VCD hinterfragt neue Pünktlichkeitswerte des RMV
Frankfurt a. M. – 10. Mai 2011. Die Regionalgruppe Rhein-Main des Verkehrsclub Deutschland (VCD) wertet die neuen Zahlen, die der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) jüngst zur Pünktlichkeit im Regionalverkehr vorgelegt hat kritisch. „Vielleicht geben es die statistischen Werte her, `hier die besten Pünktlichkeitswerte seit Beginn der Qualitätsmessungen im Jahr 2001´ zu bejubeln. Die alltäglichen Erfahrungen der Fahrgäste sehen“, so Sprecher Holger Greiner, „immer noch häufig ganz anders aus.“ Von einer wirklich stabilen und hohen Pünktlichkeit, könne gerade im Bereich der S-Bahn und im Regionalverkehr noch längst keine Rede sein. Bedauerlich sei es auch, dass die besonders wichtige S-Bahn-Linie 8, als zentrale Verbindungsachse für die gesamte Rhein-Main-Region, trotz leicht verbesserter Zahlen in der Qualitäts-Statistik, weiterhin einen „negativen Ausreißer“ bildet.
Von verärgerten ÖPNV-Nutzerinnen und Nutzern würden immer wieder Beschwerden über die „unzumutbaren Zustände bei der S-Bahn Rhein-Main, die sich massiv häufen“ an den ökologischen Verkehrsclub herangetragen. Gerade auf der Flughafenlinie würden in jüngster Zeit gehäuft ganze Züge ausfallen, so dass sich ein immenser Rückstau von Reisenden bilde, und die S-Bahnen in der Folge massiv überfüllt seien. Auch die Anschlüsse in der Region ließen noch „sehr zu wünschen übrig“. Hier funktionieren die Umsteigemöglichkeiten zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln, aufgrund von Verspätungen, häufig nur unbefriedigend. Käme beispielsweise die Bahn von Hanau nach Friedberg nur wenige Minuten zu spät am Bahnhof Nidderau an, funktioniere der zeitlich äußerst knapp bemessene Anschluss an den Zug von Bad Vilbel nach Stockheim nicht mehr, so dass ein längerer Aufenthalt die Folge sei. Der DB-Zug warte hier häufig nicht auf den Zug der Hessischen Landesbahn (HLB) oder umgekehrt. Ähnlich negative Erfahrungen meldeten zahlreiche Fahrgäste auch mit den Anschlüssen und dem Service auf der Dreieichbahn.
Fragwürdig sei, so die Verbraucherorganisation, die fortgesetzte Anwendung der internationalen Definition, die besagt, dass bei Verspätungen von unter 6 Minuten noch von Pünktlichkeit gesprochen werden könne, auf den Nahverkehrsbereich. Diese werde derzeit auch vom RMV überwiegend noch zur Bewertung der eigenen Pünktlichkeit herangezogen. Hier sollte eine generelle Absenkung auf höchstens 3 Minuten durchgeführt werden, da im Nahverkehr gerade auch kürzere Verspätungszeiten besonders ins Gewicht fallen. Eine zunächst gering anmutende Verzögerung führe oft zu einem großen Anwachsen von Zeitverlusten für die Kunden, die beispielsweise zu spät bei ihrer Arbeitsstelle erschienen oder in Randzeiten die gewünschte Verbindung nach Hause oder in die Region nicht mehr erreichen könnten.
Der VCD bekräftigt in diesem Zusammenhang seine Auffassung, „dass das Preis-Leistungs-Verhältnis des größten hessischen Verkehrsverbundes nach wie vor eher mangelhaft ist“. Die Kundinnen und Kunden, die in der Rhein-Main-Region weitaus mehr zahlen müssten als in anderen Verkehrsverbünden, würden mit unbefriedigenden Leistungen abgespeist. Von einer wirklichen Vertaktung der regionalen Bahnen und der zugehörigen Anschlüsse könne immer noch nicht gesprochen werden. Von den verkehrspolitisch Verantwortlichen im Land Hessen müsse daher die angekündigte S-Bahn-Qualitätsoffensive endlich massiv vorangetrieben werden, um in naher Zukunft zu einem landesweiten „integrierten Taktfahrplan“ aller öffentlichen Verkehrsmittel zu gelangen.
Holger Greiner
Pressesprecher VCD Regionalgruppe Rhein-Main
(Pressemitteilung als PDF-Datei)

