VCD: Niedersachsens Nahverkehr blutet weiter aus

 


Pressemitteilung 29/2006 vom 02.11.2006

Weitere Zugstreichungen beschlossen

Land sorgt für Zugstreichungen rund um Braunschweig

Hannover/Braunschweig. Nach den ersten bekannt gewordenen drastischen Streichungen von Nahverkehrszügen zum 10. Dezember 2006 auf der Bahnstrecke Bad Harzburg - Goslar - Seesen (- Kreiensen - Göttingen) sind nun weitere Verschlechterungen im niedersächsischen Bahnangebot bekannt geworden. Rund um Braunschweig wird auf mehreren Regionallinien das Zugangebot um bis zu 50 Prozent reduziert. Betroffen sind die Strecken von Braunschweig nach Hildesheim, Wolfsburg und Magdeburg. „Das Land lässt den erfolgreichen Bahnverkehr bewusst weiter ausbluten!“, stellt Roland Sellien, Landesvorstandsmitglied des Verkehrsclub Deutschland (VCD) fest.

„Schuld an dieser Negativentwicklung ist die niedersächsische Landesregierung. Anders als beispielsweise im Flächenland Rheinland-Pfalz genießt die umweltfreundliche Bahn in Hannover offensichtlich keine Rückendeckung. Damit ist auch das zukunftsweisende Projekt RegioStadtBahn (RSB) wahrscheinlich nicht mehr finanzierbar. Arbeitsplätze bei dem potenziellen RSB-Fahrzeughersteller Alstom in Salzgitter sind gefährdet. Aber auch der Aufgabenträger für den Regionalverkehr im Großraum Braunschweig, der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB), hätte durch Ausschreibung der Verkehrsleistungen diese massiven Streichungen mildern können,“ so Sellien. Mit dieser erneuten Streichrunde ist Wolfsburg zum zweiten Mal betroffen. Gerade die touristischen Attraktionen Autostadt und Phaeno sind mit der Bahn am Wochenende dann kaum noch zu erreichen.


 
Im Sommer stimmten die Bundesländer im Bundesrat nach zähen Verhandlungen der Kürzung der sogenannten Regionalisierungsmittel um 1,8 Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren zu. Für Niedersachsen beudeutet dies Mindereinnahmen von 284 Mio. Euro. Allerdings profitieren die Länder von der Mehrwertsteuer-Erhöhung ab dem 1. Januar 2007 mit einem Prozentpunkt an Mehreinnahmen; ein Vielfaches der gekürzten Regionalisierungsmittel. "Niedersachsen lässt im Gegensatz zu anderen Ländern die gesamten Mehreinnahmen in andere Haushaltsposten fließen; der Schienennahverkehr wird so nicht mehr zu halten sein!“ Der VCD stellt fest, dass heute in Niedersachsen mehr als 40% Menschen mehr mit der umweltfreundlichen Bahn als vor zehn Jahren unterwegs sind. „Die Landesregierung stoppt bewusst diesen Trend und provoziert damit, dass die Menschen wieder auf das Auto umsteigen müssen,“ bemängelt Sellien..

 

Mit Nachdruck wird sich der VCD auch in den kommenden Wochen und Monaten für einen Erhalt und Ausbau des umweltfreundlichen Nahverkehrs in Niedersachsen engagieren. Angesichts des Zuspruchs der Fahrgäste auf neue Angebote bei Bahnen und Busse darf es nach Meinung des VCD keine Rückwärts-Entwicklung in der niedersächsischen Verkehrspolitik geben.


 

Informationen:

Roland Sellien, Tel. 0531 75165

 

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