Zügig durch Düsseldorf statt Buddeln durch Düsseldorf!
VCD-Kommentar zur Verabschiedung des Düsseldorfer Nahverkehrsplanes 2002-2007 im März 2003
Der Verkehrs-Ausschuss des Düsseldorfer Rats hat den Nahverkehrsplan beschlossen und dabei der Verwaltung einige Arbeitsaufträge mitgegeben, um erkannte Defizite des Planentwurfs in nächster Zeit abbauen. Gefordert werden u.a.:
- Konzepte zur Netz- und Anschlussoptimierung und zum Abend- und Nachtverkehr,
- Verbesserungen für Mobilitätsbehinderte (im übrigen vom Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz vorgeschrieben), für die Ausstattung von Haltestellen und für die Mobilität von Frauen,
- regelmäßige jährliche Berichterstattung über den Fortgang der Arbeiten,
- die Entwicklung von Qualitätsstandards und eines Qualitätsmanagements.
- Die Fortsetzung des Beschleunigungsprogramms ist mit Aufträgen an Ingenieurbüros ebenfalls in Arbeit.
Das sind gute Ansätze, nur werden sie kaum befriedigend umgesetzt werden können, denn
- weder gibt es ausreichend personelle Kapazitäten, um die Arbeitsaufträge ernsthaft abzuarbeiten und daneben noch das Tagesgeschäft der ÖPNV-Förderung abzuwickeln,
- noch kann der politisch vorgegebene Rahmen gute Konzepte ergeben: milliardenschwere Bauplanungen fressen alle finanziellen und personellen Ressourcen auf und die Pro-Auto-Ideologie der Ratsmehrheit verbietet echte Vorteile für die Bahn im Straßenraum durch Ampelvorrang, Buskaps, eigene Fahrspuren u.ä. und lässt kaum Spielraum für flexible Lösungen zugunsten des Nahverkehrs.
Für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) bleibt es dabei: der Düsseldorfer Nahverkehrsplan folgt nach dem Willen der Politik einer grundsätzlich falschen Strategie. Er ist:
- unwirksam: trotz Milliardenaufwand gibt es keine Trendwende zum öffentlichen Verkehr, wie es für ein optimales verträgliches Verkehrssystem nötig wäre und von der Politik immer versprochen wird. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis der Düsseldorfer Strategie ist miserabel: Ausgaben von 1,5 Mrd. Euro steht nicht nur kein Zuwachs, sondern sogar ein Rückgang der Fahrgastzahlen gegenüber!
- unkonkret: Da wo es um die Qualität und damit tatsächlich die Attraktivität für die (potentiellen) Kunden geht, bleibt es bei unverbindlicher Plauderei: die immer noch sehr unbefriedigende Reise-Geschwindigkeit und Pünktlichkeit trotz jahrelangem "Beschleunigungsprogramm" wird nur im Nebensatz versteckt erwähnt (immer noch 15% Zeitverluste an Ampeln), die Anzahl behinderten-gerechter Haltestellen wird gar nicht genannt, quantitative Ziele und konkrete Termine für Verbesserungen sucht man vergebens!
- unrealistisch: Niemand kann ernsthaft meinen, dass die gewaltige Summe der Projekte finanziert werden kann. Während seit 1985 für ÖPNV-Investitionen pro Jahr (inkl. Zuschüssen) durchschnittlich weniger als 50 Mio. Euro ausgegeben wurden, würden die Projekte des Nahverkehrsplans bis 2007 mit mindestens 750 Mio. Euro in 5 Jahren jährliche Baumittel von 150 Mio. Euro (= 300 Mio. DM) für Düsseldorf bedeuten, und das bei eher schrumpfenden öffentlichen Haushalten. Das ist unmöglich! Trotzdem wird mit viel Geld und Ressourcen die Detailplanung vorangetrieben, über Prioritätensetzungen und mögliche Alternativen, wenn das Geld nicht kommt, wird nicht nachgedacht, zumindest nicht öffentlich.
Das explizit genannte Leitziel des Nahverkehrsplans, zur Verbesserung der Lebensqualität möglichst große Verkehrsanteile auf den ÖPNV zu verlagern, hält der VCD für richtig, nur sagt das Konzept selbst unverblümt, dass das geplante Maßnahmenprogramm das nicht erreichen kann. Die überholten ideologischen Grundsätze, Straßenbahnen als städtebauliche Störung zu sehen, dem Autoverkehr keinen Millimeter Straße abnehmen zu dürfen und weiter eine Strategie der "schienenfreien Innenstadt" zu verfolgen, blockieren eine moderne Nahverkehrspolitik und schaffen nur ein gewaltiges Förderprogramm für Baukonzerne. Nützliche Nachfrageanalysen und Ansätze einer Qualitätsbetrachtung sind im Konzept durchaus zu finden, jedoch durften anscheinend keine konkreten Folgerungen gezogen werden, die der bisherigen Strategie widersprechen würden.
Der VCD hat ein Alternativprogramm skizziert, das mehr als 500 Mio. Euro spart, und dabei ein Vielfaches an Wirkung bringt, nämlich bis zu 100.000 mehr Fahrten mit Bahn und Bus pro Tag! Mit
- gezielten Angebotsverbesserungen, aus Produktivitätsgewinnen finanziert,
- flächendeckender Qualitätssteigerung und -kontrolle (insbesondere Pünktlichkeit u. Anschluss-Sicherung, aber auch Haltestellenausstattung, Sauberkeit und Sicherheit),
- umfassender Fahrgast-Information und einer
- besseren Verknüpfung von ÖPNV und Individualverkehr (Mobilitätsberatung, CarSharing, Sammeltaxi, Zustelldienste,..) statt viel Beton
ist der Trend gegen den öffentlichen Verkehr nicht nur umzukehren, es ist auch der einzige Weg, der finanziell machbar ist. Eine flächendeckende Spitzenqualität ist realisierbar und finanzierbar!
Sicher könnte über einzelne Thesen, Details und Zahlen der VCD-Skizze noch diskutiert werden, politische Mehrheit und Verwaltung haben aber bisher kein Interesse daran gezeigt.
Der VCD ist gespannt, wann die politische Mehrheit in Düsseldorf endlich merkt, dass nur ein Strategiewechsel helfen kann. Auf jeden Fall wird er mit darauf achten, dass die wichtigen Arbeitsaufträge zügig angegangen werden und nicht wie beim ersten Nahverkehrsplan 5 Jahre lang in der Schublade verschwinden.
Der VCD hat ein alternatives Nahverkehrskonzept entwickelt, das die Diskussion um die Strategie der nächsten Zeit beleben soll. Dort wird anschaulich und auch für Kommunalpolitiker verständlich gezeigt, wie ein gutes Nahverkehrssystem aus Kundensicht aussehen kann und dass oberirdische Straßenbahnen weltweit als wichtiges Element für eine vitale Innenstadt gelten. Spätestens wenn dem letzten klar wird, dass das städtische Konzept nicht finanzierbar ist, wird diese Diskussion einsetzen müssen.

