Fünfte und sechste
Elbtunnelröhre
Die als „Ostseeautobahn” bekannte und
umstrittene A 20 (Stettin - Lübeck, in Bau) soll im Halbkreis um
Hamburg herum verlängert werden, bei Drochtersen die Elbe queren
(vermutlich untertunneln) und dann nördlich von Stade an die
A 22 und
A 26
angeschlossen werden. Damit soll die Verkehrssituation in
Hamburg entspannt werden, die allerdings durch den Berufs- und
Lokalverkehr weitaus stärker belastet ist als durch den
Durchgangsverkehr; im derzeitigen hamburger Elbtunnel beginnen
und/oder enden 85 % des Verkehrs im Großraum Hamburg. Zudem
wurde mit der besonders weit westlich gelegenen Elbquerung jene
Variante gewählt, die Hamburg am wenigsten Entlastung bringen
kann. Der Verkehr von Skandinavien, Kiel, Lübeck und Mecklenburg
in Richtung Bremen - Ruhrgebiet soll erleichtert werden, also
genau derjenige, für den auch A 1 und A 7 immer weiter ausgebaut
wurden und werden. Zudem ist der Umweg über Stade und durch
einen mautpflichtigen Tunnel für den Fernverkehr uninteressant.
Die regionalen Verkehrsströme liegen quer zu dem Projekt (auf
Hamburg zu).
Ursprünglich war eine Verlängerung der A 20
an die A 1 bei Sittensen vorgesehen. Die niedersächsische
Landesregierung hat aber dem Anschluss Richtung Westen den
Vorrang gegeben. Dem haben Hamburg und Schleswig-Holstein
zugestimmt, um die A 20 zwischen Lübeck und Stade nicht zu
gefährden; obwohl damit erst recht keine nennenswerte Entlastung
Hamburgs mehr möglich ist. Dennoch halten sie den Anschluss an
die A 1 für sinnvoller und wollen ihn auch weiterhin langfristig
durchsetzen.
Diese beiden Anschlüsse sind, im Gegensatz zur aufwändigen
Elbquerung, nur als „weiterer Bedarf” vorgesehen, der teuerste
Abschnitt soll erst einmal nur an die quer gelegene A 26
angeschlossen werden. damit kann man dann wunderbar im Kreis
fahren; ein Verbindungscharakter ist nicht zu erkennen.
Baugelder wird es für den westlichen oder südlichen Anschluss
vor 2010 nur geben, wenn dafür andere niedersächsischen Projekte
gestrichen werden oder der Etat massiv erhöht wird.
Der BUND hat die A 20 daher
auf Platz 3 seines
„Dusseligen Dutzend” der 12 unsinnigsten Verkehrsprojekte in
Deutschland gesetzt; der VCD hat sich mit einem
Brief an
Bundestagsabgeordnete zusätzlich zu seiner allgemeinen
BVWP-Stellungname speziell gegen dieses Projekt gewandt.
Überlastete Straßen gibt es im
Elbe-Weser-Dreieck tangential zu Hamburg keine, der
Transitverkehr wäre neu in der Region.
Im betroffenen, sehr ländlichen, Bereich
befinden sich viele ökologisch wertvolle Moor- und Waldgebiete.
Fraglich sind zudem die Finanzierung des
Projektes. Bezahlbar für den Steuerzahler soll die Prestigepiste
werden, indem man die Kosten des Tunnels vorerst ausklammert.
Die Elbequerung soll vom Bauunternehmen bezahlt werden, das
dafür Benutzungsgebühren erheben darf. Diese private
Finanzierung des Tunnels über Mautgebühren ist unrealistisch.
Einerseits werden zu niedrige Kosten angesetzt, so werden für
den sechs bis acht Kilometer langen Tunnel um 500 Mio. €
genannt. Allein die 4 km lange vierte Röhre des Hamburger
Elbtunnels kostete aber bereits 550 Mio €, der 1,6 km lange
Wesertunnel (zwei Röhren) etwa 370 Mio. €. Ein Tunnel mit nur
einer Röhre gilt als Sicherheitsrisiko; zudem wäre es schwer zu
begründen, einen zweispurigen Tunnel mit zwei vierspurigen
Autobahnen anzuschließen. Will man andererseits Hamburg
entlasten, kann man keine Mautgebühren für den Umweg nehmen. Im
Gegenteil wird der (ca. 23½ h am Tag freie) Hamburger Elbtunnel
der A 7 sogar den geringen lokalen Verkehr zwischen den Elbufern
anlocken, wenn ein spürbarer Preis verlangt wird.
Zwei Vorzeigeprojekte der privat finanzierten Schnellstraßen
sind mittlerweile wirtschaftlich angeschlagen: Sowohl die
Warnowquerung bei Rostock als auch die Øresundbrücke
Kopenhagen—Malmö haben nicht den prognostizierten Verkehr
angezogen.
Eine reine Mogelpackung ist auch die
Nutzen-Kosten-Betrachtung: Dem Nutzen des Gesamtprojektes mit
Tunnel werden die Kosten nur der Anschlussstrecken gegenüber
gestellt. Trotzdem erreicht die A 20 mit Anschluss nach
Sittensen nur ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,6, mit dem
aktuell bevorzugten Anschluss nur an die A 22 sogar nur 1,9. Als
Mindestmaß gilt normalerweise ein Verhältnis von über 3, besser
4.
Es ist zu befürchten, dass der Staat erst
einmal die billigen Anschlüsse baut, um dann festzustellen, dass
auch der Tunnel nicht ohne Steuergelder entstehen wird. Und
selbst dann wird möglicherweise erst nach dem Baubeschluss ein
„unvorhersehbarer Mehraufwand” festgestellt.
Für das Gesamtprojekt zwischen der A 1 bei Lübeck und der A 1
bei Sittensen werden Kosten um 1,3 Mrd. € (ohne Tunnel)
genannt. Eine Fertigstellung der Elbequerung wird derzeit für
2019 anvisiert.
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... und nur für Anhänger schwarzen Humors ein
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Die A 20
in der Wikipedia