VCD
richtet Appell an Ministerpräsident Wulff zum Erhalt und
Ausbau von Bahnverbindungen
Pressemitteilung 23/2006 vom
11.08.2006
Kürzungen
im Schienenpersonennahverkehr:
Offener
Brief auch an Wirtschaftsministerium und Fraktionen
Hannover.
In einem Offenen Brief appelliert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) an
Ministerpräsident Christian Wulff, die Finanzierung des
Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Niedersachsen dauerhaft
sicherzustellen. Hintergrund sind Kürzungen der sogenannten
„Regionalisierungsmittel“, die der Bund den
Ländern
für die Erhalt und Ausbau des Nahverkehrs zur
Verfügung
stellt. Nach Auffassung des VCD müsse das Land Niedersachsen
– so wie in Hessen – Mehreinnahmen durch die
höhere
Mehrwertsteuerabgabe für den Bahnverkehr zur
Verfügung
stellen.
Im
Folgenden der Wortlaut des Schreibens, das auch an das
Wirtschaftsministerium und die Landtagsfraktionen gerichtet ist:
„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Wulff,
im Rahmen der Beschlussfassung über das sogenannte
„Haushaltsbegleitgesetz“ im Bundesrat am 16. Juni
2006
wurden die „Regionalisierungsmittel“ zur
Finanzierung des
Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) deutlich gekürzt.
Gleichzeitig
stimmten die Ländervertreter der Anhebung der Mehrwertsteuer
um
drei Prozentpunkte zum 01.01.2007 mehrheitlich zu. Insgesamt steht den
Ländern damit mehr Geld als vorher zur Verfügung.
Die Kürzungen der Regionalisierungsmittel bedeuten
(…)
teilweise erhebliche Einschnitte in den regionalen Bahnverkehr in
Niedersachsen. Neben der Stilllegung ganzer Strecken und der Streichung
von Zugleistungen auf bestehenden Verbindungen stehen zudem wichtige
Ausbauprojekte des Nahverkehrs auf dem Prüfstand.
Vor dem Hintergrund der folgenden Entwicklungen halten wir eine
Diskussion für bedeutsam:
- stetig
und nachhaltig steigende Benzinpreise
-
Reduzierung des Benzinverbrauches (-6,8 % im 1. Halbjahr 2006)
-
Fahrgastzuwächse im niedersächsischen Nahverkehr bis
zu 50%
-
Einhaltung laufender Verträge der Aufgabenträger mit
Verkehrsunternehmen
-
Planungssicherheit für Verkehrsdienstleistungen und
Maßnahmen der Infrastruktur
-
Sicherstellung von Arbeitsplätzen
Die Reduzierung der Regionalisierungsmittel in Niedersachsen um 284
Mio. Euro in den Jahren 2006-2010 läuft dem
Mobilitätsverhalten und den Kundenwünschen der
niedersächsischen Bevölkerung diametral entgegen.
Auch unter
Berücksichtigung der vom Niedersächsischen Landtag
beschlossenen Verschiebung der
„Gemeindeverkehrsfinanzierungsmittel“ von der
Schiene zur
Straße und den Kürzungen im Nahverkehr durch das
sog.
„Koch-Steinbrück-Papier“ im Jahre 2005 ist
die Lage
der Nahverkehrsfinanzierung heute als kritisch zu beurteilen.
Angesichts der Nachfragesteigerung für den SPNV und der
dauerhaft
zu erwartenden hohen Benzinpreise ist es erforderlich, weitere
Maßnahmen zum Erhalt und Ausbau des Nahverkehrs zu ergreifen.
Beispielhaft möchten wir die S-Bahn/ Regionalstadtbahnsysteme
für Hannover, Bremen und Braunschweig sowie die Wiederbelebung
von
wichtigen Zweigstrecken und Bahnhöfen nennen. Ein attraktives
Schienenpersonennahverkehrsangebot zählt inzwischen zu einem
wichtigen wirtschaftlichen Standortfaktor in den
niedersächsischen
Städten und Gemeinden.
Vor dem Hintergrund der geschilderten ungünstigen
Rahmenbedingungen für den Nahverkehr in Niedersachsen fordern
wir
die Landesregierung auf, die Mehreinnahmen durch die
Mehrwertsteueranhebung mindestens für die Kompensation der
gekürzten Regionalisierungsmittel einzusetzen. Unser
Nachbar-Bundesland Hessen hat diesen Schritt inzwischen vollzogen
(…).
Im Sinne der Sicherstellung einer nachfrage- und zukunftsorientierten
Verkehrspolitik und einer bezahlbaren Mobilität für
Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen bitten wir
Sie um die
Unterstützung unseres Vorschlages!
Über eine Stellungnahme zu unserem Anliegen würden
wir uns sehr freuen!
Mit
freundlichen Grüßen
Michael Frömming,
VCD-Landesvorsitzender“
Rückfragen:
Michael
Frömming, Tel. 0173 9330629 (VCD-Landesvorsitzender)
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