Bahn-Rückzug aus der Fläche bedroht auch Niedersachsen

 


Pressemitteilung 45/2000 vom 22.11.2000

VCD: „Güter auf die Bahn!“ Offensive statt Rückzug angemahnt 

Hannover. Als „allerletztes Notsignal gegenüber der Verkehrspolitik“ bezeichnet der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die von DB-Chef Hartmut Mehdorn geplante Stilllegung jedes zweiten Güterbahnhofes. „Dieser Rückzug betrifft vor allem auch das Flächenland Niedersachsen!“,
befürchtet der niedersächsische VCD-Landesvorsitzende Michael Frömming. Der VCD mahnt alle Politiker, endlich konkrete Schritte einzuleiten, deutlich mehr Gütertransporte auf die Schiene zu bringen.

„Angesichts des im Verkehrsbericht 2000 der Bundesregierung prognostizierten Güterverkehrswachstums von 64% bis 2015 muss auch die Landesregierung in Hannover alle erdenklichen Schritte einleiten, um den weiteren Rückzug der Bahn zu stoppen. Alleine in Niedersachsen verschwanden seit dem 2. Weltkrieg über 2.000 Kilometer Schienenstrecken von der Landkarte, die vormals bis in die Regionen hinein auch für Gütertransporte zur Verfügung standen.“, beklagt Frömming.

Zwar könnten nach VCD-Angaben oftmals Privatbahnen effektiver und kundenfreundlicher Gütertransporte übernehmen. Solange allerdings der Lkw-Verkehr mittels massiver steuerlicher Subventionen den staatlichen Vorrang vor dem Schienenverkehr genieße, bleibe eine allgemeine Trendwende für den umweltfreundlicheren Schienengüterverkehr Wunschdenken. „Um ein Jahr lang auf dem Autobahnnetz zwischen Deutschland, Belgien, Dänemark und den Niederlanden hin- und herzufahren, muss ein Spediteur einmalig eine Vignette für 2.400 DM
kaufen. Ein Güterzug kann für denselben Betrag gerade von Hamburg nach Frankfurt fahren, weil die Bahn für jeden gefahrenen Kilometer eine Trassengebühr zahlt. Ein Lkw wird billiger je mehr er fährt, während die Bahn teurer wird. „Ohne eine effektive Schwerverkehrsabgabe für Lkw wird die Bahn der Straße keine Marktanteile abtrotzen können“, betont Frömming.

Der VCD erhofft sich von der aktuellen Debatte um den Güterverkehr eine klare Kurskorrektur zu Gunsten der Schiene. „Noch länger kann sich kein verantwortungsbewußter Politiker das Dilemma anschauen. Eine Offensive für den Schienengüterverkehr – auch in der Fläche – ist überfällig!“, so Frömming

 

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