Keine guten Noten für Landtags- programme der Parteien
Pressemitteilung 01/2003 vom 13.01.2003 VCD veröffentlicht verkehrspolitische „Wahlprüfsteine“:
Hannover.
Keine guten Noten verteilt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) an die
größeren Parteien, die zur Landtagswahl in Niedersachsen am 2. Februar
2003 antreten. Der VCD-Landesverband Niedersachsen hat mit seinen
„Wahlprüfsteinen“ versucht zu klären, ob die Parteien den Klimaschutz
Ernst nehmen und im Verkehrsbereich umweltpolitische Gesichtspunkte
berücksichtigen.
Große – aus ökologischer
Sicht höchst bedenkliche – Infrastrukturmaßnahmen finden sich bei fast
allen Parteien. Den massiven Ausbau des Straßennetzes fordern SPD, CDU
und FDP gleichermaßen. „Unser Straßensystem muss kontinuierlich
verbessert und ausgebaut werden“, fordert die SPD. „Extrem wichtig“
findet die CDU weiteren Straßenbau und will deshalb sogar Mittel von
Bahn- und Busetat in zusätzliche Straßen umlenken. Die FDP nennt
zahlreiche aus ihrer Sicht wünschenswerte Fernstraßenprojekte quer durch
Niedersachsen. Die Grünen wehren sich nicht mehr grundsätzlich gegen
Fernstraßen, sprechen sich lediglich „gegen überregionale Autobahnen
aus“. Michael Frömming, VCD-Vorstandsmitglied aus Rotenburg (Wümme)
dazu: „Die SPD hat sich im Bereich Straßenbau längst von einer
nachhaltigen Entwicklung verabschiedet und versucht inzwischen der CDU
und FDP den Rang als Straßenbaulobbyist abzuringen. Enttäuschend auch
die blassen Aussagen der Grünen!“
Im Schienenverkehrssektor
fällt auf, dass die SPD – entgegen ersten Entwürfen – nun auch endlich
die Wiederbelebung von Zweigstrecken vorsieht: „Ein ganz wichtiger
Meilenstein, den wir sehr hoch anerkennen!“ so Mützel. Die CDU will sich
lediglich gegen „weitere Ausdünnungen wehren“, setzt aber auf den
Transrapid von Hamburg nach Amsterdam, ebenso wie die FDP. Die FDP
möchte private Bahngesellschaften fördern. Die Grünen wollen eine
Interregio-Gesellschaft gründen und sprechen sich gegen den Transrapid
aus. Hinsichtlich der umstrittenen Y-Trasse (Hamburg/ Bremen – Hannover)
spricht sich die SPD klar für die Umsetzung aus, während CDU und FDP das
Thema ausklammern. Die Grünen halten sich mit einem „wenn nötig“ hierzu
alle Optionen offen.
Verkehrssicherheit wollen
SPD und CDU hauptsächlich durch neue Ortsumfahrungen schaffen, die
Lkw-Verkehre aus den Kommunen heraushalten sollen. Mehr Spielstraßen und
verkehrsberuhigte Zonen sehen die Grünen als Lösung in diesem Bereich
an. „Mehr Straßen, um Verkehrssicherheit zu erzeugen, ist schon eine
bemerkenswert deutliche Aussage“, meint Frömming.
Als Fazit stellt der VCD mit
Erschrecken fest, dass die meisten verkehrspolitischen Aussagen ein
„Verharren“ an längst totgeglaubten Positionen veranschaulichen. „Vor
allem der Glaube an Arbeitsplätze durch noch mehr umweltunverträgliche
Großprojekte vornehmlich im Straßenbau zieht sich wie ein roter Faden
durch die Programme der SPD, CDU und FDP. Ein falscher
Fortschrittsglaube, der eigentlich längst überwunden war!“, urteilt
Frömming. „Dass moderne Mobilitätsdienstleistungen, wie etwa Car-Sharing,
nicht einmal namentlich auftauchen, obwohl selbst die Europäische
Kommission Car-Sharing als ein wichtiges Element zur Reduzierung der
Pkw-Umweltbelastungen ansieht, markiert auch das schlicht fehlende
verkehrspolitische Know-how in Niedersachsen!“ Und eine
Mobilitätserziehung für Kinder, die künftig am Verkehrsgeschehen nicht
nur als Autofahrer teilnehmen wollen, findet nicht statt, ist nicht
geplant und vor allem wohl auch als Weiterentwicklung der herkömmlichen
Verkehrserziehung“ nicht einmal bekannt“.
Eine Wahlempfehlung kann und
will der VCD als überparteilicher Fachverband nicht abgeben.
Interessierte Wählerinnen und Wähler informieren sich ausführlich über
Rückfragen: Michael Frömming, Tel. 0173 9330629
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