Frankfurts Kinder müssen am meisten für den Einzelfahrschein zahlen
VCD - Fahrpreise im Städtevergleich
Frankfurt a. M. - 06. Februar 2009. Wer mit Kindern in Bus und Bahn in Frankfurt unterwegs ist, sollte gut rechnen können, da Frankfurts Kinder bundesweit mit 1,40 Euro das meiste für den Einzelfahrschein im öffentlichen Nahverkehr zahlen. Dies ist ein Ergebnis des Fahrpreisvergleichs den der Frankfurter Kreisverband des Verkehrsclub Deutschland (VCD) jährlich durchführt. Dabei werden die Fahrpreise für das Stadtgebiet in Frankfurt mit denen von 12 anderen deutschen Großstädten in verschiedenen Verkehrsverbünden verglichen. Auch sonst ist, so der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub, Frankfurt „ein besonders teures Pflaster“ für die Nahverkehrsnutzer. Das hohe Preisniveau sei dabei nicht durch besonders gute Leistungen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) gerechtfertigt. Gerade bei der S-Bahn, die im Vergleich zu ihren Kosten von besonders vielen Fahrgästen benutzt würde, gebe es immer noch erhebliche Defizite bei der Pünktlichkeit, der Fahrgastinformation sowie beim Zustand der Bahnhöfe.
Die Kinderfahrpreise lagen in Frankfurt auch schon in den Vorjahren weit über dem Durchschnitt der anderen Verkehrsverbünde. Bis zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2008 gab es aber wenigstens außerhalb der Berufsverkehrszeit etwas niedrigere Fahrpreise. Durch die Aufhebung dieser Reduktion stieg der Preis für Kinderfahrscheine außerhalb der Berufsverkehrszeit gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich um 7,7%. Im Vergleich zu 2007 zahlten Kinder heute sogar 16,7% mehr stellt der VCD fest. Andere Verbünde präsentieren sich wesentlich kinderfreundlicher. So bezahlen Kinder im sonst ebenfalls hochpreisigen Hamburg nur 1,00 Euro und in Nürnberg gar nur 0,90 Euro. Außerdem können in der Hansestadt auf eine Erwachsenen-Tageskarte bis zu 3 Kinder ohne Aufpreis mitgenommen werden. Die Politik sollte, so VCD-Sprecher Holger Greiner, „endlich Wege finden, wie die Kinderfahrpreise auf ein vernünftiges Maß gesenkt werden können. Wenn Hamburg und München es schaffen Kinderfahrscheine für 1,00 bzw. 1,10 Euro anzubieten, muss dies doch auch in Frankfurt möglich sein“.
Neben den höchsten Preisen für Kinder-Einzelfahrscheine sei Frankfurt auch Spitzenreiter beim Preis für die 9-Uhr-Monatskarte. Sind für dieses Ticket nach dem RMV-Tarif in Frankfurt 58,30 Euro fällig, verlange man in Köln nur 51,90 Euro und in München sogar nur 44,00 Euro. Die normale Monatskarte Erwachsene (72,90 Euro) ist nur für den Großbereich Hamburg (88,00 Euro), für das Stadtgebiet von Mannheim und Ludwigshafen zusammen (82,50 Euro) sowie in Köln (74,50 Euro) teurer als in Frankfurt.
Nach 14 Jahren hält der VCD es für „endlich an der Zeit, dass die Gesellschafter des RMV das vorliegende Tarifsystem so reformieren, dass es für den Fahrgast einfacher und preislich attraktiver wird“. So sollten Tages- und Monatskarten ab Preisstufe 4 nicht nur in bestimmten Tarifgebieten um die Starthaltestelle, sondern ringförmig in allen angrenzenden Tarifgebieten gelten. Dies würde auch die Nutzbarkeit von Tageskarten für Touristen vereinfachen, da die Aufteilung der Tarifgebiete nur schwer durchschaubar ist und nicht oder nur teilweise auf Netzplänen eingezeichnet ist. „Der Nahverkehr wird lieber genutzt, wenn man keine Angst haben muss unfreiwillig zum Schwarzfahrer zu werden“, findet VCD-Sprecher Holger Greiner. Anstatt sich auf Probleme der Vergleichbarkeit von Tarifsystemen herauszureden oder die Fahrgäste auf die seit Jahren geplante Einführung des „Electronic Ticketing“ zu vertrösten, sei es für den RMV hier dringend Zeit zu handeln. Ein attraktives und preiswertes Nahverkehrssystem sei dabei, so der VCD, auch eine „wichtige Grundvoraussetzung für die derzeit öffentlich diskutierte zukünftige umwelteffiziente und soziale ‚Bürgerstadt Frankfurt am Main’.“
Holger Greiner, Pressesprecher VCD Frankfurt / Main-Taunus
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