Erfahrungen mit dem Nachtverkehrskonzept, 2007
5 Monate NachtExpress: VCD zieht eine erste Bilanz
Stellungnahme zu dem im September 2006 eingeführten NachtExpress der Rheinbahn (Februar 2007)
Ende September 2006 hat die Rheinbahn ein neu konzipiertes NachtExpress-Netz eingeführt. Auf einem speziellen Liniennetz werden seitdem am Wochenende (Nächte Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag) sowie an bestimmten Feiertagen Fahrten bis in den frühen Morgen (ca. 4 Uhr) angeboten.
Dieser NachtExpress stellt grundsätzlich eine deutliche Verbesserung dar im Vergleich zum früheren Angebot. Der VCD sieht aber auch noch eine Reihe von Mängeln und Optimierungsmöglichkeiten.
Das beste Nachtverkehrsangebot macht wenig Sinn, wenn die Fahrgäste es nicht kennen und wissen, wann und wie sie es nutzen können. Grundsätzliche Forderung an ein Nachtliniennetz muss sein, dass es leichter zu verstehen ist als ein Tagesnetz, weil es von den meisten Fahrgästen viel seltener genutzt wird. Plakatkampagnen ohne konkrete Informationen können nur einen sehr beschränkten Beitrag dazu leisten, potentielle Fahrgäste über ihre konkreten Fahrtmöglichkeiten zu informieren. Stadtverwaltung und Rheinbahn müssen hier dringend weitere Anstrengungen unternehmen. Bisher ist es beispielsweise für Fahrgäste an den beiden wichtigsten Haltestellen Hauptbahnhof und Altstadt/Heinrich-Heine-Allee sehr schwierig, den Bussteig zu finden, an dem der richtige Nachtbus abfährt.
Wesentlicher Kritikpunkt ist außerdem, dass das Fahrtenangebot nachts insgesamt immer noch sehr unsystematisch ist. Neben dem NachtExpress an Wochenenden gibt es in der Woche noch immer das alte Nachtliniennetz (Linien 805-817). Außer den systematisch bis ca. 4 Uhr verkehrenden Linien des neuen NachtExpress-Netzes fahren am Wochenende nachts auch noch einige andere Linien (712, 722, 730, 732, 738, 754, 780 etc.) teilweise bis ca. 2 oder 3 Uhr - aber so unregelmäßig, dass diese Fahrten vorsichtshalber gar nicht in das von der Rheinbahn herausgegebene Faltblatt zum NachtExpress aufgenommen wurden. Und an einigen Feiertagen (Silvester, Karneval) fahren zusätzlich - und ebenfalls sehr unregelmäßig - weitere Tageslinien (701, 715).
Die Vorschläge des VCD-Düsseldorf im einzelnen:
- Es sollte ein einheitliches Nachtliniennetz geben. Auf diesem Netz soll das Verkehrsangebot in allen Nächten beruhen (also auch an Heiligabend). Die Bedienungshäufigkeit (Taktfrequenz) auf den einzelnen Linien muss sich natürlich an dem Bedarf orientieren.
- Werktags (in den Nächten Sonntag/Montag bis Donnerstag/Freitag) sollte es auf diesem Nachtnetz mindestens einen Betrieb bis etwa 1.30 Uhr geben.
- In Nächten auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag sollte es ein mindestens stündliches Fahrtenangebot beruhend auf dem Nachtliniennetz in der gesamten Nacht geben - also durchgehend bis zum Betriebsbeginn des Tagesnetzes. Die Bedienung auf dem Tagesnetz könnte an Samstagen und Sonntagen auf einigen Linien eventuell etwas später einsetzen als heute, stattdessen das NachtExpress-Netz bis in die Morgenstunden bedient werden.
- Zu Silvester, Karneval etc. erfolgt Taktverdichtung im Nachtliniennetz.
- Notwendig sind auch Verbesserungen und Optimierungen bei einzelnen Linienführungen im Nachtverkehr. Konkrete und detaillierte Vorschläge dazu machen wir in der Anlage.
Anlage: VCD-Vorschläge zur Optimierung und Verbesserung von Linienführungen im Nachtverkehr
- Für die heute unregelmäßigen Fahrten der Linie 712 (an bestimmten Tagen auch der Linien 701 und 715) muss eine systematische und kundenfreundliche Lösung gefunden werden. Diese könnte entweder darin bestehen, dass einzelne Straßenbahnlinien fest in das NachtExpress-Netz integriert werden, oder dass Nachtbuslinien so erweitert und im Takt verdichtet werden, dass sie die heute von den Straßenbahnen angebotenen Funktionen übernehmen können.
- Auch die anderen, bis in die Nacht verkehrenden Linien (722, 732, 738, 754, 780 etc.) sollen nach Möglichkeit systematisch in das Nachtliniennetz integriert werden. Dabei ist nicht unbedingt notwendig, dass jede Linie den Hauptbahnhof bedient.
- Das Liniennetz der Nachtbusse wirkt zur Zeit gerade in der Innenstadt wie ein unentwirrbares, nicht zu durchschauendes Knäuel. Dieses Knäuel muss aufgelöst werden! Es sollte im Detail geprüft werden, ob dies durch eine bessere Darstellung gelingen kann, oder ob eventuell auch Linienführungen geändert werden müssten.
- Der extrem lange Linienweg des NE 7 ist in der bisherigen Form für die meisten Fahrgäste aus dem tiefen Süden Düsseldorfs nicht attraktiv. Stattdessen sollten zwei Linien eingerichtet werden, von denen eine nur den Süden bedient mit Anschlussmöglichkeiten von der U-Bahn in Holthausen und/oder der S-Bahn in Benrath.
- Einrichtung einer weiteren Nachtbus-Linie (Ringlinie): Heinrich-Heine-Allee - Pempelfort - Düsseltal - Flingern S - Ronsdorfer Str. - Oberbilker Markt - Bilk - Unterbilk - Hafen - Graf-Adolf-Platz - Heinrich-Heine-Allee. Damit würde es gelingen, die drei wichtigen "Hot-Spots" des Nachtlebens direkt miteinander zu verbinden. Zudem würden wichtige Querverbindungen geschaffen, die das in einigen Fällen zu zeitintensive Umsteigen am Hauptbahnhof vermeiden helfen. Damit würde der Tatsache Rechnung getragen, dass keineswegs alle Fahrgäste vom Innenstadtbereich aus in die Außenbezirke wollen.

