Pressemitteilungen des VCD Kreisverband Offenbach
BUND & VCD Offenbach, 17. Oktober 2002
Innovative Verkehrspolitik der IHK?
Der Verkehrsausschuss der IHK Offenbach hat einen Forderungskatalog an die Verkehrspolitiker aufgestellt. Anstatt sich Gedanken über innovative Verkehrsprojekte zu machen, wie sie zur Zeit in Kassel mit dem Bau eines Güterverteilzentrums von Bahn und LKWs realisiert werden, wird die Realisierung aller jemals in der Region geplanten oder gedachten Strassenbauprojekte gefordert. Vom achtspurigen Ausbau der A3 - warum nicht gleich 12 Spuren? - bis zur letzten Ortsumgehung werden neue Strassen gewünscht.
Werner Geiss, der Sprecher des VCD (Verkehrsclub Deutschland) sieht im Kreisgebiet durch einen fortschreitenden Ausbau von Schnellstraßen und Luftverkehr nicht nur im Hinblick auf Umwelt- und Lärmbelastungen die Grenzen des Erträglichen überschritten. Schon heute leidet die Region als Wohnadresse unter den Verkehrsemissionen. Mehr denn je steht gerade das inzwischen dominierende Dienstleistungsgewerbe im Wettbewerb mit anderen Wirtschafts-zentren. Weder Bodenschätze noch breite Autobahnen bestimmen im Internet-Zeitalter die Standortqualität, sondern die Ansprüche des gesuchten Fachpersonals an die Lebensqualität in der Region.
Und da steht es im Rhein-Main-Gebiet nicht zum Besten. Das haben auch die Vertreter der Wirtschaft jenseits der Kreisgrenzen längst begriffen. Mit deren Unterstützung wurden Initiativen zur Verbesserung der Lebensqualität wie "Metropolitana" oder "Route der Industriekultur" auf den Weg gebracht. Selbst aus den traditionellen Wohnorten der Führungskräfte im Taunus erhebt sich Protest gegen den zunehmenden Luftverkehr. Wann erkennt endlich auch die Offenbacher IHK die Zeichen der Zeit?
Ganz abgesehen von den enormen Belastungen für Umwelt und Lebensqualität erscheint dem Sprecher des VCD die Forderung eines Flughafenausbaus wenig sinnvoll. Längst bietet der Airport beste Verbindungen in alle Welt. Dennoch stagniert die Zahl der Geschäftsreisenden seit geraumer Zeit. Wachsende Luftfahrtkapazitäten kommen also überwiegend der Touristik und dem Transit zugute, wohl kaum ein großer Nutzen für Offenbachs Wirtschaft.
Auch der Vorsitzende des BUND Offenbach, Peter Wagner, vermisst den Wunsch nach Erhalt und Ausbau der Infrastruktur für den Güterverkehr auf der Schiene. Kaum eine Handvoll Betriebe im Kreis wird noch von der Bahn (DB Cargo) bedient. Es bedarf schon der gemeinsamen Initiative von Wirtschaft und Politik, die vorhandenen Anlagen zu erhalten und auszubauen. Nur noch auf den LKW zu setzen, wäre nicht nur aus ökologischer Sicht fatal. Mit steigender Ökosteuer und Schwerlastabgabe dürfte die Güterbahn langfristig auch die preisgünstigere Alternative sein.


