Auf der A 20 Lübeck - Stade - Bremen unter der Elbe

 

„Westumfahrung Hamburg”, „Feste Unterelbquerung”

 

 

Der Koalitionsvertrag auf Bundesebene sieht vor, gleiche Finanzmittel für Schiene und Straße auszugeben. Dies ist keineswegs ein ehrgeiziges Ziel; so hat die französische Regierung eine 20-Mrd-€-Investitionsprogramm aufgelegt, in dem nur noch ein Viertel des Geldes „auf die Straße geworfen” werden soll, der Rest dient dem Bahnfernverkehr. Auch die Programme aller Bundestagsparteien sehen keine Bevorzugung der Straße vor.

 

Die Realität ist in Deutschland insgesamt und in Niedersachsen besonders leider eine andere. Die folgende Tabelle enthält die für Niedersachsen vorgesehenen Investitionen in Neu- und Ausbau von Schiene und Straße laut Kabinettsfassung des Bundesverkehrswegeplans.

 

Niedersachsen im Bundesvergleich

 

Ein bisschen Statistik: Anteile Niedersachsens an ...

Fünfte und sechste Elbtunnelröhre

 

Die als „Ostseeautobahn” bekannte und umstrittene A 20 (Stettin - Lübeck, in Bau) soll im Halbkreis um Hamburg herum verlängert werden, bei Drochtersen die Elbe queren (vermutlich untertunneln) und dann nördlich von Stade an die A 22 und A 26 angeschlossen werden. Damit soll die Verkehrssituation in Hamburg entspannt werden, die allerdings durch den Berufs- und Lokalverkehr weitaus stärker belastet ist als durch den Durchgangsverkehr; im derzeitigen hamburger Elbtunnel beginnen und/oder enden 85 % des Verkehrs im Großraum Hamburg. Zudem wurde mit der besonders weit westlich gelegenen Elbquerung jene Variante gewählt, die Hamburg am wenigsten Entlastung bringen kann. Der Verkehr von Skandinavien, Kiel, Lübeck und Mecklenburg in Richtung Bremen - Ruhrgebiet soll erleichtert werden, also genau derjenige, für den auch A 1 und A 7 immer weiter ausgebaut wurden und werden. Zudem ist der Umweg über Stade und durch einen mautpflichtigen Tunnel für den Fernverkehr uninteressant. Die regionalen Verkehrsströme liegen quer zu dem Projekt (auf Hamburg zu).

 

Ursprünglich war eine Verlängerung der A 20 an die A 1 bei Sittensen vorgesehen. Die niedersächsische Landesregierung hat aber dem Anschluss Richtung Westen den Vorrang gegeben. Dem haben Hamburg und Schleswig-Holstein zugestimmt, um die A 20 zwischen Lübeck und Stade nicht zu gefährden; obwohl damit erst recht keine nennenswerte Entlastung Hamburgs mehr möglich ist. Dennoch halten sie den Anschluss an die A 1 für sinnvoller und wollen ihn auch weiterhin langfristig durchsetzen.
Diese beiden Anschlüsse sind, im Gegensatz zur aufwändigen Elbquerung, nur als „weiterer Bedarf” vorgesehen, der teuerste Abschnitt soll erst einmal nur an die quer gelegene A 26 angeschlossen werden. damit kann man dann wunderbar im Kreis fahren; ein Verbindungscharakter ist nicht zu erkennen. Baugelder wird es für den westlichen oder südlichen Anschluss vor 2010 nur geben, wenn dafür andere niedersächsischen Projekte gestrichen werden oder der Etat massiv erhöht wird.
Der BUND hat die A 20 daher auf Platz 3 seines „Dusseligen Dutzend” der 12 unsinnigsten Verkehrsprojekte in Deutschland gesetzt; der VCD hat sich mit einem Brief an Bundestagsabgeordnete zusätzlich zu seiner allgemeinen BVWP-Stellungname speziell gegen dieses Projekt gewandt.

 

Überlastete Straßen gibt es im Elbe-Weser-Dreieck tangential zu Hamburg keine, der Transitverkehr wäre neu in der Region.

 

Im betroffenen, sehr ländlichen, Bereich befinden sich viele ökologisch wertvolle Moor- und Waldgebiete.

