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vision lahr

die zeit ist reif

stadtentwicklung ist zuerst verkehrsplanung. verkehrsteilnehmer ist jeder, alle können mitreden. die diskussion ist voll entbrannt: eine zweite schuttertalstraße als umrasung von kuhbach und reichenbach, vierspuriger ausbau des autobahnzubringers durch die kernstadt, kreisverkehre für flüssigen autoverkehr, ein flugplatz für frachtverkehr rund um die uhr, einkaufszentren gegen fußgänger, tiefgaragen und parkhäuser allüberall und trotzdem zugeparkte gehwege…sieht so das stadtbild einer lebenswerten kleinstadt aus, die format haben möchte und anziehend sein will?

alles deutet darauf hin, daß diese schreckensvision wirklichkeit wird. dagegen hat eine andere vision kaum chancen: in der straßenbahn von seelbach nach lahr, der autobahnzubringer zwischen alter bahnhofstraße und rathaus unter die erde, biergärten und cafes am schutterstrand… oder vielleicht doch?

dass autoverkehr unvereinbar ist mit guter aufenthaltsqualität wird immer mehr menschen klar. hat doch auch eine umfrage die in den ländern der europäischen union durchgeführt wurde ergeben, dass fast überall die mehrheit der meinung ist ihre nationale regierung macht eine zu autofreundliche verkehrspolitik. doch wenn selbst grüne politiker meinen, das auto sei "ein instrument der freiheit" und "ein mittel der emanzipation" (rezzo schlauch), dann wird klar, dass demokratie nur mit druck von unten durchgesetzt werden kann. daran haperts, das müssen wir noch lernen. z.b. von den strasbourgern; die haben 1990 eine autofreundliche stadtregierung abgewählt und catherine trautmann's tram eine knappe mehrheit gegeben. fünf jahre später wurde sie bei den wahlen triumphal bestätigt! das schuttertal mit lahr und seiner bandartigen siedlungsstruktur bietet ideale voraussetzungen für eine straßenbahn, so hat schon das difu-gutachten (deutsches institut für urbanistik) 1985 geurteilt. mehr als 100 000 bewohner würden unmittelbar davon profitieren. vorausschauende siedlungspolitik weist neue wohn- und gewerbeflächen entlang der strecke aus. der neubau einer schutterparallele wäre damit überflüssig. die b 415 liegt als lärmende schneise zwischen südstadt und altstadt. für die integrierung der neuen zentren vom alten bahnhof über nestler areal zum neu zu gestaltenden rathausplatz muß diese barriere überwunden werden. deshalb ein paar meter tiefer legen und deckel drauf! vor jahren wurde der plan einer fußgängerunterführung am werderplatz zu den akten gelegt, eine fußgängerquerung vom bädleweg zur haltestelle tiergartenstraße abgelehnt; kommt jetzt der angedrohte vierspurige ausbau?

ach, es könnte so schön sein! da fließt ein gebirgsbach mitten durch eine kleinstadt und keiner merkt was davon! überall wird er durch straßen überbaut, in betonwände gezwängt oder hinter zäunen gesichert. an so vielen spielplätzen und kindergärten plätschert er vorbei, bleibt ausgesperrt. weiß wirklich kein stadtplaner wie gern menschen am wasser sitzen oder spielen? unterm pflaster liegt der strand, wer legt ihn frei? ein projekt für die landesgartenschau, für die sich lahr bewerben will? für einen lahrer flughafen stehen millionen mark bereit. für eine ödnis von gigantischen ausmaßen die unseren planeten ein stück unwirtlicher macht mit den zerstörerischen wirkungen des flugverkehrs auf die schützende atmosphäre. wenn sich endlich die einsicht durchsetzte, daß auch der x-te geschäftsführer keine wunder vollbringt um den flugplatz in die profitzone zu bringen könnte viel geld frei werden. zum beispiel für eine straßenbahn: ein bewährtes und zukunftsfähiges transportmittel. die deckelung der b 415 sollte mit dem geld das für den vierspurigen ausbau und für weitere überflüssige kreisverkehre (nur nützlich für autofahrende, schikanös und gefährlich für radfahrende und zu fuß gehende) vorgesehen ist möglich sein. ja, und zur landesgartenschau 2010 sollte alles fertig sein. das wäre ein lohnendes ziel. eine schöne vision.

helmut schönberger

 
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