Autobahnplanungen und regionale Wirtschaft

 

Standortvorteil: Sie können (etwas) schneller weg!

 

Eine „gute Verkehrsanbindung" ist nur eines von dutzenden Kriterien bei der Ansiedlung von Unternehmen. Neue Fernstraßen können die Transportkosten zwar (etwas) senken, aber nicht eliminieren. Eine Lage näher an Lieferanten, Kunden und Fachpersonal ist auch beim perfekten Verkehrsnetz immer lohnender. Zudem wäre es nicht ausreichend, eine Autobahnauffahrt in der Nähe zu haben. Die Trasse müsste auch dem jeweiligen Verkehrsbedürfnis der Region entsprechen. Die großräumigen Neubaupläne der A 20 und A 22 liegen dazu quer.
Gerade Unternehmen, die ein hohes Verkehrsaufkommen haben, achten immer auch daran, dass ein Gleisanschluss zumindest möglich ist.
 


 

Stärkung der Region?

 

Eine Autobahn kann Kunden und Lieferanten bringen. Sie kann aber auch die bisherigen Kunden schneller zur Konkurrenz bringen. Oder die Konkurrenz auf den örtlichen Markt. Eine „gute Verkehrsanbindung” fördert Unternehmen, die überregional organisiert und bereits gut im Markt sind (das sind diejenigen, die ihre Interessen am lautesten vertreten). Der Neuaufbau von Firmen wird erschwert.
 

Ländliche Regionen bluten durch neue Autobahnen erfahrungsgemäß eher aus, als dass ihnen Kaufkraft oder Investitionen zu fließen. Zum Beispiel profitieren Einkaufszentren „auf der grünen Wiese” vom Straßenbau, zu Lasten von örtlichen Einzelhändlern. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie auch unter Fernstraßenbau: Ein Beitrag zur Wirtschaftsförderung?.
Wäre der Autobahnanschluss entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung, müsste es z. B. Bremerhaven besser gehen als Stade; Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft von Cuxhaven sind seit Eröffnung der A 27 (1980) rückläufig, der Raum Emden gilt immer noch als Problemregion. Und dass BMW in Leipzig statt Stade sein neues Werk gebaut hat, wurde plausibel mit deutlich höheren Subventionen begründet, nicht mit dem Autobahnanschluss.

 

In bislang ruhigen Regionen stört eine neue Transitstrecke direkt den Tourismus.

 

Bau als Beschäftigungsförderung?

 

Staatliche Aufträge können die Beschäftigung im geförderten Bereich erhöhen, dafür belasten sie die Wirtschaft mit höheren Steuern oder Ausgabenkürzungen an anderer Stelle.

 Das gilt allerdings unabhängig von der Art des Auftrags, prinzipiell könnten auch Pyramiden diese Wirkung entfalten.
 

Es ist interessant, dass gerade die „Vertreter der Wirtschaft" Straßenbau zur Beschäftigungsförderung fordern, die staatliche Beschäftigung (z. B. ABM) sonst ablehnen.

 

Nur ein Teil des Geldes bleibt allerdings in der betroffenen Region, denn der größte Teil der Arbeit geht an Spezialfirmen, die mit großen Maschinen von weit her anrücken und wenig Leute benötigen.

 

Und es ist insgesamt nichts gewonnen, wenn eine Firma in Ort A gelockt wird, die sonst in Ort B geblieben wäre. Ein Wettrennen „Komm her, wir nehmen noch weniger Rücksicht auf Mensch und Natur” kennt am Ende nur Verlierer.

weiter