Vor- und Nachteile eines Radwegs auf der Bahntrasse
Es ist nach aktuellem Stand leider wahrscheinlich, dass die Bahnstrecke Hemer - Menden zu einem Radweg umgebaut wird.
Der VCD Hagen-Märkischer Kreis ist aber weiter der Ansicht, dass dies ein verkehrspolitischer Fehler ist. Wir sind gegen den Umbau der Schienentrasse zu einem Radweg!
Natürlich befürworten wir die Schaffung von Radwegen, allerdings nicht zu Lasten einer Bahnstrecke, für die es grundsätzlich noch bzw. in absehbarer Zeit Bedarf gibt.
So ist für uns der Hauptgrund zur Ablehnung der Umwandlung der Bahntrasse, dass diese einfach nicht "übrig" ist für den Radverkehr. Unsere wichtigsten Argumente, warum die Bahnstrecke Hemer - Menden (Oesetalbahn) erhalten werden sollte, finden Sie hier.
Ein Radweg wäre aber aus VCD-Sicht immerhin die zweitbeste Nutzung der Bahntrasse, weil sie selbstverständlich auch einige Vorteile böte:
- die Trasse würde - zumindest theoretisch - für eine spätere Reaktivierung des Bahnverkehrs gesichert
- es wäre eine gute Verbindung für Fahrräder, weil der Weg recht direkt (u. a. per Tunnel unter der B7 her) sowie mit wenigen und gut verteilten Steigungen verläuft
- in Hemer könnte der Weg an den vorhandenen Bahntrassenradweg Richtung Sundwig anknüpfen
- es müsste keine neue eigenständige Trasse (bzw. Teilstücke) für den Radverkehr gebaut werden
- Eingriffe in Landschaft und Grün wären sehr gering
Andererseits wäre der Radweg auf der Bahntrasse aber auch keine ideale Lösung:
- nach allen Erfahrungen mit bereits umgewandelten Bahnstrecken wäre sie mindestens einige Jahre oder auf immer für den Schienenverkehr verloren
- wegen der fast durchgängigen Führung des Radwegs entlang der stark befahrenen B7 wären die Radler dort Lärm, Abgasen und (Fein)Staub ausgesetzt
- wegen der Straßennähe und des meist größeren Abstandes zu offener Landschaft, zu Gewässern usw. gäbe es nur wenige reizvolle Ausblicke und kaum Standorte für attraktive Rastplätze
- in Höhe Felsenkeller in Menden sowie zwischen Steinbruch und Tunnelausgang in Hemer-Oese liegt der Weg "eingeklemmt" und vertieft zwischen Lärmschutzwand, Böschungen bzw. direkt in einer Beton-Unterführung, so dass man hier nicht viel sieht und bei Dunkelheit sogar Ängste ausgelöst werden könnten
- es fehlen Elemente wie Kurven, Kehren, echte Bahntunnel (wie z. B. Fledermaustunnel auf dem Sauerland-Radring), alte Bahngebäude und v. a. ein höher liegender Damm mit "Panoramablick", welche andere Ex-Bahntrassen zu interessanten und spannenden Radwegen machen
- in Menden würde der Radweg spätestens vor dem Gleis der Hönnetalbahn abbrechen und müsste daher kurz vor dem Ziel Bahnhof/Innenstadt doch wieder durch eine Unterführung (z. B. Schattweg) oder einen Bahnübergang (z. B. Iserlohner Landstr.) geleitet werden
- die Umwandlung einer alten Bahntrasse zu einem Radweg ist nicht sonderlich originell, sondern geschah in Deutschland schon mit unzähligen Strecken (vgl. bahntrassenradeln.de); wenn man etwas Besonderes für unsere Region will, sollte man die Bahn reaktivieren und einen interessanten Radweg anderswo anlegen.
Das Foto rechts zeigt die Schienenstrecke in Höhe Hemer-Höcklingsen; rechts daneben die B7 mit (hinten) der Dauer-Baustelle aus Winter 2007-Sommer 2008.
Diese Ansicht verdeutlicht, dass die Bahntrasse hier äußerst ungünstig für einen Radweg ist, aber umso besser als Ausweichmöglichkeit für Verkehr von der Straße auf die Schiene taugt.
Foto: VCD/Spiekermann; April 2008
Fazit: Der Radweg auf der bisherigen Bahntrasse wäre einfach und landschaftsschonend zu bauen.
Er wäre eine gute, aber keine schöne Radstrecke.
Er wäre daher einigermaßen geeignet für Alltagsradler (Schüler, Berufspendler), aber deutlich weniger reizvoll für Freizeitfahrten und Radtourismus.
Vor allem aber würde dieser Radweg der Bahn den Platz wegnehmen und so den leistungsstärkeren Verkehrsträger verdrängen. Denn mit der Bahn lässt sich mehr Autoverkehr (v. a. Güter) ersetzen als mit dem Rad.
Anders als für den Schienenweg gibt es für die Anlegung eines Radweges zwischen Hemer und Menden Alternativen. Lesen Sie dazu hier weiter.....
Keine befriedigende Lösung für Radler zur Landesgartenschau?
(März 2010// Oktober 2010) Die Anfang 2010 geplante und aus Sicht des VCD akzeptable Lösung für Radverkehr zwischen Hemer und Menden kam vorerst nicht zustande.
Nach diesen sollte die Fahrbahn mit den Markierungen so versetzt werden, dass auf einer Straßenseite der Mehrzweckstreifen entfällt, aber auf der anderen Seite für eine Art Radstreifen entsteht, der mit Pollern abgetrennt werden sollte.
Der zuständige Landesbetrieb Straßen.NRW hatte unerwartet Abstand von dieser Planung genommen.
Begründung waren die hohen Kosten für eine zeitlich begrenzte Maßnahme, weil ja nach Ende der Landesgartenschau (LGS) ein echter Radweg auf der Bahntrasse entstehen solle.
Die Stadt Hemer hat sich mit dem Vorgehen einverstanden erklärt. Die Stadt Menden lehnte dies jedoch ab.
Aus VCD-Sicht erschien der Verzicht auf die ursprünglich geplante Lösung für den Radverkehr zur LGS zunächst nicht tragbar.
In der Praxis erwies sich die umgesetzte Lösung mit abmarkiertem Radstreifen auf beiden Straßenseiten aber als doch nicht so schlecht. Eine Verbesserung für die offizielle Radroute zwischen Hemer und Menden gegenüber früher war es auf jeden Fall.
Aus Sicherheitsgründen und zur Erleichterung für Radfahrer, v. a. Familien und Jugendliche, sollte man die sinnvolle Maßnahme des abgetrennten Radstreifens aber nachholen!
Der Radstreifen kann übrigens auch nach Ende der LGS für bestimmte Radfahrergruppen, Fahrtzwecke und Fahrtziele, z. B. entlang der B7 zwischen Abzweig Oesestraße und Niederhemer nützlich sein, selbst wenn der Trassenradweg (schnell) gebaut werden sollte.

