Vor- und Nachteile eines Radwegs auf der Bahntrasse
Es ist nach aktuellem Stand (Mitte Mai 2008) wohl leider kaum mehr zu verhindern, dass die Bahnstrecke Hemer - Menden zu einem Radweg umgebaut wird.
Der VCD Hagen-Märkischer Kreis ist aber weiter der Ansicht, dass dies ein verkehrspolitischer Fehler ist.
Natürlich befürworten wir die Schaffung von Radwegen, allerdings nicht zu Lasten einer Bahnstrecke, für die es grundsätzlich noch bzw. in absehbarer Zeit Bedarf gibt.
So ist für uns der Hauptgrund zur Ablehnung der Umwandlung der Bahntrasse, dass diese einfach nicht "übrig" ist für den Radverkehr. Unsere wichtigsten Argumente, warum die Bahnstrecke Hemer - Menden erhalten werden sollte, finden Sie hier.
Ein Radweg wäre aber aus VCD-Sicht immerhin die zweitbeste Nutzung der Bahntrasse, weil sie selbstverständlich auch einige Vorteile böte:
- die Trasse würde - zumindest theoretisch - für eine spätere Reaktivierung des Bahnverkehrs gesichert
- es wäre eine gute Verbindung für Fahrräder, weil der Weg recht direkt (u. a. per Tunnel unter der B7 her) sowie mit wenigen und gut verteilten Steigungen verläuft
- in Hemer könnte der Weg unmittelbar in den vorhandenen Bahntrassenradweg Richtung Sundwig übergehen
- es müsste keine neue eigenständige Trasse (bzw. Teilstücke) für den Radverkehr gebaut werden
- Eingriffe in Landschaft und Grün wären sehr gering
Andererseits wäre der Radweg auf der Bahntrasse aber auch keine ideale Lösung:
- nach allen Erfahrungen mit bereits umgewandelten Bahnstrecken wäre sie mindestens einige Jahre oder auf immer für den Schienenverkehr verloren
- wegen der fast durchgängigen Führung des Radwegs entlang der stark befahrenen B7 wären die Radler dort Lärm, Abgasen und (Fein)Staub ausgesetzt
- wegen der Straßennähe und des meist größeren Abstandes zu offener Landschaft, zu Gewässern usw. gäbe es nur wenige reizvolle Ausblicke und kaum Standorte für attraktive Rastplätze
- in Höhe Felsenkeller in Menden sowie zwischen Steinbruch und Tunnelausgang in Hemer-Oese liegt der Weg "eingeklemmt" und vertieft zwischen Lärmschutzwand, Böschungen bzw. direkt in einer Beton-Unterführung, so dass man hier nicht viel sieht
- es fehlen Elemente wie Kurven, Kehren, echte Bahntunnel (wie z. B. Fledermaustunnel auf dem Sauerland-Radring), alte Bahngebäude und v. a. ein höher liegender Damm mit "Panoramablick", welche andere Ex-Bahntrassen zu interessanten und spannenden Radwegen machen
- in Menden würde der Radweg abrupt vor dem Gleis der Hönnetalbahn abbrechen und müsste daher kurz vor dem Ziel Bahnhof/Innenstadt doch wieder durch eine Unterführung (z. B. Schattweg) oder einen Bahnübergang (z. B. Iserlohner Landstr.) geleitet werden
- die Umwandlung einer alten Bahntrasse zu einem Radweg ist nicht sonderlich originell, sondern geschah in Deutschland schon mit unzähligen Strecken (vgl. bahntrassenradeln.de); wenn man etwas Besonderes für unsere Region (und die LaGaSchau 2010) will, sollte man die Bahn reaktivieren und einen interessanten Radweg anderswo anlegen.
Das Foto rechts zeigt die Schienenstrecke in Höhe Hemer-Höcklingsen; rechts daneben die B7 mit (hinten) der Dauer-Baustelle aus Winter 2007-Sommer 2008.
Diese Ansicht verdeutlicht, dass die Bahntrasse hier äußerst ungünstig für einen Radweg ist, aber umso besser als Ausweichmöglichkeit für Verkehr von der Straße auf die Schiene taugt.
Foto: VCD/Spiekermann; April 2008
Fazit: Der Radweg auf der bisherigen Bahntrasse wäre einfach und landschaftsschonend zu bauen.
Er wäre eine gute, aber keine schöne Radstrecke.
Er wäre daher einigermaßen geeignet für Alltagsradler (Schüler, Berufspendler), aber deutlich weniger reizvoll für Freizeitfahrten und Radtourismus.
Vor allem aber würde dieser Radweg der Bahn den Platz wegnehmen und so den leistungsstärkeren Verkehrsträger verdrängen. Denn mit der Bahn lässt sich mehr Autoverkehr (v. a. Güter) ersetzen als mit dem Rad.
Anders als für den Schienenweg gibt es für die Anlegung eines Radweges zwischen Hemer und Menden Alternativen. Lesen Sie dazu hier weiter.....

