Erfolgreicher ÖPNV nur mit attraktivem Direktverkehr
VCD mit Bonner Politikern in Karlsruhe
Pressemitteilung vom 02.10.2010
Schnelle und direkte Schienenverkehrsanbindungen aus dem Umland mitten in die City, ohne Umsteigen und Zeitverluste, dies bieten die Karlsruher Verkehrsbetriebe schon seit vielen Jahren. Die entscheidenden zwei Punkte dabei sind die Verknüpfung aller Schienenverbindungen untereinander - sowohl der Straßen- und Stadtbahnen als auch der DB-Strecken - und entsprechende Fahrzeuge. Dafür wurden schon Anfang der 90ziger Jahre die sogenannten „Zweisystembahnen“, entwickelt. Äußerlich sind diese elektrischen Triebwagen nicht von normalen Stadtbahnen zu unterscheiden. Diese Art Bahnen sind mit zwei Strom- und Sicherungssystemen ausgerüstet und können somit sowohl das innerstädtische Straßenbahnnetz als auch DB-Strecken befahren. Das „Karlsruher Modell“ ist bei Verkehrsplanern weithin bekannt, viele deutsche und ausländische Städte haben dieses System mittlerweile kopiert, wenden es mit Erfolg an oder bauen es zurzeit aus.
Der VCD fordert die Prüfung eines solchen Modells auch schon lange für die Region Bonn, u.a. als Alternative zu dem umstrittenen Projekt einer S 13, die nur auf DB-Gleisen fahren soll. Dies war auch der Anlass für den VCD-Kreisverband, alle Bonner Ratsfraktionen einzuladen, um sich vor Ort in Karlsruhe einmal das System anzuschauen und Hintergrundinformationen zu erhalten. Leider beteiligten sich nur Vertreter von 3 Fraktionen an der Exkursion Anfang September: SPD (Werner Esser), GRÜNE (Werner Rambow) und Die Linke (Tasso Teichmann und Ralph Ehresmann).
Hintergrundinformationen
In Karlsruhe bei der Albtalverkehrsgesellschaft erhielten die Besucher aus Bonn umfassende Informationen über Historie, aktuelle Verkehre und Kennzahlen und sowie die weiteren Planungen durch den Dipl-Ing. Holger Wagensommer. Weiter ging es danach mit der Stadtbahn nach Heilbronn. Auch hier fährt die Bahn von den Schienen der DB direkt ins Herz der Stadtbahn und mitten durch die Fußgängerzonen. Heilbronn plant jetzt eine Erweiterung des Systems und wird eine weitere Linie durch die Stadt bauen. Dies erfuhren die Besucher aus erster Hand im Heilbronner Rathaus von dem zuständigen Projektleiter Andreas Berk. Neben weiteren Streckenbesichtigungen stand auch ein ausführlicher Meinungsaustausch mit den örtlichen VCD-Vertretern auf dem Programm, die weitere Informationen aus ihrer Sicht lieferten. In den zwei Tagen (Freitag und Samstag, 03./04.09.) absolvierten die Bonner VCD-Mitglieder und Kommunalpolitiker ein umfangreiches Programm und gewannen einen tiefen Einblick in die Vorteile dieses Systems. Die Gruppe nutzte dabei auch Eilzugverbindungen der AVG ins Umland. Zwischen Heilbronn und Karlsruhe verkehren sogar gut genutzte schnelle Sprinterzüge. Der Vertreter der AVG, Dipl-Ing. Holger Wagensommer brachte es auf den Punkt: Nur durch einen attraktiven Direktverkehr bringt man Autofahrer zum Umsteigen auf die Bahn. Einmal Umsteigen ist vielen Menschen eben einmal zu viel. Und dies ist in Karlsruhe und Umland gut gelungen, dies beweisen Fahrgasterhebungen und -befragungen.
Eindrücke
Die schnellen Verbindungen in die Stadtmitte vieler Städte in der Region Karlsruhe sind attraktiv. So fahren die Bahnen als Straßenbahnen u.a. durch Karlsruhe, Bad Wildbad, Heilbronn. Einige Städte planen Neubauten von Strecken oder haben dies schon realisiert. Die Fahrzeuge sind gut gepflegt und werden jetzt sukzessive durch neue Triebwagen ersetzt. Die Fahrer sind ganz im Gegensatz zu Bonn mit einheitlicher Dienstkleidung ausgerüstet, entsprechend erzeugt dies auch einen guten Gesamteindruck. Auch in der KVV-Kundenberatung am Karlsruher Hauptbahnhof herrscht eine freundliche und offene Atmosphäre. Bus- und Bahntakte sind weitgehend aufeinander abgestimmt. Alle Haltestellen sind mit digitalen Zuglaufinformationen ausgerüstet.
Nutzen für die Region Bonn
Auch in Bonn existieren viele parallel verlaufenden Strecken von DB und Stadtbahn, die miteinander verknüpft werden könnten. Ein wichtiges und dringendes Thema sind die Planungen für die S 13, die aus den 90ziger Jahren stammt. Neue Gleise, wie für die S 13 von Troisdorf nach Bonn-Beuel geplant, sind wegen des steigenden Güterverkehrs auf jeden Fall dringend notwendig. Die Planungen müssten jedoch dringend ergänzt werden, eine linksrheinische Anbindung und somit Erweiterung der Planungen ist überfällig. Eine schnelle und direkte Anbindung des Regierungsviertels, der Innenstadt, der Telekom in Ramersdorf und des Bonner Bogens sind die Stichworte.
Die Nutzung der RSE- und anderer Industriegleise im Raum Beuel sind ein weiteres Thema für den Einsatz von Zweisystemfahrzeugen.
Wenn man weiter denkt und Karlsruher Praxisbeispiele auf Bonner Verhältnisse übertragen würde, wären langfristig interessante Möglichkeiten denkbar. Warum nicht die Voreifelbahn mit entsprechenden Fahrzeugen durch eine Tunnelverbindung direkt auf die Gleise der 16, 63 und 66 am Hauptbahnhof leiten? Dieses Modell hat Kassel verwirklicht, die dortigen Zweisystemfahrzeuge haben sowohl Diesel- als auch Gleichstromantriebe. Ober wären Direktverbindungen von der Siegstrecke innerhalb der Stadt Siegburg denkbar, so dass Pendler aus Eitorf, Hennef usw. ohne Umsteigen direkt zu Arbeitsplätzen in Bonn fahren könnten?
Eine rasche Verbesserung wäre es auch, einmal die Möglichkeit einer Sprinterverbindung auf den Gleisen der Linie 66 vom Bahnhof Siegburg in die Bonner Innenstadt zu planen, ein von möglichen Kunden des Bonner ÖPNV oft geäußerter Wunsch.
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