Pressemitteilungen des VCD Kreisverband Offenbach
Offenbach, 27. Mai 2001
Duft der großen weiten Welt bald auch über den Gemeinden im Südkreis ?
Gulfstream, Falcon, Challenger....nie davon gehört? Oder Lear Jet? Ja, jetzt dämmert's. Das sind diese eleganten Geschäftsreiseflugzeuge, wie in der »Drei-Wetter-Taft-Reklame»: Morgens New York, mittags London, abends Egelsbach, könnte der Werbeslogan bald lauten. Denn demnächst sollen dort die schicken Jets auf einer großzügig bemessenen Piste abheben.
Für solche Flugzeuge soll ausgebaut werden
Vorgeschobenes Argument für den Ausbau ist eine in Planung befindliche EU-Richtlinie, die für den gewerblichen Betrieb mehrmotoriger Flugzeuge bis 5,7 Tonen eine Landebahnlänge von 1200 Metern vorsieht (in Egelsbach sollen es sogar 1400 Meter werden). In Wahrheit geht es darum, möglichst viel Kapazität am Frankfurter Flughafen für möglichst große Flieger freizumachen, darum, den Shareholder Value der »Fraport»-Aktien zu steigern. Konsequenz wird ein Flughafen wie London-City oder Dortmund sein, wo mit ähnlichen Rollfeldausmaßen wie für Egelsbach geplant, ein enormer Flugverkehr mit Jets bis zu 120 Sitzplätzen abgewickelt und die Umgebung mit einen entsprechenden Lärmteppich beschallt wird. Ginge es tatsächlich um EU-Richtlinien bezüglich der Landebahnlänge, müsste der Londoner City-Flughafen stillgelegt werden.
Aber solche Flugzeuge können dort dann landen!
Zusätzliche 410 Meter Landebahn, das klingt harmlos, bedeutet aber einen enormen Kapazitätszuwachs. Während hinsichtlich Lärm- und Schadstoffemission im Flugzeugbau kein nennenswerter technischer Fortschritt erzielt wird, gelingt es, durch immer stärkere Triebwerke und raffinierte Auftriebshilfen, Start- und Landerollstrecken deutlich zu verkürzen. Egelsbach wäre der erste Flugplatz in einem Ballungsraum, dessen Kapazität nicht bis zum Äußersten ausgenutzt würde.
Neben »Fraport»-Aktionären und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Koch (nebenbei Ministerpräsident von Hessen) profitieren allenfalls noch ein paar lokale Politiker, die ihre Pöstchen sichern. Verlierer sind die Bewohner des Südkreises, die ohrenbetäubendem Lärm und Abgasen ausgesetzt werden. Verlierer sind einmal mehr die Arbeitnehmer, denn die Luftfahrt trägt erwiesenermaßen zum Rückgang der Beschäftigung in vielen anderen Branchen bei.
Helfen Sie uns, die betroffene Bevölkerung über die Konsequenzen eines Flugplatzausbaus aufzuklären. Nur mit dem Rückhalt einer breiten öffentlichen Meinung kann es uns gelingen, die verantwortlichen politischen Gremien zum Einlenken zu bewegen.


