2 in der
Burgstraße im Nordend oder das Gelände Ecke Ginnheimer
Landstraße und Sophienstraße in Bockenheim).
6. Durch Projektmoderation
In einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung eines Projekts
kann der Arbeitskreis als Kerngruppe für den Moderationsprozeß
dienen, in dem die Details des autofreien Wohngebiets diskutiert
und festgelegt werden und konzeptionelle Entscheidungen
getroffen werden.
Über uns
Der Arbeitskreis wird von engagierten Privatpersonen getragen.
Er ist jederzeit für die Mitarbeit von weiteren Interessierten offen.
Die Mitglieder treffen sich monatlich im Nachbarschaftszentrum
Ostend. Zur Bearbeitung spezieller Aufgaben werden Arbeitsgruppen
gebildet, die sich nach Vereinbarung und Bedarf treffen.
Der Arbeitskreis informiert sich über autofreie Wohnprojekte in
anderen Städten: durch persönliche Kontakte zu diesen Projekten,
Einladung von Initiatoren zu Referaten und das Sammeln von
Literatur. Nicht nur das Spezialwissen, das einige Mitglieder des
Arbeitskreises durch Studium oder Beruf erworben haben, sondern
auch die persönlichen Erfahrungen und Bedürfnisse der bereits
autofrei lebenden Mitglieder werden im Arbeitskreis zusammengetragen.
Als Projekt des Arbeitskreises Lokale Infrastruktur ist der Arbeitskreis
in den Prozeß der Lokalen Agenda 21 für die Stadt Frankfurt
am Main eingebunden.
Die Finanzierung des Arbeitskreises erfolgte bisher aus Spenden
und aus Mitteln des VCD Verkehrsclub Deutschland (KV Frankfurt /
Main-Taunus), der auch den Impuls zur Gründung des Arbeitskreises
im Mai 1998 gab.