Flächenverbrauch
Alle größeren Projekte schneiden bei den
Umweltrisikoeinschätzungen (URE, zu finden in den
Projektdossiers des BMVBW) sehr schlecht ab, regelmäßig
finden sich die (ungünstigsten) Kategorien
„Ergebnisübersicht URE-Einschätzung: sehr hoch” als
Zusammenfassung und „Erhebliche Beinträchtigung
unvermeidbar” bei der Betrachtung von einzelnen
Schutzgebieten. In der Regel wird dies fein säuberlich
aufgelistet und dann mit einem „dem verkehrlichem Ziel der
Maßnahme wird Vorrang eingeräumt” für irrelevant erklärt.
Auch beim Verkehrswegeplan 2003 wird zwar dem Bundesamt für
Naturschutz ein Mitspracherecht bei kritischen Projekten
(„besonderer naturschutzfachlicher Planungsauftrag”)
eingeräumt, am Ende entscheidet aber das
Verkehrsministerium.
Eine Autobahn ist etwa halb so breit wie ein
Fußballfeld,
nämlich 29,5 m (4 Fahrstreifen zu 3,75 m, 4 Randstreifen zu
75 cm, 2 Seitenstreifen zu 2,5 m, 2 Bankette zu 1,50 m,
3,50 m Mittelstreifen). Einige Autobahnen werden aus
Kostengründen nur 24 m breit gebaut.
„Ohne Alles", auf ebener Erde ohne Lärmschutzwälle, Brücken
oder Anschlussstellen verlegt, werden also knapp 3 ha Land
pro km verbraucht.
Für jeden querenden Verkehrsweg muss eine Über- oder
Unterführung mit entsprechenden Böschungen angelegt werden.
Insgesamt ist in Deutschland mehr als die Fläche des
Saarlandes mit Straßen bedeckt, alle Bahnanlagen sind
zusammen kleiner als die Parkplätze.
Der Lärm, teilweise auch die Schadstoffe, entwerten
mindestens einen mehrere hundert Meter breiten Streifen. In
einer ruhigen Ebene ist Autobahnlärm mehrere Kilometer weit
wahrzunehmen.
Hinzu kommt die Zerschneidungswirkung.
Erholungsgebiete
und Lebensräume werden zerteilt; jede Verkleinerung macht
sie für bestimmte Arten oder Nutzungen unbrauchbar. Nicht
jeder getrennte Weg wird ersetzt. Dämme hindern die
Luftströmung und Sichtkontakte.
Beim Bau werden durch Sand- und Kiesabbau und durch
Deponieren von Aushub weitere Flächen verbraucht.
Straßenflächen sind „versiegelt", Regenwasser versickert
nicht, sondern wird in den nächsten Fluss geleitet (oft ohne
Ölabscheider). Dadurch wird nicht nur Grundwasser knapper,
sondern auch die Wassermenge in den Flüssen ungleichmäßiger.
Fluten werden verstärkt.
Es gibt in Deutschland keine wertlosen Flächen. Das gesamte
Land liegt in der Nähe von Ortschaften, wird forst- oder
landwirtschaftlich genutzt oder ist ökologisch wertvoll -
oft mehreres. Es gibt keine Trassen, die keinen Schaden
anrichten.
Tatsächlich
wird inzwischen auch auf möglichst geringe Eingriffe in
Natur und Landschaft geachtet - solange es Baukosten und
andere Interessen zulassen. Die „Ausgleichsmaßnahmen" sind
nicht wertlos, aber kein vollwertiger Ersatz. Die
niedersächsische Landesregierung engagiert sich intensiv für
eine weitere Absenkung der Natur- und Umweltschutzauflagen
bei derartigen Projekten. Gewachsene Biotope lassen sich
ebenso wenig ersetzen wie fruchtbares Land. Die
Zerschneidungswirkung lässt sich nicht verhindern oder
ausgleichen.