Fußnote - die Glosse im Guller (7. Oktober 2001)  
 

Leichter Anflug von Irrsinn
bei 300 Meter Luftlinie

von Werner Aschl

Neulich ließen sich die Deutschen im Jauch-TV die Intelligenz messen. Die kollektive IQ-Einordnung mag Stolz und Vorurteil gleichermaßen bestätigt haben, das Ergebnis konnte nur Unfug sein. Weil die ganze Chose von der irrigen Grundvoraussetzung ausgeht, der Mensch verfüge über einen gleichbleibend stabilen und damit überhaupt messbaren Grad von Intelligenz.

Der Gegenbeweis ist täglich zu haben - im innerörtlichen Straßenverkehr und in der Diskussion darüber, in Sonderheit in der Parkplatzfrage. Nähern wir uns zunächst mal dem Verhalten, der Einfachkeit halber am Beispiel Offenburg. Der Zeitgenosse, der sich für einen Menschen mit grundsolider Durchschnittsintelligenz hält, wollte letztens von seiner Wohnung (Oststadt) zum Tritschler (City, 300 Meter Luftlinie) zum Abendessen. Die Absicht, die Entfernung zu Fuß zu bezwingen, scheiterte in Sekunden. Zeitgenosse junior mußte nur ganz kurz die Stirn runzeln und an die Autotür gehen, will sagen: Mit mir nicht. Junior faul, Senior dito, und dazu die Hoffnung, dass da hinten bei der neuen Post eigentlich immer was geht. Die Autofahrt dürfte etwa 20 Sekunden länger gedauert haben als der vermiedene Gewaltmarsch. Und ein wunderschöner Parkplatz unterm Tritschler-Fenster war tatsächlich frei.

Man muß kein birkenstockcodierter Vollgrüner mit eingebautem Autohass sein, um  hier einen leichten Anflug von Irrsinn zu diagnostizieren, generationenübergreifend dazu. Der Zeitgenosse kennt sich selbst und  'ne Menge Leute, die mit dem Auto am liebsten beim Keilbach in den 1. Stock vor die Jeans-Corner führen, jeden Fußweg panisch meidend – gleichzeitig zweimal die Woche um den Gifiz joggen und demnächst wieder mit Winter-Abo ins Fitnessstudio rennen – beziehungsweise auf den Parkplatz desselben fahren. Kommen wir zur geistigen Auseinandersetzung mit der Parkplatzfrage: Wann immer die Leute befragt werden, bündeln sich die Aussagen in etwa so: Es gibt zuwenig Parkplätze und die wenigen, die es gibt, sind zu teuer. Schmählich verachtet bleibt die Logik auf der Strecke. 1000 Parkplätze mehr rund um den Narrenbrunnen und alle Parkuhren und Zeitbeschränkungen in den Orkus: Ab sofort gibt es keinen einzigen freien Parkplatz mehr, weil die Hosenverkäufer, Rechtsanwaltsgehilfinnen, Journalisten und Bäckergesellen ihr Auto frühmorgens vor dem eigenen Laden abstellen und stehen lassen bis zum Feierabend.

Das Blöde an Offenburg: Wann immer Du wirklich einen  Parkplatz suchst, Du findest einen. Drum gurken wir rein mit dem Auto, reichlich unverdrossen.

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