Fahrplanwechsel in Niedersachsen am 9. Dezember 2007
Pressemitteilung 30/2007 vom 28.11.2007
VCD: „Licht und Schatten für Bahnfahrgäste!“
Neue Züge, aber ländliche Region bleibt weiter außen vor
Hannover. Der kommenden Fahrplanwechsel bringt für Niedersachsens Bahnfahrgäste zahlreiche Veränderungen mit sich. „Neben Verbesserungen des Angebotes und von Anschlüssen auf bestehenden Bahnlinien fallen aber auch Zugangebote weg. Im Bereich Braunschweig wird sogar eine Bahnstrecke für den Personenverkehr geschlossen, neue Bahnstrecken gibt es wieder einmal nicht!“, fasst Michael Frömming, Landesvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Änderungen aus Fahrgastsicht zusammen.
Neue Züge, neue Angebote
Als herausragende positive Änderung bewertet der VCD die klaren Verbesserungen an der Unterelbe. Dort verkehrt fortan anstelle der Deutschen Bahn AG die metronom Eisenbahngesellschaft mbH mit den bei Kunden beliebten Doppelstockwaggons von Hamburg über Buxtehude und Stade nach Cuxhaven. Zusätzliche Verbindungen auch in den Abendstunden werden nach Meinung des VCD mit Sicherheit viele Menschen von der überlasteten parallelen B 73 in die Züge locken. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet auch die Hamburger S-Bahn, auf der die Deutsche Bahn AG von Hamburg aus anstatt nach Hamburg-Neugraben nun bis Stade durchfährt.
Die Übernahme der Regionalverkehre südlich von Hamburg nach Lüneburg und Tostedt auf moderne Fahrzeuge durch die metronom Eisenbahngesellschaft mbH bewertet der VCD ebenfalls positiv.
Von Osnabrück setzt die „Westfalenbahn“ ab dem Fahrplanwechsel neue sogenannte FLIRT-Züge nach Münster, Bielefeld und Bad Bentheim ein.
Wiedereinführung von Zugleistungen auf bestehenden Strecken
Aufgrund der gekürzten finanziellen Mittel für den Nahverkehr mussten zum Fahrplanwechsel im vergangenen Jahr insbesondere in der Region Braunschweig und im Harz zahlreiche Züge aus dem Angebot genommen werden. Diese Kürzungen vor allem auf den Linien von Braunschweig nach Hildesheim und Kreiensen konnten nun rückgängig gemacht werden.
Das Land Niedersachsen hatte ursprünglich beschlossen, rund 280 Mio. Euro gekürzte Mittel für den Nahverkehr bis zum Jahr 2010 nicht durch zusätzliche Einnahmen durch die Mehrwertsteuererhöhung auszugleichen. Dies war ein Kompromissvorschlag nach einer Bundesratsentscheidung im Sommer 2006. Zusammen mit einer Zuweisung des Bundes und eigenen Mitteln fehlen dem Nahverkehr in Niedersachsen jetzt allerdings immer noch 200 Mio. Euro bis zum Jahr 2010.
Verbesserung von Anschlüssen
Durch veränderte Fahrplanlagen konnte im Weserbergland eine lange vom VCD geforderte Verbesserung vorgenommen werden. Reisende von Kreiensen nach Paderborn haben nun in Holzminden einen direkten Anschluss an die Züge in Richtung Nordrhein-Westfalen.
Reduzierte Angebote, Stilllegung
Die positiven Ergebnisse hinsichtlich der Anschluss-Herstellung in Holzminden werden jedoch dadurch geschmälert, dass die Angebote auf einzelnen Strecken im Weserbergland insgesamt reduziert werden. An Wochenenden verkehren die Züge auf den meisten Strecken nur noch im Zwei- statt teilweise im Einstundentakt. Von Ottbergen bis Northeim und Göttingen fahren die Züge auch unter der Woche fast ausschließlich nur noch alle zwei Stunden.
Zwischen Rotenburg (Wümme) und Minden (Westf.) verringert die zuständige Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) unter der Woche das Angebot. So verkehren die einst durchgehenden Züge montags bis freitags nur noch auf den Abschnitten Rotenburg (Wümme) – Verden (Aller) und Nienburg (Weser) – Minden (Westf.), zusätzliches unbequemes Umsteigen ist somit unvermeidbar. Auf letzteren Abschnitt bewertet der VCD jedoch positiv, dass die Züge von Nienburg (Weser) über Minden (Westf.) hinaus bis nach Bielefeld fahren und zugleich gute Anschlüsse in Nienburg (Weser) erhalten. Der VCD setzt sich weiter in Zusammenarbeit mit den betroffenen Landkreisen für eine nachhaltige Angebotsverbesserung auf der Gesamtlinie Rotenburg (Wümme) – Minden (Westf.) (– Bielefeld) ein.
Die Bahnstrecke Helmstedt – Schöppenstedt verschwindet indes gänzlich und soll teilweise einem Braunkohletagebau weichen. „Hier wird die umweltfreundliche Bahn zerstört, um die besonders klimaschädliche Braunkohle fördern zu können. Das ist ein doppelter klimapolitischer Skandal!“, so Frömming. Nach der Aufgabe der Verbindung nach Bad Lauterberg (2004) ist dies bereits die zweite Stilllegung, seitdem die Regierung Wulf/Hirche für den Nahverkehr verantwortlich ist.
Weiter keine Reaktivierungen in Sicht
Durch die ablehnende Haltung der Landesregierung, die ursprünglich bis zum Jahr 2010 vorgesehenen 200 Millionen Euro für den Nahverkehr zur Verfügung zu stellen, bleiben weite Landstriche in Niedersachsen bis auf weiteres vom Schienenpersonennahverkehr abgekoppelt. Während sogar das kleinste Bundesland Bremen zum Fahrplanwechsel mit der Linie Farge – Vegesack eine Bahnstrecke wieder in Betrieb nimmt, gibt es für den regelmäßigen Nahverkehr auf der unweit gelegenen Moorexpress-Strecke Bremen – Bremervörde – Stade noch keinen Termin. Der VCD kritisiert, dass noch nicht einmal im Verdichtungsraum Hannover mit der Linie Rinteln – Stadthagen eine Bahnstrecke mit höherem Kundenpotential zur Wiederinbetriebnahme ansteht. „Die von der aktuellen Landesregierung immer wieder propagierte Förderung der ländlichen Region bleibt ein uneingelöstes Wahlversprechen!“, so Frömming.
Rückfragen:
Michael Frömming, Tel. 0173 9330629
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