Wo
viel Verkehr ist, baut man eine Autobahn. Wo (fast) kein Verkehr
ist, baut man zwei Autobahnen. Das Grenzgebiet zwischen
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gehört mit Wendland,
Altmark und Ostheide zu den am dünnsten besiedelten Regionen
Deutschlands. Das war schon vor 1945 so.
Dennoch sollen ausgerechnet hier Industriebetriebe angesiedelt
werden. Locken soll sie das in den „neuen Ländern" bekannte
Rezept „billiges Bauland und Autobahnanschluss". Auf dessen
Erfolg hofft man auch anderswo schon länger vergebens. In diesem
Fall kommt noch hinzu, dass Betriebe in Sachsen-Anhalt höher
subventioniert werden als in Niedersachsen. Wenn es überhaupt zu
einzelnen Ansiedlungen kommt, dann wahrscheinlich östlich der
Landesgrenze. Dennoch wird die Planung der A 39 aus dem
niedersächsischen Haushalt benommen, ihr Bau ginge zu Lasten des
niedersächsischen Anteils an den Bundesausgaben.
Zudem soll Wolfsburg auf Wunsch eines dortigen Unternehmens
besser nach Norden angebunden werden.
Sachsen-Anhalt und die abgewählte niedersächsische
Landesregierung traten für den „Hosenträger", ein
überdimensionales „H" ein. Dies ist auch im
Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Die A 39 Wolfsburg -
Wittingen - Uelzen - Lüneburg (A 250) soll über eine B 190n Bad
Bodenteich - Salzwedel - Wittenberge mit der A 14 (Magdeburg -
Gardelegen - Wittenberge - Ludwigslust - Dreieck Schwerin/A 24)
verbunden werden.
Viele
Lobbyisten, anfangs auch die neue niedersächsische
Landesregierung, halten jedoch das „X” für sinnvoller. Daher
setzen sie sich für die Verbindungen Wolfsburg - Schwerin und
Magdeburg - Lüneburg ein; auf der Landkarte ist das dann ein
großes Kreuz durch die Altmark. Diese Variante hat kaum noch
Chancen, nachdem die Landesregierung zum „H” umgeschwenkt ist.
Bei
einer Untersuchung der unterschiedlichen Varianten im Auftrag
des Bundesverkehrsministeriums (Kurzfassung
der Ergebnisse,
komplett) hatte sich ein teilweiser Ausbau der Bundesstraßen
als optimale Lösung für Niedersachsen heraus gestellt (Ausbauten
im Schienennetz waren gar nicht erst untersucht worden).
Die
Entscheidung des Bundes für das „H” fiel dann auf eher
sachfremde Weise: Als 2002 der SPD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
schlecht lief, brauchte man ein Wahlgeschenk. Also kündigte
Bundeskanzler Schröder kurzfristig den Bau der A 14 nach
Schwerin an und adelte damit das „H” zu einem „Kanzlerprojekt”.
Diese Projekte wurden ohne Überprüfung auf Sinn und Alternativen
in den Verkehrswegeplan benommen. Schon wenige Wochen später war
die erste Hoffnung, die mit der A 14 verbunden war, geplatzt und
die SPD in Sachsen-Anhalt abgewählt. Auch weitere Hoffnungen
werden sich kaum erfüllen ...
Das
kurzfristige Kanzlerwort hat auch Teile der Straßenbauverwaltung
überrascht. Diese hat mit dem „X” abgestimmte massive Ausbauten
der B 4 zwischen Gifhorn und Uelzen vorgesehen. Nun stehen für
eine extrem dünn besiedelte Gegend eine teils autobahnähnliche
Bundesstraße und eine Autobahn im Abstand von 10 bis 20 km im
Entwurf des Bundesverkehrswegeplans.
Für
die A 39 sind sehr knapp bemessene 437 Mio. € vorgesehen, das
komplette „H” wird bis zu 1,6 Mrd. Euro kosten. Da die Planungen
noch nicht weit fortgeschritten sind, sind weitere
Kostensteigerungen wahrscheinlich.
Es sind schwerwiegende Eingriffe in eine bislang wenig
beeinträchtigte Landschaft zu erwarten.
ZDF-Bericht zur A 39
VCD Landesverband
Elbe-Saale (Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen)
VCD Kreisverband
Lüneburg
VCD Kreisverband
Gifhorn
VCD Kreisverband
Braunschweig
Weitere VCD-Adressen (u. a. VCD Kreisverband Wolfsburg, VCD
Kreisverband Lüchow-Dannenberg)
Dachverband der BIs gegen die A 39
BI Lüneburg-Ebensberg
„Aktion
Ostheide”
BI
„Kehrtwende"
BI Wendisch-Evern
Bürger gegen
Autobahn (Bad Bevensen)
BUND Uelzen
Die Grünen Uelzen
Die Grünen Lüneburg
Andreas Meihsies MdL zur
A 39
Die A 39
in
der Wikipedia