Lokale AGENDA 21 in Offenbach
Leitlinie: Verkehr in Offenbach nachhaltig gestalten!
Mobilität ist heute ein wichtiges Gut in unserer Gesellschaft. Sie trägt zur Verwirklichung des individuellen Grundrechts auf Freiheit und zur Verwirklichung vielfältiger Grundbedürfnisse, privater Wünsche und Vorstellungen bei. Dieses Gut zu erhalten, ist auch Ziel einer nachhaltigen Verkehrsgestaltung.
Nachhaltigkeit heißt jedoch, eine Mobilität zu fördern, die die natürlichen Ressourcen schont, die Gesundheit der Menschen nicht beeinträchtigt, soziale Räume wie Wohnquartiere nicht zerstört und nicht auf Kosten unserer Nachkommen verwirklicht wird.
Ein wichtiger Gedanke ist hier vor allem die Vermeidung von überflüssigem Verkehr, etwa durch die bequeme, sichere und schnelle Erreichbarkeit der unterschiedlichsten Ziele in der Stadt mit modernen öffentlichen Verkehrsmitteln (Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Vergnügen), die Verringerung der Distanz von Wohnen und Arbeiten, die rationale, umweltschonende Beförderung von Gütern und die besondere Förderung nichtmotorisierter Verkehrsmittel wie das Fahrrad und die eigenen Füße. Dort wo Verkehr notwendigerweise stattfindet, sollte er weder die Gesundheit der Menschen und die Natur durch Schadstoffe, Lärm, hohes Tempo, Versiegelung und Rohstoffverbrauch beeinträchtigen, noch das soziale Miteinander etwa durch die Zerschneidung von Lebensräumen oder die Einschränkung der Bewegungsräume von Kindern beeinträchtigen.
Die Stadt Offenbach verpflichtet sich daher
- durch eine vorausschauende Planung der Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen unnötigen Güter- und Personenverkehr zu vermeiden.
- dem öffentlichen und nichtmotorisierten Verkehr in der Planung und Politik einen gebührenden Vorrang zukommen zu lassen.
- die umweltverträglichen und sozialen Verkehrsarten, in der Regel den öffentlichen Nahverkehr und den Verkehr mit menschlicher Kraft (Radfahren und Gehen) zu einem komfortablen, sicheren und gut zusammenwirkenden System auszubauen und zu bevorzugen.
- den motorisierten Individualverkehr so zu organisieren, daß Umweltschäden vermieden, der Flächenverbrauch reduziert wird und nur noch sichere Geschwindigkeiten erlaubt werden.
- den Güterverkehr möglichst rational und unter dem Primat der Vermeidung von LKW-Verkehr in der Stadt zu organisieren.
- bei der Organisation von Verkehr immer die Bedürfnisse von behinderten und älteren Mitbürgern zu berücksichtigen, um diesen eine gleichberechtigte umweltfreundliche Mobilität zu sichern.
Bestandsaufnahme:
Offenbach ist eine Stadt, die aus einem alten Kernbereich und mehreren Vororten entstanden ist. Der Innenstadtbereich, der hauptsächlich als Wohn- und Einkaufsbereich dient, ist durch ein System engmaschiger, schmaler Straßen erschlossen, die keinen zusätzlichen motorisierten Individualverkehr (MIV) mehr aufnehmen können. Das Wachstum der Stadt vollzieht sich jedoch weitgehend in den Außenbereichen (Rumpenheim, Bürgel, Bieber Nord und Kaiserlei). Die Straßen können zu den Verkehrs-spitzen keinen zusätzlichen Autoverkehr mehr bewältigen, und es ist nicht zu verantworten, zusätzliche Schneisen durch die Stadt zu schlagen. Auch die Belastung der Anwohner mit Lärm und Schadstoffen hat mit dem Anwachsen des Verkehrs stetig zugenommen. Als ein positives Gegenbeispiel ist hier der Rückbau der Berliner Straße zu nennen.
Zusätzlich gibt es erhebliche Pendlerströme durch die Stadt in Richtung Frankfurt und zurück, die von den Durchgangsstraßen nur bedingt aufgenommen werden können. Auch die Autobahnen um Offenbach sind an der Grenze ihrer Kapazität ausgelastet, so daß bei einem weiteren Anstieg des Verkehrsaufkommens (Bebauung Kaiserlei) mit erheblichem zusätzlichen Verkehr auf den innerstädtischen Straßen gerechnet werden muß. Die im Bau befindliche S-Bahn in den Rodgau und nach Dietzenbach wird zu einer gewünschten Entlastung beitragen. In Nord-Süd Richtung gibt es bisher jedoch nur sehr vage Planungen (Stadtbahn-Osttangente Ffm von Neu Isenburg über Gravenbruch und Offenbach Richtung Riederwald und Bad Vilbel im Anschluss an die in Vorbereitung befindliche Westtangente über Ffm-Höchst und Flughafen), wie die Verkehrsbelastung durch den MIV verringert werden kann.
