Zwei schwache
Regionen sollen sich gegenseitig helfen
Bereits seit den 1960er Jahren taucht immer
wieder eine „Küstenautobahn" Nordfriesland - Bremerhaven -
Wilhelmshaven - Groningen in der verkehrspolitischen Diskussion
auf. Regelmäßig wurde sie als zu teuer und unwirtschaftlich
bewertet, für ein paar Jahre begraben und dann wieder als
„einzige Chance für eine strukturschwache Region" aus dem Hut
gezaubert.
Derzeit stehen die Chancen wieder etwas
besser für das niedersächsische Ende des Projekts. Der Anschluss
nach Nordosten mit Elbetunnel ist als A 20
trotz unrealistischer Finanzierung in den „vordringlichen
Bedarf” gerutscht, als „rein regionale Verbindung” ist zudem der
Wesertunnel durchgesetzt worden. Dieser ist so großzügig
gestaltet, dass er auch eine Autobahn aufnehmen könnte. Zudem
ist in Wilhelmshaven ein Tiefwasserhafen in Planung. Der muss
natürlich angeschlossen werden - dass man von Wilhelmshaven nach
Nordosten (Bremerhaven, Hamburg, Kiel, Skandinavien)
konkurrenzlos billig mit dem Schiff weiter fahren kann, ist da
nur ein kleiner Schönheitsfehler (ein Standardcontainer kostet
per Schiff von Hamburg nach Hongkong noch etwas weniger als per
Bahn oder Lkw von Hamburg nach München). Das Verkehrsaufkommen
dieses Hafens ist noch nicht sicher abzuschätzen, es soll aber
nach Zusagen der Landesregierung und den offiziellen
Planungsunterlagen des Hafens vorrangig über die Schiene
abgewickelt werden.
Dennoch erheben sich „wirtschaftsnahe”
Stimmen, die eine Autobahn von Stade (Anschluss an
A 20 und A 26) zum
Wesertunnel und von dort über Varel (A 29) nach Westerstede an
die A 28 fordern. Diesen Forderungen hat sich die
niedersächsische Landesregierung angeschlossen. Der Bund hat das
Projekt in den „weiteren Bedarf” aufgenommen. In den
„Vordringlichen Bedarf” hat die Straßenbauverwaltung das Projekt
nicht übernehmen können: Selbst unter der (noch mindestens bis
2019, vermutlich dauerhaft, falschen) Annahme, dass es bei Stade
einen Elbtunnel gäbe, konnte keine ausreichende
Wirtschaftlichkeit erkannt werden, das Nutzen-Kosten Verhältnis
beträgt statt der mindestens erforderlichen 3 nur 1,9. Einige
Befürworter behaupten, deutlich bessere Zahlen zu haben. Diese
sind aber in der Methodik nicht direkt vergleichbar.
Schon die vom Bundesverkehrsministerium
veröffentlichten Zahlen waren sehr wohlwollend.
Niedersachsen hat mittlerweile
Schleswig-Holstein und Hamburg Zusagen zur
Unterstützung der A 22 abgerungen. Im Gegenzug hat Niedersachsen
de facto der Vertiefung der Unterelbe auf 15 m zugestimmt („Wenn
die Deichsicherheit gegeben ist” - erstens eine
Selbstverständlichkeit und zweitens eine Frage des Aufwandes).
Im Raumordnungsverfahren wird eindeutig
eine möglichst direkte Verbindung von Westerstede zum Wesertunnel,
dann im Bogen um Loxstedt herum und nordwestlich an Bremervörde und
Himmelpforten vorbei zur geplanten Elbquerung bevorzugt.
Alternativ zur Trassierung über Bremervörde
zum Wesertunnel wird auf Wunsch der Bremerhavener
Hafenbetriebsgesellschaft auch eine „Nordvariante” über Bad
Bederkesa nach Bremerhaven Nord geprüft. Diese hat jedoch kaum noch Chancen.
Wie schon bei der A 20 würde die neue
Schnellstraße mit Ostfriesland und dem Elbe-Weser-Dreieck zwei
sehr ähnliche, landwirtschaftlich geprägte Regionen verbinden;
eine lohnende regionale Arbeitsteilung ist nicht erkennbar. Sie
liegt tangential zu den Oberzentren Oldenburg und Bremen und
damit quer zu den regionalen Verkehrsbedürfnissen. Ein wesentlicher Teil des
zwischen 14 000 und 35 000 Fahrzeugen am Tag prognostizierten
Verkehrs ist Durchgangsverkehr; damit läge die A 22 weit unter dem
Bundesschnitt von knapp 50 000 Fahrzeugen pro Tag.
Auch die immer wieder beschworene
EU-Osterweiterung wird kaum einen derart starken Verkehr in die
Region zwischen Jade und Ijsselmeer spülen, dass die A 28
überlastet wird. Die A 1 könnte durch eine Küstenautobahn, wenn
überhaupt, dann nur zwischen Buchholz und Bremen geringfügig
entlastet werden (laut Raumordnungsunterlagen maximal 14 %);
dieser Abschnitt ist unabhängig von der A 22 zum sechsspurigen Ausbau
vorgesehen.
Der frisch eröffnete Wesertunnel muss noch
bis 2018 abgezahlt werden, daran ist allerdings nichts mehr zu
ändern. Der Rest ist mit (westl. Stade) 844,1 Mio. € angesetzt,
hinzu kommen noch 36,9 Mio € für die Ortsumfahrung Bremervörde
(B 74, „vordringlicher Bedarf”), die später Bestandteil der A 22
werden soll.
Die Umweltverträglichkeitsstudie weist auf gesamter Strecke auf erhebliche
Konflikte hin. Ein naturschonender Neubau ist nicht möglich.
Der VCD Niedersachsen hat eine deutlich ablehnende
Stellungnahme abgegeben.
VCD Kreisverband
Oldenburg
VCD Kreisverband Cuxhaven
(Mail)
Weitere
VCD-Adressen (u. a. VCD Kreisverband Ostfriesland)
A 22 Nie! Koordinationskreis mehrerer BI
BI
Gegen A 20 & A 22
Artikel der
Aktionskonferenz Nordsee zu Wesertunnel und Küstenautobahn
BI
gegen den Jade-Weser-Port zu den landseitigen Anbindungen.
Positionen von Bündnis90/die Grünen aus
Beverstedt, Kreis
Cuxhaven,
Wesermarsch und
Rotenburg (Vielleicht sollten die sich einmal mit ihren
Parteifreunden in Berlin und Kiel unterhalten?)