Großer Andrang beim Dresdner Verkehrsdialog im Rathaus
Dresden, 04.02.09: Die Ortsgruppe des Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Friedrich-Ebert-Stiftung hatten am Dienstagabend zum Dresdner Verkehrsdialog zum Thema "Verkehrsbeschleunigung in Dresden - für wen?" in den voll besetzten Festsaal des Rathauses eingeladen.
Zu Diskussionen um eine Beschleunigung des Individualverkehrs mit dem Ziel der besseren Einhaltung der Feinstaub- und zukünftigen Stickoxidgrenzwerte für die Kommunen erläuterte Torsten Belter vom Lehrstuhl für Verkehrsökologie an der TU Dresden, dass die Grüne Welle für Autofahrer in der Stadt mittel- bis langfristig nicht zu einer Reduzierung von Emissionen führen kann. Bei einer parallelen Buslinie, die dadurch pro Umlauf um 2-3min. ausgebremst wird, sorgt schon ein zusätzlicher Bus - der dann gebraucht wird um den Fahrplantakt zu halten – dafür, dass die eingesparten Emissionen überkompensiert werden.
Valentin Seifert von den Stadtwerken München, selbst im Münchner ÖPNV-Beschleunigungsprogramm beteiligt, legte dar, dass für Verkehrsbetriebe bei Bevorrechtigungsmaßnahmen ein sehr großes finanzielles Einsparpotenzial besteht. So konnten bei der Münchner Straßenbahn durch die Beschleunigung 4,2 Mio. € Betriebskosten pro Jahr eingespart werden. Während in Dresden immer nur gestritten würde, kann in München dank der Arbeit einer interfraktionellen Arbeitsgruppe die Verkehrsbeschleunigung im gemeinsamen Konsens konsequent und erfolgreich umgesetzt werden. Herr Hoppe von den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) legte dar, dass es für die ÖPNV-Beschleunigung in Dresden noch viele Stellschrauben gäbe, ganze 70 km des Dresdner ÖPNV-Netzes sind mit Geschwindigkeitsbeschränkungen versehen, weitere 10 km sind aus betrieblichen Gründen geschwindigkeitsbeschränkt. Herr Ritscher von der Stadt Dresden betonte, dass bei der ganzen Diskussion um die Verkehrsbeschleunigung die andere Seite der Medaille, die Entschleunigung mit dem Ziel einer lebenswerteren Stadt, nicht vergessen werden sollte.
Eingeladen waren auch alle Vertreter der Stadtratsfraktionen. Anwesend waren Herr Bergmann (SPD), Dr. Kempe (Linksfraktion/PDS), Herr Kühne (Grüne) sowie Herr Naumann (Die Linke), Vertreter von CDU, FDP und Bürgerfraktion fehlten.
Die Diskussionsrunde schloss mit dem Wunsch, dass die Stadtratsfraktionen in Sachen Verkehrsbeschleunigung endlich an einem Strang ziehen und einzelne Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielen sollten. Klar wurde auch, bei einer ÖPNV-Beschleunigungsmaßnahme muss der Autoverkehr dank intelligenter Lichtsignal-Steuerung nicht benachteiligt werden. Die Runde stellte auch fest, dass es ernsthafte Stauprobleme in Dresden gar nicht gibt; der Individualverkehr sei hier so schnell wie nirgendwo sonst in einer vergleichbaren Stadt in Deutschland oder Europa. Der ÖPNV dagegen hängt seit Jahren hinterher. Bereits mehrfach befasste Beschlüsse zur Bevorrechtigung des öffentlichen Verkehrs sind auch endlich so umzusetzen.
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