Die Verkehrsplanung der Stadt hat sich bisher weitgehend am MIV ausgerichtet. Die Bedürfnisse der Fußgänger und Radfahrer sind dabei nicht ausreichend berücksichtigt worden. Beispiele sind schmale zugeparkte Fußwege, ungünstige Ampelphasen für Fußgänger und das Fehlen eines zusammenhängenden attraktiven Radwegenetzes.
Maßnahmen:
Zur Verwirklichung dieses Leitbildes prüft die Stadt Offenbach vor allem folgende Maßnahmen, um den Vorgaben der Klimakonferenz von Rio gerecht zu werden und setzt sie möglichst rasch um:
Verbesserung der Situation der Fußgänger:
- Für die Fußgänger müssen ausreichend breite Wege ohne dort parkende Autos oder Radwege geschaffen werden.
- Kreuzungen müssen in einer Ampelphase überquert werden können.
- In den Wohnbereichen muß der Verkehr so beruhigt (Tempo 30 Zonen) oder vermieden werden, daß Kindern ein gefahrloses Spielen auf der Straße möglich ist, und der Aufenthalt im öffentlichen Straßenraum nicht überwiegend den Autos vorbehalten ist.
Fahrradverkehr:
- Schaffung eines attraktiven Radwegenetzes, da Offenbach aufgrund seiner Topographie und geringen Entfernungen zum Radfahren sehr gut geeignet ist.
- Weitere Anlage ausreichender sicherer Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vor öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Sportstätten und Einkaufszielen.
- Mitnahme von Fahrrädern in Bussen außerhalb der Hauptverkehrszeit, wie bereits in Frankfurt und 90 weiteren Städten praktiziert.
ÖPNV:
- Erreichbarkeit aller Ziele in Offenbach per ÖPNV nach den Vorgaben des hessischen Nahverkehrsgesetzes, insbesondere schneller und guter Anschluß neuer Wohngebiete.
- Verbesserung des Liniennetzes durch direktere Linienführung, die derzeitigen Stadt-rundfahrten z.B. der Linien 105 oder 106 sind nicht attraktiv und fahrgastfreundlich.
- Einführung von Stadtteilbussen in Bieber als Anschluß an die neue S-Bahnver-bindung.
- Verdichtung des Taktes auf den wichtigsten Linien, insbesondere Frühfahrten Sonntags morgens sowie nachmittags.
- Anschluß an das Frankfurter Nachtbusnetz, eventuell Ergänzung durch Rufbuslinien.
- Einführung des bereits in Frankfurt praktizierten Halts der Busse zwischen den Halte-stellen nach 20 Uhr, zur Verbesserung des Komforts und des Sicherheitsgefühls.
- Kontinuierliche Umstellung auf behindertenfreundliche und umweltgerechte Fahr-zeuge (Erdgasantrieb in Kooperation mit der EVO).
- Attraktivere Gestaltung der Haltestellen wie im Haltestellenkonzept OF vorgesehen (Information, Beleuchtung, Sicherheit).
- Förderung des Jobtickets, Einführung eines Schülertickets, einer 9 Uhr Einkaufs- bzw. Monatskarte.
- Verbesserung des ÖPNV Angebots durch den Bau der Stadtbahn-Osttangente und deren Verknüpfung mit der Straßenbahnlinie 16 und dem Offenbacher Hauptbahnhof in Anbindung an die Stadtbahn-Westtangente.
Schienenfernverkehr:
- Ausschöpfung aller Mittel zum Wiederanschluss Offenbachs an den Schienenfernverkehr, wie in anderen Ballungsräumen üblich.
- Lärmschutzmaßnahmen entlang der Fernverkehrstrasse zur Entlastung der Anwohner.
Motorisierter Individualverkehr (MIV):
- Verbesserung der Auslastung der bestehenden Parkhäuser und Parkplätze durch bessere Ausgestaltung (Beleuchtung, Sicherheit, Frauenparkplätze), Preisgestaltung und ein Parkleitsystem mit dem Ziel, das Parken in den übrigen Gebieten zu reduzieren.
- Förderung und Ausbau des Park- und Ride-Systems (P+R).
- Förderung von Car-Sharing, etwa durch die Bereitstellung von zentralen Stellplätzen.
- Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in besonders vom Durchgangsverkehr betroffenen Gebieten.
Güterverkehr:
- Erhalt und Ausbau der Schienenanbindungen für den Güterverkehr.
- Erstellung eines Logistikkonzeptes zur Belieferung der Offenbacher Geschäfte zur Vermeidung unnötigen LKW-Verkehrs.
Flugverkehr:
- Engagement der Stadt Offenbach für eine Verringerung des Fluglärms, Einführung eines Nachtflugverbotes, Verringerung der Schadstoffbelastung durch den Flugverkehr und Verhinderung eines weiteren Ausbaus des Frankfurter Flughafens.