Fraglich sind zudem die Finanzierung des Projektes. Bezahlbar für den Steuerzahler soll die Prestigepiste werden, indem man die Kosten des Tunnels vorerst ausklammert. Die Elbequerung soll vom Bauunternehmen bezahlt werden, das dafür Benutzungsgebühren erheben darf. Diese private Finanzierung des Tunnels über Mautgebühren ist unrealistisch. Einerseits werden zu niedrige Kosten angesetzt, so werden für den sechs bis acht Kilometer langen Tunnel um 500 Mio. € genannt. Allein die 4 km lange vierte Röhre des Hamburger Elbtunnels kostete aber bereits 550 Mio €, der 1,6 km lange Wesertunnel (zwei Röhren) etwa 370 Mio. €. Ein Tunnel mit nur einer Röhre gilt als Sicherheitsrisiko; zudem wäre es schwer zu begründen, einen zweispurigen Tunnel mit zwei vierspurigen Autobahnen anzuschließen. Will man andererseits Hamburg entlasten, kann man keine Mautgebühren für den Umweg nehmen. Im Gegenteil wird der (ca. 23½ h am Tag freie) Hamburger Elbtunnel der A 7 sogar den geringen lokalen Verkehr zwischen den Elbufern anlocken, wenn ein spürbarer Preis verlangt wird.
Zwei Vorzeigeprojekte der privat finanzierten Schnellstraßen sind mittlerweile wirtschaftlich angeschlagen: Sowohl die Warnowquerung bei Rostock als auch die Øresundbrücke Kopenhagen—Malmö haben nicht den prognostizierten Verkehr angezogen.
 

Eine reine Mogelpackung ist auch die Nutzen-Kosten-Betrachtung: Dem Nutzen des Gesamtprojektes mit Tunnel werden die Kosten nur der Anschlussstrecken gegenüber gestellt. Trotzdem erreicht die A 20 mit Anschluss nach Sittensen nur ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,6, mit dem aktuell bevorzugten Anschluss nur an die A 22 sogar nur 1,9. Als Mindestmaß gilt normalerweise ein Verhältnis von über 3, besser 4.
 

Es ist zu befürchten, dass der Staat erst einmal die billigen Anschlüsse baut, um dann festzustellen, dass auch der Tunnel nicht ohne Steuergelder entstehen wird. Und selbst dann wird möglicherweise erst nach dem Baubeschluss ein „unvorhersehbarer Mehraufwand” festgestellt.
Für das Gesamtprojekt zwischen der A 1 bei Lübeck und der A 1 bei Sittensen werden Kosten um 1,3  Mrd. € (ohne Tunnel) genannt. Eine Fertigstellung der Elbequerung wird derzeit für 2019 anvisiert.

 


 

VCD Landesverband Schleswig-Holstein
VCD Landesverband Hamburg
VCD Kreisverband Rotenburg
VCD Kreisverband Pinneberg
Weitere VCD-Adressen (u. a. VCD Harburg)

 

Bürgerinitiativen: BI gegen Westtrasse A 20 (Kreis Stade)
BI Litberg
 

Auch die Elbfähre Wischhafen—Glückstadt wirbt für den Erhalt eines gesunden Unternehmens!
... und nur für Anhänger schwarzen Humors ein Befürworter.
 

Die A 20 in der Wikipedia

 

 

Elbefähren

Die Elbefähre Cuxhaven - Brunsbüttel wurde fast zeitgleich mit der Eröffnung der A 27 1980 aufgegeben, mehrere Wiederbelebungsversuche scheiterten an der Wirtschaftlichkeit (zuletzt 2000/01). Die Chancen, auch für eine Fähre bei Otterndorf, würden mit der A 20 weiter sinken.
 

Die Verbindung Glückstadt - Wischhafen; über die mehrere Fahrrad-Fernrouten und die „Deutsche Fährenstraße” verlaufen, würde bei Fertigstellung der A 20 aufgegeben.
Wie schon beim Wesertunnel würde eine neue Fernverbindung mehrere wichtige regionale Verbindungen gefährden.

 

 

„Moorbahn”

Auf der Bahnverbindung Stade - Bremervörde - Bremen herrscht nur noch Ausflugsverkehr, „normaler” Verkehr lohnt sich hier angeblich nicht (Mehr dazu).

 

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