Straßenbau hilft wenig gegen Staus
Das wirksamste Mittel gegen Stau ist die Vermeidung von
Verkehr. Auch die Verlagerung auf andere Verkehrsträger oder
in verkehrsschwächere Zeiten ist umweltschonender, billiger
und schneller umsetzbar als der Neubau von Straßen. Zudem
sind Autos mit durchschnittlich 1,2 Personen nicht
ausgelastet, durch Fahrgemeinschaften (Angebote
im Fernverkehr,
für Pendler)
lässt sich der gleiche Personenverkehr mit weniger
Fahrzeugen abwickeln. Lkw legen jede dritte Fahrt leer
zurück. Auch Tempolimits können Staus vermeiden, da sie
Unfälle reduzieren und den Verkehr gleichmäßiger fließen
lassen.
Im Stau wird pro km mehr verbraucht als bei gleichmäßiger
Fahrt mit 70 - 100 km/h. Allerdings weniger als bei den auf
Autobahnen üblichen Höchstgeschwindigkeiten von 140 -
250 km/h. Fachleute schätzen den Mehrverbrauch durch Staus
auf etwa 1 % des Gesamtverbrauchs (Artikel
in der
fairkehr 2/2003), etwa zwei Drittel davon im
Stadtverkehr. Zudem entstehen Staus nur selten durch
Überlastung, sondern jeweils häufiger als Folge von Unfällen
und Baustellen. Dagegen würde auch eine Verzehnfachung des
Straßennetzes keinen sicheren Schutz bieten. Das wahre
Einsparpotential liegt anderswo: Schon eine spritsparende
Fahrweise kann ca. 25 % sparen; durchschnittliche Neuwagen
verbrauchen immer noch 8 l/100 km, obwohl 3-l-Autos auf dem
Markt und 2-l-Autos technisch möglich sind.
Neue Schnellstraßen führen zu mehr Verkehr. Ob die
Umweltbelastung im Stau höher ist als die durch den
zusätzlichen Verkehr, darf bezweifelt werden.
Irgendwo muss der wachsende Verkehr dann aber auf die
Autobahn kommen und wieder von ihr herunter. Bislang
ausreichende Straßen sind dann überlastet.
Gut die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als 5 km
(20 min. Fahrrad); selbst in Kleinstädten hat üblicherweise
mehr als ein Drittel des Verkehrs Anfang, Zwischenstation
oder Ziel innerhalb des Ortes. Der Durchgangsverkehr ist
normalerweise nicht vollständig auf eine Ortsumfahrung zu
zwingen, weil diese nicht alle Richtungen optimal
einbezieht. Autobahnen werden für den Fernverkehr geplant,
im Gegensatz zu ortsnahen Umfahrungen haben sie nicht einmal
an allen querenden Straßen Auffahrten. Im Normalfall können
Autobahnen daher Ortsdurchfahrten nicht wirksam entlasten.
Auffahrten können sogar zusätzlichen Verkehr und damit Staus
in Orte locken.
Privatpersonen verbringen seit Jahrzehnten gleich viel Zeit
(etwas über 1 h am Tag) im Verkehr. Wer schneller
vorankommt, spart meist keine Zeit, sondern fährt weiter.