VCD: Vorrangig Schienenstrecken ausbauen!

 


Pressemitteilung 08/2003 vom 05.05.2003

Kritik am Bundesverkehrswegeplan

Abkehr von Prestigeprojekten gefordert

Hannover. Eine Abkehr von unnötigen Prestigeprojekten hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) heute in einer Pressekonferenz in Hannover angesichts der Vorlage des Bundesverkehrs-wegeplanes in Niedersachsen gefordert. „Vorrangig sollte der Ausbau des umweltschonenden Bahnnetzes forciert werden; der Verkehrswegeplan tut leider genau das Gegenteil!“, erklärt VCD-Landesvorsitzender Martin Mützel.

Obwohl Niederachsen nach Auffassung des VCD mit Fernstraßen bereits überversorgt sei, plane die rot-grüne Bundesregierung den Bau weiterer Autobahnen. Niedersachsens Bevölkerung stellt einen Bundesanteil von 9,7 Prozent der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung dar. Allerdings verfügt das Land über 12,2 Prozent der überörtlichen Straßen, so das Deutsche Statistische Bundesamt. Gleichzeitig erhält Niedersachsen vom Bund lediglich 8,6 Prozent der Bundesmittel für den Nahverkehr. „Hier sehen wir eine deutliche Diskrepanz zu Lasten umweltfreundlicher Verkehrsprojekte“, so Mützel.
 
Besonders bedauerlich empfindet der VCD, dass mit rund 1,5 Mrd. Euro die umstrittene Y-Trasse den Löwenanteil der Bahninvestitionen verzehrt. Für den Ausbau vorhandener Linien bleibt deshalb zuwenig Geld übrig. Wünschenswert sei für den VCD etwa die Aufnahme der wichtigen Verbindung der niedersächsischen Landeshauptstadt mit den Ostseehäfen Wismar, Rostock und Mukran über Uelzen, Dannenberg und Ludwigslust.
 
Hinsichtlich der Y-Trasse präsentierte der VCD am heutigen Tage die Studie „Hochleistungsnetz statt Y-Trasse“. Auf mehr als 90 Seiten analysiert der Verfasser, Dipl-Ing. Roland Sellien, alle bisherigen Variantenplanungen. Im Ergebnis stellt Sellien dar, warum der Ausbau des bestehenden Bahnnetzes unter Betrachtung aller Gesichtspunkte die besten Ergebnisse bringt.
 
Im Bereich Straße sieht der VCD besonders kritisch die „Küstenautobahn“ A 20/A 22 Lübeck — Stade — Emden. Der Umweg über Stade ist für den Fernverkehr uninteressant. Die jetzige Elbefähre befördert nicht einmal 2.000 Fahrzeuge am Tag. „Dafür wird sonst keine Ortsumfahrung gebaut.“ kritisiert VCD-Vorstandsmitglied Martin Mützel. Fraglich seien die Kosten. Für die 28 km von Stade bis zur A 23 mit vierspurigem Elbtunnel sind nur 345 Mio. Euro vorgesehen. Die vierte Röhre des Hamburger Elbtunnels hat 551 Mio. Euro gekostet. Auch die geplante A 39 Lüneburg—Wolfsburg wird vom VCD abgelehnt. Schon der gleichzeitig vorgesehene Ausbau der B 4 sei überdimensioniert. Erst 2002 ist die parallele Bahnlinie Salzwedel—Oebisfelde stillgelegt worden. Damit wurden 12 Mio. Euro gespart. Die A 39 soll 437 Mio. Euro kosten. Der VCD favorisiert statt der A 39-Planung den raschen Ausbau der Bahnlinie Uelzen – Braunschweig über Gifhorn.
 
Einen „erheblichen Nachholbedarf“ sieht der VCD Niedersachsen beim öffentlichen Nahverkehr, insbesondere in Tourismusgebieten. „Nordsee, Harz und Heide müssen auch ohne Auto bequem zu erreichen sein!“ fordert Mützel. Deswegen unterstützt der VCD den Ausbau der Bahnlinien Berlin — Uelzen — Soltau — Bremen und von Oldenburg nach Wilhelmshaven und Leer. Zusätzlich schlägt er den Wiederaufbau der Dömitzer Bahnbrücke und den Ausbau der „Südharz-Solling-Bahn“ Nordhausen — Northeim — Paderborn vor.

 

Rückfragen:
Roland Sellien (zu den Bahnprojekten): 0 17 91 01 50 97
Martin Mützel (zum Straßenbau): 0 17 19 33 53 81
Michael Frömming (Pressesprecher): 0 17 39 33 06 29

 

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