Pressemitteilungen des VCD Kreisverband Offenbach

Pressemitteilung, Offenbach: Januar 2005

Der Airbus 380 hat dem Größenwahn Flügel verliehen, dem technischen Fortschritt nicht

Die Präsentation des Riesen-Airbus wurde von den Staatschefs der am Bau beteiligten Nationen als Jahrhundertereignis gewürdigt. Ist es wirklich ein Lichtblick gegenüber dem von Massenarbeitslosigkeit gekennzeichneten Niedergang des Industriezeitalters? Oder nur eine willkommene Ablenkung vor den heimischen Problemen der Staatslenker? Logisch, dass sie den Riesenvogel als Meilenstein der Industriegeschichte und Wunder wirkenden Quell für Wohlstand und Vollbeschäftigung feiern. Gerade deutsche Volksvertreter müssen für viele Milliarden an Steuergeldern geradestehen, die sie für das Prestigeprojekt abgezweigt haben. Milliarden, die nun fehlen für dringend erforderliche, zahllose Jobs in der Pflege, im Gesundheitswesen, im Schulunterricht, in der Forschung. Dafür leisten wir uns eine Luftfahrtindustrie mit ganzen 70.000 Arbeitsplätzen, von denen jeder alljährlich mit 20.000 Euro subventioniert wird. Der deutsche Steuerbürger hat schon manch illustren Flugapparat finanziert, den er nie auf den Flughäfen der Welt, sondern bestenfalls im Deutschen Museum bewundern kann. Wenn spektakuläre Konstruktionen wie VAK 191, VFW 614, DO 31, Grob Egrett, Cargolifter und DO 728 unsere Luftfahrtindustrie schon nicht aus dem Dornröschenschlaf erwecken konnten, so soll es nun der A 380 richten, koste es, was es wolle. Ohnehin wäre das jetzt schon überfüllte Deutsche Museum viel zu eng für so ein gewaltiges Exponat.

Einen Superlativ kann der große Airbus schon jetzt verbuchen: er hat mehr Steuermittel geschluckt als all die verstaubten Museumsstücke. Doch mit rund 130 Bestellungen ist er noch weit von der Gewinnschwelle entfernt. So verweist man mit Häme auf den viel kleineren "Dreamliner 7E7" von Boeing, der erst in drei Jahren abheben wird und bislang nur knapp 60 Bestellungen aufweist. Die Konstruktion des großen Airbus beruht auf dem gerade von Lufthansa und dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport immer noch bevorzugten Prinzip der Luftfahrtdrehscheibe (Hub), das die Fernreisenden mit Zubringerflügen auf einem Flughafen sammelt und mit Großflugzeugen weiter befördert. Doch andere Fluggesellschaften muten ihren Fluggästen das lästige Umsteigen nicht mehr zu und bieten immer mehr direkte Fernflüge an, so auch dieses Jahr erstmals von verschiedenen deutschen Flughäfen. Boeing hat mit seinem kleineren Entwurf wohl rechtzeitig auf diese Marktentwicklung reagiert, im Gegensatz zu Airbus. Im Schatten der Euphorie um den A 380 wird nun fieberhaft ein kleinerer A350 projektiert, für dessen Konstruktion schon mal weitere Subventionen gefordert werden.

Konstruktiv ist der A 380 im Wesentlichen eine lineare Vergrößerung konventioneller Flugzeugtechnologie. Mit einem Verbrauch von drei Litern je Passagier auf 100 Km erreicht er gerade mal das Niveau der guten alten DC-3 aus dem Jahre 1935, dem erfolgreichsten Verkehrsflugzeug aller Zeiten. Moderne Leichtflugzeuge verbrauchen nur 1,5 bis zwei Liter, und mancher PKW transportiert mit drei Litern gleich vier Personen 100 Km weit. Dem Riesen-Airbus ist langfristig nur Erfolg beschieden, wenn er weiterhin von Treibstoffsteuern verschont wird. Durch seinen Aufbau aus Verbundwerkstoffen wird der "Dreamliner" dagegen sparsamer und umweltfreundlicher sein, weist einen Weg für bezahlbaren Luftverkehr trotz angemessener Besteuerung.

Der Airbus 380 ist eher Ausdruck industriellen wie politischen Größenwahns denn technischen Fortschritts. Er ist das Ergebnis öffentlicher Förderung, gleichermaßen durch Subventionen wie durch die Steuerbefreiung des gewerblichen Flugverkehrs. Technischer Fortschritt ist auch in der Luftfahrt nur zu erreichen, wenn sie für ihre betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten aufkommen muß. Seit der private Flugverkehr der Treibstoffsteuer unterworfen ist, hat er einen enormen Entwicklungsschub erfahren. Unmengen verbleiten Sprit fressende Flugmotoren werden ersetzt durch sparsame Turbodiesel; mit den "Hochleistungs-Ultraleichten" ist eine lärmarme und umweltschonende Flugzeugklasse entstanden, welche die herkömmlichen Sportflugzeuge (E-Klasse) vom Markt verdrängt. Genietete Metallkonstruktionen werden durch leichte und stabile Verbundwerkstoffe ersetzt, die auch aufgrund ihrer Oberflächengüte den Energieverbrauch deutlich senken. Die den Weltmarkt beherrschenden Hersteller von Großflugzeugen und Triebwerken ersparen sich solche Innovationen, setzen auf die steuerfreie Verfügbarkeit des Kerosins, versperren damit jede Perspektive für einen gleichermaßen umweltfreundlicheren, gesellschaftlich erträglichen wie bezahlbaren Weltflugverkehr.

Das Roll-Out des A380 ist kein Grund zum Jubeln für die europäischen Volksvertreter. Deren Aufgabe wäre es, mit einer angemessenen Treibstoffsteuer endlich die Weichen für eine zukunftstaugliche Luftfahrttechnologie zu stellen.

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