Verzicht auf Prestigeprojekte gefordert

 


Pressemitteilung 21/2005 vom 07.10.2005

VCD: „Einsparungen im Straßenbau machbar und sinnvoll!“

Hannover. Der Umwelt- und Verbraucherverband Verkehrsclub Deutschland (VCD) schlägt angesichts leerer Kassen den Verzicht auf mehrere Großprojekte in Norddeutschland vor. Dazu gehören die „Küstenautobahn“ Lübeck – Stade - Emden, die ICE-Neubaustrecke Hamburg/ Bremen - Hannover und die Autobahn 39 Lüneburg - Wolfsburg. Allein bei diesen drei Projekten könnten dreieinhalb bis vier Milliarden Euro gespart werden.


„Wer jetzt noch eine Küstenautobahn durchsetzen will, macht sich des Staatsbankrottes schuldig!“, so der niedersächsische VCD-Landesvorsitzende Martin Mützel. Er weist darauf hin, dass dieses Projekt vom Bundesverkehrsministerium als unwirtschaftlich bewertet worden ist, der geringe Nutzen bestand zu einem großen Teil aus Einsparungen im Transitverkehr Niederlande - Skandinavien. Mützel: „Davon hat Norddeutschlandnichts!“ Es sei eines der Projekte mit den höchsten ökologischen Schäden. Eine neue Autobahn in Richtung Skandinavien könnte zudem Schiffsverbindungen konkurrenzieren. Die niedersächsischen Häfen bräuchten vielmehr Anbindungen in Richtung Süden und Südosten, zum Beispiel den Ausbau der Bahnverbindung Bremen – Uelzen - Berlin. Statt der Küstenautobahn schlägt der VCD die Wiedereinrichtung einer Autofähre von Cuxhaven oder Otterndorf nach Brunsbüttel vor.

Auch bei der Schiene sieht der VCD Sparmöglichkeiten. So könne man auf die ICE-Strecke Hamburg/Bremen – Hannover („Y-Trasse“) verzichten. Mützel: „Über 1,2 Milliarden Euro für 13 Minuten Fahrzeitgewinn passen einfach nicht in die Zeit.“ Zusätzliche Kapazitäten könne man schneller und preisgünstiger durch den Ausbau vorhandener Strecken, zum Beispiel Rotenburg - Minden und Maschen - Uelzen, schaffen. Diese Ausbauten seien ohnehin im Verkehrswegeplan vorgesehen, aber bislang nicht ausreichend vorangetrieben worden.
 

Der VCD sieht das größte Sparpotential im Straßenneubau. Dort sei in den vergangenen Jahren überproportional investiert worden, die Schiene habe Nachholbedarf. So werde zwischen Wolfsburg und Braunschweig derzeit zusätzlich zur sechsspurigen A 2 noch die A 39 neu gebaut. Die parallele ICE-Strecke Berlin – Braunschweig - Frankfurt ist hier aber nach wie vor eingleisig. Auch im derzeitigen Bundesverkehrswegeplan ist Niedersachsen bei der Straße überdurchschnittlich, bei der Schiene unterdurchschnittlich beteiligt. Daher müsse auch zuerst bei der Straße gespart werden. Der VCD fordert, bei allen Verkehrsträgern dem Erhalt und die Modernisierung des vorhandenen Netzes Vorrang zu geben.

 

Rückfragen:

Martin Mützel, (01 71) 9 33 53 81

 

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