Hannover.
Auf deutliche Defizite auf dem Wege zu einer tragfähigen Verkehrspolitik
macht der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Niedersachsen,
anlässlich der EXPO in Hannover aufmerksam. “Sowohl aus Sicht des Landes
als auch der Stadt Hannover kontakariert die EXPO ihren anspruchsvollen
Titel Mensch - Natur -Technik” aufs äußerste!”, erklärte der
VCD-Landesvorsitzende Michael Frömming in einer heutigen
Pressekonferenz.
Vom Motto der EXPO “Mensch –
Natur – Technik” erwartete der VCD, dass nun endlich auf eine neue
umweltschonende und integrative Mobilität hingearbeitet wird. Dabei
sollte der öffentliche Personennah- und Fernverkehr, das Fahrrad und
natürlich die eigenen Füße mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung
gerückt werden. “Leider wird diese Erwartung enttäuscht. Statt die
Chance zu nutzen, die Attraktivität neuer Busse und Bahnen zu
verdeutlichen, erscheint das Auto auch weiterhin als vermeintlich
bequemstes und günstigstes Verkehrsmittel.”, so Ulrich Wilk,
Vorstandsmitglied vom VCD-Kreisverband Großraum Hannover. Schon der
massive Ausbau des Straßennetzes zur EXPO, z.B. der Ausbau der
Pferdeturmkreuzung, sei kontraproduktiv für eine notwendige Verlagerung
auf umweltfreundliche Verkehrsmittel.
Zur EXPO droht die Bahn AG
mit Zuschlägen für den ICE, während das günstige Wochenendticket, das
Niedersachsen-Ticket und Schülergruppentarife ausgesetzt werden.
Bahnkunden aus dem Raum Hannover trifft dies besonders. Der günstige
Wochenendausflug nach Norddeich kann dann nicht mehr mit dem
Wochenendticket erfolgen. Wer nach Hannover reist, aber nicht die EXPO
besuchen will, bezahlt nach Angaben des VCD ungerechtfertigterweise
einen Strafzoll. Damit demontiert die Bahn nach Meinung des VCD ihr
mühsam aufgebautes positives Image selbst. Beim Kunden entsteht die
Haltung “Die Bahn kommt – aber ohne mich”.
Im Großraumverkehr
Hannover werden Kunden zudem durch die unpersönlichen Tix-Säulen
vergrault. Fahrkarten können nicht mehr beim Stadtbahnfahrer gekauft
werden, sondern sind über Automaten erhältlich. Bevorraten mit
Fahrscheinen entfällt, da die sogenannten Tickets immer gleich entwertet
sind. Wer mit Bargeld zahlen will, muss sich schon eine Tix- mit
beigeordneter Müx-Säule suchen. Wer bar zahlt, zahlt dann drauf, denn
über den Chip einer EC-Karte ist das Ticket billiger. Wechselgeld gibt
die Müx-Säule sowieso nicht zurück. Ob und wie Ortsfremde oder gar
ausländische Gäste mit diesen Servicesäulen klar kommen, bleibt
abzuwarten.
Bezogen auf die Expo
verhärtet sich der Eindruck, dass die Technik im Mittelpunkt steht.
Mensch und Natur sind nur nettes Beiwerk. Alle Probleme sind angeblich
technisch lösbar. Vorreiter auf diesem Gebiet ist das Auto, dem das
Verkehrsleitsystem “Move” Vorrang einräumt. Auch der Ausbau der
Autobahnen und der Messe-Zuwegungen weist in diese Richtung. Die
Hinzuziehung der Standstreifen auf der Autobahn A 7 als Fahrspur sieht
der VCD auch unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit als
fragwürdig an. Liegenbleibende Pkw oder Lkw stellen eine erhebliche
Unfall-Gefahrenquelle dar.
Dass die EXPO
außerhalb des Großraums Hannover sogar für eine rückwärtsgewandte
Verkehrspolitik sorgt, zeigen die vernachlässigten Investitionen in den
Ausbau des flächenhaften Nahverkehrs in Niedersachsen. Während fast alle
umliegenden Bundesländer Gelder in die Wiederbelebung von Bahnhöfen und
Strecken investieren, fehlt in Niedersachsen der ernsthafte Wille zu
einer nachhaltigen Strukturpolitik. So endet beispielsweise die
EXPO-Vorzeigestrecke Bielefeld - Dissen Bad Rothenfelde an der
niedersächsischen Landesgrenze. Während die Bahnverlängerung nach
Osnabrück derzeit verödet, plädiert das Land Niedersachsen mit Nachdruck
für den Neubau der parallelen Autobahn A 33 nach Osnabrück. Auch die
längst überfälligen Reaktivierungen der Bahnstrecken Emden- Aurich,
Rinteln - Stadthagen, Bremervörde - Osterholz-Scharmbeck für den
Regelverkehr bleiben unberücksichtigt.
Unter Berücksichtigung
der Entwicklungen in Hannover und im Land Niedersachsen muss die EXPO
aus Sicht des umweltorientierten VCD als Rückschritt auf dem Weg zu
einer tragfähigen Verkehrspolitik für das nächste Jahrtausend angesehen
werden. Den Anspruch “Mensch - Natur - Technik” kann die Weltausstellung
in Hannover nicht einlösen.
Rückfragen: Michael
Frömming, Tel. 0511 7000522/ 0173 9330629
Ulrich Wilk, Tel. 0511 7000522