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Kein Verständnis für Anziehen der Tarifschraube

VCD kritisiert erneute Fahrpreiserhöhungen zum Tarifwechsel

Frankfurt a. M. - 09. Dezember 2009. Kein Verständnis zeigt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) für die Preiserhöhungen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) um durchschnittlich 2,8 Prozent zum 13. Dezember. Der Sprecher der VCD-Regionalgruppe Rhein-Main, Holger Greiner, ist sich sicher: „Das alljährliche Ritual die Tarife zu erhöhen ist das falsche Signal an die Öffentlichkeit. Angesichts der Klimadebatte und der Konkurrenz des Autos sind die Steigerungen kontraproduktiv.“ Autofahrer seien so nur schwer zum Umsteigen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen. Gerade dies sei aber dringend erforderlich, um die CO2-Emissionen, zu denen der Verkehr rund 20 Prozent beiträgt, entscheidend zu senken.

„Die gebetsmühlenartig vorgebrachten Argumente für das Anziehen der Tarifschraube erscheinen willkürlich“, so Greiner. Seien im letzten Jahr vor allem die explodierenden Energiekosten angeführt worden, nenne der RMV nun die gestiegenen Personalausgaben als Grund. Für die zwischenzeitlich wieder gesunkenen Energiepreise gebe es jedoch keinen Ausgleich für die Fahrgäste – während der PKW-Nutzer an der Zapfsäule dagegen einiges sparen könne. Dass der RMV einen Kostendeckungsgrad von 54 % vorweisen könne, bringe dem Fahrgast, der die Preiserhöhungen im eigenen Portemonnaie spürt wenig. Wie die Vergleiche des VCD Rhein-Main gezeigt haben, gehören die Fahrpreise im Raum Frankfurt gegenüber anderen Großstädten – auch ohne die vorweihnachtlichen Anhebungen – schon jetzt zu den höchsten bundesweit. Gerade Zeitkarten, die häufig von Berufspendlern genutzt werden, oder Fahrkarten für Kinder und Jugendliche fallen hier negativ auf. Für Einkommensschwache werde der Nahverkehr immer mehr zum "teuren Vergnügen." Es sei unverantwortlich, dass die nachhaltigen Verkehrsträger wie Bus und Bahn verstärkt belastet würden, so der ökologisch orientierte Verkehrsclub.

Änderungen beim komplizierten RMV-Tarifsystem mit seiner überholten Wabenstruktur und Rabattierungen bei bestimmten Angeboten (z. B. Wochenendticket) seien, so der VCD, längst überfällig. Gerade bei den kurzen Entfernungen der Hauptverkehrswege würden verhältnismäßig hohe Fahrpreise erhoben. Reisende auf längeren Strecken kämen dagegen relativ günstig weg. Für den Abschnitt zwischen Hanau (Main-Kinzig-Kreis) und Frankfurt, mit nicht einmal 20 km, koste ein Einzelfahrschein nun 7,15 Euro – genau soviel wie die mehr als doppelt so lange Fahrt von Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) nach Frankfurt. Andere Verkehrsverbünde könnten dagegen – bei teilweise deutlich geringerem Preisniveau – bessere Leistungen erbringen. Als Folge nutzten in der Rhein-Main-Region nur etwa ein Viertel der Pendlerinnen und Pendler Bus und Bahn. Dies sei, so Greiner, erheblich weniger als in anderen Ballungsräumen. Ein attraktives Nahverkehrsangebot, mit günstigen Fahrpreisen könne aber, so der VCD, durch die Steigerung der Auslastung, zu einem höheren Kostendeckungsgrad beitragen. Unangemessen hohe Fahrpreise seien hierfür nicht erforderlich und in letzter Konsequenz sogar kontraproduktiv.

Für die extrem benachteiligten Strecken, wie etwa die genannte Verbindung zwischen Hanau und Frankfurt, gelte es, neue Tarifstrukturen zu entwickeln, die diese Missverhältnisse entzerren. Hier seien die politischen Entscheidungsträger auf Landesebene und in der Region, letztlich Besteller und Zahler des Verkehrs, gefordert eine Lösung zu finden. Die Regionalgruppe Rhein-Main des VCD werde sich im kommenden Jahr verstärkt dieses Themas annehmen und die Tarifstrukturen im RMV (mit ihren Ungereimtheiten) genauer unter die Lupe nehmen. Interessierte können sich jederzeit an den Treffen beteiligen und mit ihren eigenen Erfahrungen mit dem RMV-System zur Arbeit der Gruppe beitragen. Informationen, Ergebnisse und Termine werden auf der Internetseite www.vcd-frankfurt.de veröffentlicht.

Fahrpreiserhöhung 2009Pressemitteilung als PDF-Datei

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