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2006 - Zur Beschlussfassung des VEP-Zielkonzepts

Schreiben an die Mitglieder des Ordnungs- und Verkehrsausschusses, des Umweltausschusses und des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung in Düsseldorf sowie die Stadtverwaltung im Oktober 2006 vor der Beschlussfassung über das VEP Zielkonzept

Mobilität richtig managen?

Anmerkungen des VCD zum Zielkonzept des Verkehrsentwicklungsplan Düsseldorf

 Anmerkung: Die in dem Schreiben erwähnte Anlage mit Zitaten und weiterführenden Informationen stellen wir als PDF-Datei zum Herunterladen zur Verfügung (126 kb): VEP-Material.pdf

 Sehr geehrte Damen und Herren,

nach vielen Jahren der Analysen und Diskussionen steht die Entscheidung über das Zielkonzept des Verkehrsentwicklungsplans Düsseldorf auf der Tagesordnung des Verkehrsausschusses.

Der VCD hat sich mehrfach kritisch zur VEP-Strategie geäußert, u.a. auch in Stellungnahmen zur Luftreinhaltung, zuletzt im Brief an Stadt und Bezirksregierung vom 10.10.2006.

Auch von anderen Verbänden und in Bezirksvertretungen wurden in der politischen Diskussion grundsätzliche Bedenken angemeldet. Auf die politische Ausrichtung des Konzepts hatte das keinen Einfluss.

 

Die wichtigsten Thesen unseres Schreibens im schnellen Überblick:

Anlass zum Nachdenken

Gerade in den letzten Wochen und Monaten gab es eine ganze Reihe von politischen Aussagen und Nachrichten, die verantwortungsbewusste Politiker dazu zwingen müssten, noch einmal grundsätzlich über die Zielrichtung des VEP nachzudenken. Exemplarisch seien genannt:

Verantwortliche Politik, sei sie aus christlicher, liberal-rechtsstaatlicher, sozialer oder ökologischer Sicht, muss sich mit diesen Inhalten sehr ernsthaft auseinandersetzen.

 

Auf formaler Ebene haben wir Zweifel, ob der VEP-Entwurf rechtlich standhält.

Das gilt u.a. in Bezug auf die folgenden Bereiche:

 

Wir werden diese Bedenken auch auf überörtlicher Ebene mit der Bitte um Nachprüfung vorbringen.

Wir meinen, das vorliegende Zielkonzept mit

passt grundsätzlich nicht mehr in diese Zeit.

Wir wissen heute:

Also: Verkehrspolitik muss sich um mehr kümmern als um ausreichend Parkplätze vor der Haustür.

 

Wir wissen alle, dass das geplante Investitionsvolumen von 1,2 Mrd. Euro unrealistisch und finanzpolitisch unverantwortlich ist. Prioritäten müssen gesetzt werden.

Die Projekte Wehrhahnlinie und U80 halten einer wirtschaftlichen Prüfung nicht stand. Sie wurden aber im VEP-Prozess "gesetzt", Kritik und Alternativmaßnahmen blieben damit außen vor. Sonst hätte sich schnell gezeigt, dass durch flächendeckende Verbesserungsprogramme mit dem gleichen Mitteleinsatz ein Vielfaches an Wirkung erzeugt werden könnte. U-Bahnen kosten Geld, Beschleunigung spart Geld.

 

Wir wissen auch, dass die Vorlage der Verwaltung zur Begründung des vorliegenden Zielkonzepts keine objektive "Fachaussage" ist, sondern schlicht die Wiedergabe der Ziele der politischen Mehrheit.

Mit anderen Zielen gäbe es einen anderen Plan, und mit einer anderen Mehrheit würde die Verwaltung einen anderen Plan mit genau der gleichen Selbstverständlichkeit als unverzichtbar begründen.

Wer so mutig ist, die Innenstadt für 5-10 Jahre in eine riesige Baustelle zu verwandeln (vergleiche die U-Bahnbaustelle Köln!) und 450 Mio. Euro auszugeben, nur um vielleicht 1 Minute Reisezeit mit der Bahn auf der Wehrhahnlinie zu gewinnen, der ist auch sicher in der Lage, im Verkehr ein wenig umsteuern.

Falsche Weichenstellungen

Einige Beispiele für aus unserer Sicht falsche Lösungsansätze und Begründungen des VEP, insbesondere auch im Lichte der aktuellen Entgegnung der Verwaltung auf die Stellungnahmen zum VEP:

Mögliche Alternativen

Selbstverständlich geht es nicht darum, den Autoverkehr zu verbieten oder aus der Stadt zu drängen, aber um bewusste Anreize, nach Möglichkeit verträgliche Verkehrsmittel zu wählen, d.h.

