VCD-Fahrpreisvergleich 2007: RMV-Karten in Frankfurt meist teurer
VCD fordert Verbesserungen für Monatskartennutzer, günstigere Kinderfahrpreise und ein Senioren-Ticket
Wie hoch sind die Fahrpreise für den Öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt im Vergleich mit anderen Städten?
Anlässlich der jüngsten Fahrpreiserhöhungen, zum 10. Dezember 2006 beim RMV und zum 1. Januar 2007 bei den meisten anderen deutschen Verkehrsverbünden, ist der Kreisverband Frankfurt/Main-Taunus des Verkehrsclub Deutschland (VCD) dieser Frage nachgegangen. Dafür hat der VCD die Fahrpreise von 13 deutschen Großstädten verglichen.
Jede der in den Vergleich einbezogenen Städte verfügt über ein gutes Nahverkehrsangebot und besitzt ein innerstädtisches Schienennetz. Zudem wurden die Städte so ausgewählt, das die wichtigsten Verkehrsverbünde vertreten sind. Trotz unterschiedlicher Größe und Einwohnerzahl (die Bandbreite reicht von der 3 Millionen-Stadt Berlin bis zur 200.000 Einwohner zählenden Stadt Kassel), sieht der VCD eine bedingte Vergleichbarkeit der Nahverkehrssysteme dieser Städte als gegeben an. Im Durchschnitt unterscheiden sich die von den Einwohnern zurückgelegte Wegeentfernung und die Zahl der Wege in allen Städten nämlich nur geringfügig, da das Zeitbudget der Einwohner gleich ist.
Ergebnis der VCD-Untersuchung: Wer in Frankfurt mit Bus und Bahn fährt, zahlt in den meisten Fällen mehr als in vergleichbaren Städten. Während ein Münchner beispielsweise 55 Euro für seine im ganzen Stadtgebiet gültige „IsarCard“ bezahlt, muss der Frankfurter 14,90 Euro mehr für ein vergleichbares Angebot bezahlen. Mit der lange geforderten und 2005 endlich eingeführten „9-Uhr-Monatskarte“ spart man in Frankfurt zwar über 20 %. Ein Jahr nach Einführung hat dieses Angebot aber bereits die 50 Euro-Marke deutlich überschritten, während es in allen Vergleichsstädten mit derartigen Angeboten noch darunter lag.
Der VCD sieht zwei Möglichkeiten die Monats- und Jahreskarten in Frankfurt attraktiver zu machen: Eine davon wäre eine Preissenkung, für die die Stadt Frankfurt die Monatskarten wieder subventionieren müsste. Gleichzeitig oder alternativ dazu sollte der RMV die Nutzbarkeit der Monatskarten im Freizeitverkehr verbessern. So hält es der VCD für wünschenswert, wenn die Gültigkeit am Wochenende zumindest um die an das reguläre Gültigkeitsgebiet der Karte angrenzenden Tarifwaben erweitert würde. Durch diese Erweiterung seien zwar mehr Fahrten am Wochenende, aber kaum Mindereinnahmen zu erwarten. Vorbild wäre dabei der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), wo das „Ticket 2000“ am Wochenende im gesamten Verbundraum gilt. Weiterhin setzt sich der VCD für die Einführung einer ermäßigten Senioren-Monatskarte, wie sie mittlerweile in vielen Verbünden angeboten wird, ein.
Bei seiner Untersuchung fiel dem VCD besonders der relativ hohe Preis für Kinder-Einzelfahrkarten in Frankfurt auf. Nur in Berlin müssen Kinder mehr bezahlen. Der VCD fordert daher, die Kinderfahrpreise bei den nächsten Preiserhöhungen einzufrieren. VCD-Pressesprecher Sven Rahn, sieht in günstigen Kinderfahrpreisen nicht nur ein Signal für eine familienfreundliche Politik: „Günstige Kinderfahrpreise dienen auch der Kundenbindung. Wer als Kind Bus und Bahn als preisgünstiges Verkehrsmittel wahrnimmt, wird den öffentlichen Nahverkehr auch als Erwachsener eher nutzen.“
Als positiv bewertet der VCD dagegen die Preise für Tageskarten. Sie lägen beim RMV im Mittelfeld. Bereits bei zwei zusammenreisenden Personen lohne sich eine Gruppen-Tageskarte. Führen fünf Personen zusammen, läge der Preis der Gruppen-Tageskarte pro Person sogar deutlich unter dem eines Einzelticket.
Schließlich untersuchte der VCD noch die Preissteigerung bei den Fahrpreisen in den letzten 10 Jahren. Der Preis für eine Monatskarte stieg in dieser Zeit in Frankfurt um fast 37%. In Berlin, Kassel, Karlsruhe und Leipzig, deren Preise allerdings alle unter dem Frankfurter Niveau liegen, waren sogar Preissteigerungen bis 48 % zu verzeichnen. Aber es gab auch gegenteilige Fälle: So stieg der Preis in Hannover um lediglich 4,5 % und in München ist die Monatskarte für das Stadtgebiet heute sogar billiger als vor 10 Jahren.
Sven Rahn, Pressesprecher VCD Frankfurt / Main-Taunus

