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VCD: Hoffnungen auf besseres und günstigeres Tarifsystem erneut enttäuscht

Ökologische Verbraucherorganisation kritisiert Tariferhöhungen im RMV

Frankfurt a. M. – 22. Juni 2011. "Die Hoffnungen vieler Fahrgäste auf ein besseres und günstigeres Tarifsystem sind von den RMV-Verantwortlichen erneut bitter enttäuscht worden" stellt der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), der das Preis-Leistungs-Verhältnis im größten hessischen Verkehrsverbund nun schon seit Jahren kritisch hinterfragt, fest. Der RMV versuche die Nachteile, die den Kundinnen und Kunden des öffentlichen Nahverkehrs durch die erneuten drastischen Fahrpreiserhöhungen um durchschnittlich 2,7 Prozent entstehen, zu verschleiern. Dabei werde die derzeit prognostizierte Inflationsrate von ca. 2,5 Prozent erneut überschritten. Diese Erhöhungen würden wieder mit den altbekannten Argumenten Personal- und Energiekosten gerechtfertigt, so dass man als Kunde auch noch froh darüber sein soll, dass alles nicht noch teurer wird.  

Dabei steht, so VCD-Sprecher Holger Greiner, längst fest: "Der Rhein-Main-Verkehrsverbund liegt mit seinen Tarifen, schon derzeit durchschnittlich um 25 bis 30 Prozent über den Fahrpreisen anderer deutscher Verkehrsverbünde." Dies werde durch die Zahlen eines entsprechenden regionalen Fahrpreisvergleichs aus dem Vorjahr belegt. Er trägt damit einen nicht unerheblichen Teil zu den steigenden Lebenshaltungskosten in der Rhein-Main-Region bei. Die Preise für "wichtige Tickets" wie die Monats- und Jahreskarte der Preisstufe 3 stiegen sogar um mehr als drei Prozent an. Einzelne Tickets würden sogar um über 6 Prozent teurer. Somit müssen die meisten Fahrgäste zum Jahreswechsel noch tiefer in ihre Portemonnaies greifen, um sich das "Luxusgut öffentlicher Nahverkehr" in der Rhein-Main-Region auch weiterhin leisten zu können.

Gewisse positive Signale seien zwar dadurch gegeben, dass bestimmte Fahrscheine diesmal nicht noch teurer würden. Die Verbesserungen bei der Tageskarte, die künftig generell weniger kosten soll als zwei Einzelfahrscheine, seien somit auch "als winziger Reform-Schritt in die richtige Richtung" zu begrüßen. Die hierbei erfolgenden Preissenkungen bewegten aber gerade bei den höheren Tarifen ab Stufe 5 lediglich im Cent-Bereich. So werde beispielsweise nach der neuen RMV-Tariftabelle, die derzeit schon völlig überteuerte Tageskarte von Frankfurt nach Hanau nur um 35 Cent von 14,60 Euro auf 14,25 Euro abgesenkt. "Wer heute schon besonderes viel zahlt, wird also künftig besonders wenig entlastet", stellt Greiner hierzu fest. Nur bis zur Stufe 4 würden die vom RMV groß hervorgehobenen Senkungen von 16 Prozent auch tatsächlich erreicht. Für die Nutzer von Tageskarten in den Großstädten Frankfurt, Wiesbaden oder Darmstadt tut sich sowieso nichts.

Am verwirrenden und ungerechten Tarifsystem - mit seinen nicht nachvollziehbaren Regelungen und abrupten Preissprüngen - werde dagegen immer noch nichts geändert. Die vorhandenen Nahverkehrs-Angebote lassen im Gegensatz zu anderen Verkehrsverbünden weiterhin zu wünschen übrig. Der VCD Rhein-Main fordert daher u. a. günstige Mehrfahrkarten-Lösungen, erweiterte Fahrtmöglichkeiten für Zeitkartenbesitzer am Wochenende, die Einführung eines  Wochend-Tickets. Zudem fahren Kinder in anderen Verbünden durch das ganze Verbundgebiet zu einem günstigen Einheitspreis, während der hessische Verkehrsverbund, trotz der hieran wiederholt vorgebrachten Kritik des ökologischen Verkehrsclubs, immer noch mit den bundesweit teuersten Kinderfahrscheinen, die von Tarifzone zu Tarifzone mehr kosten, "glänzen" kann.

Skandalös sei es geradezu, dass das Votum der im Frankfurter Römer vertretenen Fraktionen, die sich im Vorjahr ganz eindeutig und parteiübergreifend für den Verzicht auf weitere Tariferhöhungen ausgesprochen haben, bei der neuerlichen Preisanpassung völlig ignoriert werde. Der VCD stellt hierzu fest, dass auch für viele Volksvertreter in den Kommunen und Kreisen im Umland, das "Ende der Fahnenstange bei den Nahverkehrstarifen" erreicht ist. Zahlreiche Parteien oder Listen hätten sich, in der vor der Kommunalwahl durchgeführten Befragung des Verkehrsclubs, für günstigere Tarife und ein besseres Tarifsystem im RMV ausgesprochen. Es sei, so die Verbraucherorganisation, nun dringend geboten, hier energische Schritte zugunsten der Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs einzuleiten, der die einzige wirkliche ökologische und nachhaltige Alternative zum Autoverkehr im Ballungsraum ist.

Holger Greiner
(Pressesprecher VCD Regionalgruppe Rhein-Main)

Pressemitteilung als PDF-Datei

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