Pressemitteilungen des VCD Kreisverband Offenbach

Offenbach, 26. April 2002

Flughafen Frankfurt II ?

Es war ein geschickter Schachzug des Regierungspräsidiums: Gleichzeitig mit dem Abschluß der Anhörung zum Raumordnungsverfahren für den Ausbau des Frankfurter Flughafens wird die Verlängerung der Landebahn am Flugplatz Egelsbach genehmigt. Damit verschafft sich die Frankfurter Fraport AG, die sich rechtzeitig beim Egelsbacher Flugplatzbetreiber eingekauft hatte, einen enormen Kapazitätszuwachs. Ohne jeden Ausbau am großen Airport! Denn auf einer 1400 Meter messenden Bahn können problemlos alle Privat- und Regionalverkehrsflugzeuge abheben, die derzeit in Frankfurt abgefertigt werden. Damit wäre der Weg frei für einen durchgängigen Betrieb mit großen Airlinern, die Drehkreuzfunktion in trockenen Tüchern. Den Anrainern des Frankfurter Flughafens blüht ein Dauerschallpegel auf Höchstniveau, da die Erholungspausen durch kleinere Flieger entfallen. Endlich erfahren dann auch die Gemeinden rund um Egelsbach den Sound der großen weiten Welt, denn im Verleich zu den einmotorigen Sportmaschinchen vermitteln auch die kleineren Jets und Turboprops ein eindrucksvolles Geräuschniveau.

Der Kreisverband Offenbach des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sieht durch diese Vorgehensweise des Regierungspräsidiums das Raumordnungsverfahren ad absurdum geführt. Denn die beabsichtigte Kapazitätsausweitung wäre doch schon durch den Ausbau in Egelsbach gewährleistet. Auch das erhöhte Lärm- und Schadstoffniveau aufgrund des durchgängigen Betriebs mit Großflugzeugen wurde in den Gutachten natürlich nicht berücksichtigt.

Die Begründung für den Ausbau in Egelsbach - eine EU-Richtlinie, die für mehrmotorige, gewerblich genutzte Maschinen mindestens1200 Meter Bahnlänge vorsieht - ist aus Sicht des VCD ein vorgeschobenes Argument. Einerseits, weil derartige Flugbewegungen derzeit in Egelsbach kaum ein Prozent ausmachen, andererseits, weil die Bahnverlängerung gleich auf 1400 Meter ausgedehnt wird. Genug, um in Frankfurt erhebliche Kapazitäten für lukrative große Flieger freizusetzen, ohne auf die Landegebühren der vertriebenen Kleinen ganz verzichten zu müssen, denn Fraport sitzt ja in Egelsbach mit im Boot. Vorbild sind Flughäfen wie London-City oder Düsseldorf-Express (vormals Mönchengladbach). Dort werden jährlich Millionen Fluggäste abgefertigt. Die Bahnen messen ganze 1200 Meter.

Der VCD Offenbach lehnt die prestigeträchtige Konzentration von Luftfahrtinfrastruktur auf den ohnehin wirtschaftlich stärksten Ballungsraum ab. In seiner Jahresmitgliederversammlung am Donnerstag sprach sich der Kreisverband für einen Schulterschluß gleichgesinnter Organisationen aus, um den Luftverkehr im Rhein-Main-Gebiet in gesellschaftlich und volkswirtschaftlich vertretbaren Grenzen zu halten. Im Interesse einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung mit Vollbeschäftigung sollte vielmehr eine konsequente Vernetzung der Fläche durch leistungsfähigen Schienenverkehr angestrebt werden. Nur die Einsicht der Politik und deren Machtwort kann das Unheil noch abwenden. Es ist noch nicht zu spät, auch nicht für Egelsbach, wenn alle konstruktiven Kräfte der Region ihren Einfluß gegenüber den verantwortlichen Politikern deutlich machen.

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