Hohe Kosten

 

Eine kritische Übersicht

 

Straßenbau ist modisch. Kaum eine Gemeinde, in der keine (weitere) Umfahrung gefordert wird, kaum eine Region, in der nicht der Ruf nach einer (weiteren) Autobahn ertönt. Baulobbyisten und Spediteure versprechen die Erlösung von (fast) allen verkehrlichen, strukturellen und wirtschaftlichen Problemen; oft sekundiert von Provinzpolitikern und Teilen der Medien.
Diese Hoffnungen lassen sich wissenschaftlich kaum begründen — jedenfalls nicht mit Studien, die nicht von Autobahnbefürwortern in Auftrag gegeben wurden. Unabhängige Experten sind sich einig: Der massive Ausbau insbesondere der Autobahnen seit den dreißiger Jahren hat oft erst zu den Problemen geführt, die heute mit weiteren Trassen gelöst werden sollen.
Wir wollen Ihnen hiermit einen Blick auf die andere Seite der Medaille ermöglichen.

 

 

Bau oder Grundsanierung

 

2002 wurden in Deutschland 193 km Autobahn für 1916 Mio. € fertig (Auflistung des Verkehrsministeriums), das sind etwa 9,9 Mio. € pro Kilometer.
2003 sollten 100,3 km „Netz-verlängerung" im Wert von 1404,7 Mio. € feierlich eröffnet werden (Auflistung), also gut 14 € pro Millimeter. Hier ist zwar der Rennsteigtunnel der „Thüringer-Wald-Autobahn” enthalten, aber auch in Niedersachsen sind überdurchschnittlich teure Abschnitte geplant oder in Bau (z. B. Elbquerung der A 20 und „Tunnel der deutschen Einheit” der Südharzautobahn).
 

Für 2004 / 2005 wurde nur eine allgemeinere Übersicht veröffentlicht (aus der Angabe „über 5 Mrd. €” lassen sich mindestens 7 Mio. €/km schließen).

 

Unterhaltungsaufwand

 

Nach der Fertigstellung fallen dauerhaft Unterhaltungskosten (Reinigung, kleinere Reparaturen, Notrufeinrichtungen, ggf. Beleuchtung, ...) an; die niedersächsischen Autobahnen kosten dabei über 90 Mio. DM im Jahr (Aussage des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums), also ca. 35 000 €/km.
Je nach Bauweise und Lkw-Verkehr ist nach 20 bis 35 Jahren eine Grundsanierung fällig, die oft mit einem Ausbau kombiniert wird. Die bekannte Werratalbrücke bei Hann. Münden ist bereits die vierte seit 1937 an dieser Stelle.
Bereits jetzt läßt die Lage der meisten öffentlichen Haushalte eine ausreichende Pflege des vorhandenen Straßennetzes nicht zu. Der Zustand insbesondere von kommunalen und Landesstraßen verschlechtert sich zunehmend.

 

GeschenkLandes- und Kommunalpolitiker behaupten gerne, dass ja der Bund zahlt und „Wir" entweder die Autobahn oder gar nichts kriegen. Aber: Auch der Bund muss natürlich sinnvoll mit seinen (unseren!) Geldern umgehen, und nicht jedes „Geschenk" ist eine Freude. Der Bund achtet auf eine halbwegs gleichmäßige regionale Verteilung seines Engagements („Königsteiner Schlüssel"). Ist irgendwo ein teures Projekt im Bau, werden weitere Wünsche kaum noch berücksichtigt, seien es andere Verkehrsmaßnahmen oder Standortentscheidungen von Behörden: „Ihr kriegt doch schon die Autobahn!”.

 

Vergleich mit Bahnausbauten

 

Ein Vergleich zwischen Straßen- und Schienenbauten ist schwierig:
 

Die Bahn hat auf den meisten Strecken freie Kapazitäten, viele regionale Bahnen können auf vorhandener Trasse aufgewertet werden. Daher kann bei der Bahn meist ausgebaut werden, wo die Straße einen Neubau braucht. Erhebliche Verkehrsmengen könnten ohne jeden Ausbau auf das derzeitige Netz verlagert werden.
 

Als Alternative zu den Autobahnneubauten in „strukturschwachen Gebieten" wären keine teuren ICE-Strecken (Hannover - Berlin: ca. 13 Mio. €/km) nötig, sondern „normale" Hauptbahnen für 120-160 km/h. Der faktische Neubau der Strecke Uelzen - Stendal (160 km/h, elektrifiziert, abschnittsweise zweigleisig) kostet 471 Mio. € (Sachstandsbericht zu den Verkehrsprojekten deutsche Einheit), also 4,2 Mio. €/km.

 

Zwei abgeschlossene niedersächsische Bahnausbauten: Die Bahnstrecke Osnabrück - Oldenburg wurde für 17,74 Mio. € saniert. Das sind 0,15 Mio. €/km oder 3 km Autobahn.
Der zweigleisige Ausbau der 9 km langen S-Bahnstrecke Weetzen - Egestorf kostete mit Umbau der 4 Bahnhöfe 3,31 Mio. €/km. Die Strecke ist elektrifiziert.

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