Wir möchten daran erinnern:

Wir sind überzeugt, dass ein verträglicher Verkehr den Standort stärkt, und zwar

 

Der Gegensatz von Umwelt/Stadtverträglichkeit und Erreichbarkeit/Wirtschaft existiert nur in ideologischer Schwarz-Weiss-Malerei. Eine vernünftige Verkehrspolitik kann beides verbinden.

Unbestritten ist, dass jede Planung an den vorhandenen Rahmenbedingungen und Strukturen ansetzen muss, wenn sie erfolgreich sein soll, sie kann die Welt nicht neu erfinden. Die vorhandenen Strukturen dürfen aber nicht als Entschuldigung herhalten, um konsequente politische Entscheidungen zu vermeiden.

 

Der Analyse- und Diskussionsprozess um den VEP hat eine Menge von Daten und Erkenntnissen gewonnen, die in den künftigen verkehrspolitischen Debatten genutzt werden sollten. Als Grundaussagen werden im Zielkonzept genannt:

1) Struktur- und Verhaltensänderungen haben nur geringe Potentiale zur Änderung der Verkehrsmittelwahl (Das gilt allerdings nur in dem engen Rahmen, der für den VEP politisch vorgegeben war, nämlich keine Maßnahmen zur Reduzierung des Autoverkehrs zu behandeln; und die Aussage passt eigentlich nicht zum Punkt 3)

2) Straßen bieten noch Potentiale zur Erhöhung der Verträglichkeit.

3) Sog. "weiche" Maßnahmen (Organisation, Kommunikation) können zusätzliche Potentiale mobilisieren, und zwar in gleicher Größenordnung wie Infrastrukturprojekte.

Zwei weitere Punkte standen noch im Zwischenbericht zum VEP vom Januar 2005, sind aber im Zielkonzept bemerkenswerterweise verschwunden:

4) Die gesamtstädtische Wirkung von großen Infrastrukturprojekten ist gering.

5) Parallelausbau von Straßen schadet dem öffentlichen Verkehr.

Gelten diese beiden Punkte heute nicht mehr?

Der VEP muss grundlegende Fragen zur Verkehrspolitik in der Stadt beantworten, zum Beispiel:

Wir finden im Zielkonzept keine befriedigenden Antworten auf diese Fragen.

Positive Ansätze

Natürlich gibt es auch viele positive Ansätze im Zielkonzept, die von der Fachverwaltung und den Fachleuten eingebracht wurden. Aufgezählt werden im VEP-Entwurf als Strategien:

Diese Ansätze begrüßt der VCD ausdrücklich. Sie bedürfen aber der Konkretisierung und Umsetzung in direkte Maßnahmenprogramme, wenn sie mehr als Papier sein wollen. Zum angesprochenen regionalen ÖPNV etwa finden wir im Zielkonzept kaum etwas. Dabei geht es nicht nur um Informationen und ergänzende Schnellbusse, sondern v.a. um Kapazitäten und Zuverlässigkeit des Kernangebots der Bahn.

Konsequent angewendet, können alternative Strategien merkliche Erfolge erzielen, ohne verkehrlichen Zwang auszuüben, wie Erfahrungen oder Prognosen zeigen:

Konsequente Umsetzung

Die Frage ist, ob der VEP tatsächlich ernstgenommen oder wieder für die Schublade produziert wird. Dieses Schicksal hatten bisher fast alle globalen Verkehrsprogramme in Düsseldorf vom 3-Zonen-Verkehrsmodell über das ÖPNV-Beschleunigungsprogramm und das Maßnahmenprogramm zur Minderung der Luftbelastung bis hin zu den Vorschlägen des Arbeitskreises zur Optimierung der Verkehrsinfrastruktur. Schließlich kommt es Einzelinteressen mehr entgegen, wenn man nur über Einzelprojekte diskutiert statt diese in eine Strategie einzubinden. Eine mittelfristig erfolgreiche Verkehrspolitik ist aber so nicht möglich.

Soll der VEP wirken, und zwar insbesondere in den von uns positiv beurteilten "weichen" Maßnahmen, muss ein übergreifendes Handlungskonzept her, wie es bisher in den offiziellen VEP-Texten angekündigt wurde. In der aktuellen OVA-Vorlage kommt ein solches Handlungskonzept aber anscheinend nicht mehr vor. Dort steht "Der Rat beauftragt die Verwaltung, die .. Maßnahmen ... im Rahmen der finanziellen Ressourcen zu konkretisieren und umzusetzen." Das bedeutet: es gibt keinen Zielrahmen für Budgets und Zeiten, keine Prioritäten, nur jährlich zu verhandelnde Haushaltstitel und Einzelentscheidungen von Politik oder Verwaltung - also keine strategische Verkehrspolitik.

Ein integriertes Handlungskonzept müsste enthalten:

Der VEP selber muss nach dem bisher Gesagten die folgenden Grundstrategien verfolgen:

Als Zielvorgaben stellen wir zur Diskussion:

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