Ruhe in der Stadt!
Was können die Städte für ihre Bürger tun?
Und was können Bürgerinnen und Bürger für ihre Städte tun
April 2004
Zusammen mit der VHS-Offenbach lädt der Kreisverband Offenbach des Verkehrsclub Deutschland (VCD) zu einer Vortragsveranstaltung ein.
Am Mittwoch, den 12. 5. 2004 um 1930 Uhr im Raum E2-02 des Gebäudes der vhs Offenbach, Berliner Straße 77 (S-Bahnhof Marktplatz, Ausgang Herrnstraße/Büsingpalais) spricht Guido Spohr zu dem Thema:
Lärm in der Großstadt - was müssen die Kommunen, was können die Bürger dagegen tun?
Herr Spohr ist Raumplaner und Koordinator eines Langzeitprojekts des VCD zu diesem Thema. Er wird in einem durch Bildmedien unterstützten Vortrag die technischen Ursachen und gesundheitlichen Konsequenzen von Straßen-, Schienen- und Fluglärm darstellen, die rechtlichen Vorgaben und deren politischen Umsetzungen kritisch betrachten sowie an Beispielen die strukturellen Folgen nicht mehr zumutbarer Belastungen aufzeigen. Neben einem Einblick in die neuere Lärmforschung wird der Vortrag an Einzelfällen aufzeigen, was Städte und Gemeinde, was aber auch jeder Einzelne tun kann.
Verkehrslärm nervt, die durchschnittliche Tagesbelastung steigt in den letzten Jahren stetig an! Mehr als 2/3 der Bundesbürger fühlen sich durch Straßen-, Schienen-, und Flugverkehrslärm in ihrer Lebensqualität mehr oder weniger stark beeinträchtigt. In der Lärmwirkungsforschung wächst die Erkenntnis, dass gerade von Verkehr hoch belasteten Trassen Stress und Krankheitsbilder wie Bluthochdruck oder gar die Möglichkeit von Herzinfarkten verstärkt vorzufinden sind. Konzentrationsvermögen sowie die innere Ruhe lassen bei dauerhafter Lärmbelastung merklich nach. Dies wurde am Beispiel von Schulen in der Nähe von Flughäfen (London-Heathrow, Berlin-Tegel sowie München-Riem) in den letzten Jahren festgestellt. Doch trotzdem wird für die Lärmbekämpfung augenscheinlich immer noch zu wenig getan.
Die Gründe hierfür sind zumeist vielfältig. Viele rechtliche Regelungen sind entweder veraltet (Fluglärmgesetz) oder greifen nur in geringem Maße, wie die seit 1990 VORGESCHRIEBENE! Lärmminderungsplanung. Letztere Regelung wird von vielen Kommunen schlichtweg ignoriert. Widerstreitende Interessen und ein mangelndes Problembewusstsein in der kommunalen Verwaltung führen oftmals dazu, dass die Belange von Betroffenen, den Bürgerinnen und Bürgern, kaum Berücksichtigung in der politischen Abwägung finden. Ein weiteres Argument sind immer wieder und leider auch vordergründig, die Kosten von Maßnahmen.
Doch sind kurzfristige Einsparungen in der Lärmvorsorge wirklich nachhaltiger als die langfristigen Kosten für die Stresstherapie von Menschen, Mietausfälle und zurückgehende Gewerbeeinnahmen durch den Wegzug von Bürgerinnen und Bürgern oder Gewerbetreibenden in ruhigere Gebiete? Der Verkehrslärm wird zunehmend auch zu einem Problem der Siedlungsentwicklung. Strukturelle Leerstände durch eine nicht mehr ertragbare Belastung sind bereits in einigen Kommunen zu finden, Beispiel hiefür sind die Städte Essen und Berlin-Neukölln, viele andere Kommunen haben sicherlich ähnliche Wohngebiete. Hier fehlen kommunale Strategien zur Lärmbekämpfung und neue Wege in der Verkehrsplanung.
Lärm wird jedoch auch von uns Bürgern selbst erzeugt. Fahrzeugbesitzer bauen ihre fahrbaren Untersätze zu rollenden Diskotheken aus und belästigen nicht nur andere, sondern gefährden teilweise diese und sich selbst im Straßenverkehr. Und wer weiß schon, dass in der Straßenverkehrsordnung Regelungen gegen übermäßigen Lärm zu finden sind?
Der Vortrag soll im Rahmen von etwa 45 Minuten einen kurzen Überblick über die Lärmwirkung sowie die Möglichkeiten der Lärmbekämpfung geben und aufzeigen, warum es oftmals eben nicht funktioniert, die Interessen von Bürgerinnen und Bürgern und kommunaler Verwaltung unter einen Hut zu bringen. Er soll aber auch gute Beispiele zeigen und darauf hinweisen, dass jeder Einzelne, insbesondere im Straßenverkehr, durch kleine und gezielte Änderungen von Verhaltensweisen mithelfen kann, unnötige Geräuschbelastungen zu vermeiden.
