VCD: „Wieder ein teurer Schritt rückwärts!“

 


Pressemitteilung 34/2006 vom 18.12.2006

Einweihung der „Südharzautobahn“ A 38 

Prestigeprojekte sind nicht mehr zu rechtfertigen

Hannover/Göttingen. Anlässlich der Fertigstellung der „Südharzautobahn“ A 38 in Niedersachsen an diesem Mittwoch fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ein Umdenken in der Investitionspolitik. „Solche nutzlosen Prestigeprojekte können sich Umwelt und Steuerzahler nicht mehr leisten!“, stellt Martin Mützel, VCD-Landesvorstandsmitglied aus Göttingen, fest. „Die A 38-Einweihung ist ein weiterer teurer Schritt rückwärts in der Verkehrspolitik in Niedersachsen!“

Der Pkw-Verkehr in Deutschland ist nach den Zahlen des statistischen Bundesamtes rückläufig. Güter gehören auf die Schiene, zudem hat die Diskussion um die ‚Maut-Flüchtlinge’ auf Nebenstraßen nach Auffassung des VCD gezeigt, dass Autobahnen keinen wesentlichen Vorteil für regionale Transporte mehr bieten. Die Hoffnung, dass die Wirtschaft von neuen Straßen massiv profitiere, habe sich bei keinem der in den letzten Jahren fertig gestellten Straßenvorhaben erfüllt. Als Beispiel zitiert Mützel den Wesertunnel bei Bremerhaven: „Dieses gigantische Bauwerk hat nicht nur rund 250 Mio. Euro Steuergelder, sondern bislang mindestens 70 Arbeitsplätze auf den Fähren gekostet. Neue Arbeitsplätze entstanden nicht. Durch wegfallende Fährgeldeinnahmen steht nun auch noch der umweltfreundliche Stadtbusverkehr in Nordenham mit weiteren Arbeitsplätzen zur Kürzung an.“

Im Südharz kommt hinzu, dass die A 38 mit völlig utopischen Annahmen der Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung durchgesetzt wurde. Für einen „reinen Schildbürgerstreich“ hält der VCD in diesem Zusammenhang das Durchfahrverbot für Gefahrguttransporte durch den symbolträchtigen ‚Heidkopftunnel’. Mützel: „Ausgerechnet der Tunnel der Deutschen Einheit sorgt dafür, dass die problematischsten Transporte weiter durch die Dörfer müssen!“ Das gleiche Problem war bereits beim Wesertunnel aufgetreten. Für die geplante Elbquerung bei Stade befürchtet der VCD, dass nach Einstellung der dann unrentablen Fähre nicht nur Fahrradtouristen, sondern auch Gefahrgüter unterhalb von Hamburg nicht mehr über die Elbe kommen.

Besonders beklagenswert hält der VCD den Umstand, dass einerseits mit erheblichen Subventionen der Straßenbau im Südharz forciert werde während gleichzeitig die niedersächsische Landespolitik den umweltfreundlichen Nahverkehr zusammenstreicht. So wurden in Niedersachsen rund um den Harz Fahrten gestrichen, darunter mehrere auf den Linien Göttingen—Friedland—Eschwege und Heiligenstadt—Arenshausen—Kassel. Weiter wurde das Zugangebot von Göttingen nach Bad Harzburg ebenfalls ausgedünnt. In Thüringen verschwanden am 10. Dezember sogar zwei Bahnlinien in unmittelbarer Nähe zur A 38 komplett aus dem Angebot.


Informationen:

Martin Mützel, Tel. 0171 9335381

 

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