Newsletter VCD Hessen November 2011
Liebe Mitglieder und Interessierte,
wenn man in manche Zeitung schaut, glaubt man, wir hätten ein Währungskrise und sonst gar nichts. Kann man sich da noch Umwelt- und Verbraucherschutz leisten?
Wir können nicht nur, wir müssen sogar. Eine stabile Wirtschaft in einer friedlichen Welt ist nicht vorstellbar, solange sich die Süchtigen um die immer knappere und immer schwieriger zu fördernde Droge Öl rangeln. Wir müsen den Energieverbrauch senken und den Rest mittelfristig mit erneuerbaren Energien decken. Dazu sind Füße, Rad, Schienenverkehr und Drei-Liter-Auto besser geeignet als Flugzeug und Gigaliner. Deshalb steht der VCD für eine Verkehrswende.
Übrigens, der VCD lebt vom Mitmachen.
Wenn sie noch ein gutes Weihnachtsgeschenk suchen, bietet sich eine Geschenkmitgliedschaft an. Bis Jahresende kann man noch für 25,- € beitreten. Mehr unter www.vcd.org/mitgliedwerden.html
Noch besser: Ehrenamtlich aktiv werden! Kontakt über
- Ihren Kreisverband (http://www.vcd.org/82.html),
- die Landesgeschäftsstelle (alle Themen und Orte), hessen@
vcd.org, 0561 1083 10, - Udo Messer (Alles außerhalb Rhein-Main), fahrgastberatung@
vcd.org, 06031 61464 oder - Holger Greiner (Rhein-Main), holger.greiner@
vcd-hessen.de, 0151 26846475.
Oder kommen Sie einfach zur Mitgliederversammlung am 17. März 2012 in Wiesbaden, wir freuen uns auf Sie!
Mit den besten Wünschen
Gisela Becker, Mathias Biemann, Andreas Henning, Stefan Mack, Michael May, Udo Messer, Günter Murr und Sabine Schneider
Themen
Mitgliederversammlung 2012
Die Fracht braucht keine Nacht
VCD-Bundesdelegiertenversammlung in Hessen
Großes Interesse für "Shared Space" in Offenbach
Petition zur kritischen Prüfung aller Straßenbauprojekte des Bundes
Alle Jahre wieder: Vernachlässigter Radverkehr, "Radlerrüpel" und Helmpflichtforderungen
Termine
Aktuelle Pressemitteilungen des VCD Hessen
Zum Schluss
Mitgliederversammlung 2012
Bitte schon einmal vormerken: Die Mitgliederversammlung des VCD Hessen wird am Sa., 17. März 2012 in Wiesbaden stattfinden. Unter anderem werden die verkehrspolitischen Sprecher von Landtagsfraktionen ihre Sicht der hessischen Verkehrspolitik darstellen; es sind alle angefragt, mehrere haben zugesagt.
Zudem stehen Vorstandswahlen an. Voraussichtlich wird ein Platz frei werden, der aber laut Satzung auch frei bleiben darf.
Wir freuen uns auf Sie und Euch!
Die Fracht braucht keine Nacht
Es gab einmal ein Mediationsergebnis, das bereits von vielen Fluglärmgeplagten nur mit Schmerzen ertragen werden konnte: Der Flughafen Frankfurt wird weiter ausgebaut, dafür kommt ein Nachtflugverbot. Landesregierung und Fraport machten sich sofort an die Arbeit, die erste Hälfte dieses Ergebnisses umzusetzen. Die zweite Hälfte war wahrscheinlich nie ernst gemeint. Bereits zweimal hat der hessische Verwaltungsgerichtshof pro Nachtruhe entschieden, was vom VCD mehrfach kommentiert wurde ( www.vcd.org/pressemitteilung+M52c918da3c3.html und vorort.vcd.org/index.php ) und auch auf gute Resonanz stieß.
Beispiele dafür: Die Zeit: www.zeit.de/news/2011-10/11/luftverkehr-gericht-stoppt-nachtfluege-am-frankfurter-flughafen-11164406
Focus: www.focus.de/finanzen/news/luftverkehr-nachtflugverbot-heftiger-streit-in-frankfurt_aid_676299.html .
Trotzdem sind Regierung und Fluggesellschaften um keine Ausrede verlegen, warum sie weiterhin daran rütteln. Wie Bouffier und Posch gegen Ihre eigenen Versprechen klagen und unter dem Vorwand der Rechtssicherheit zu verhindern versuchen, dass ein eindeutiges Urteil Rechtskraft erlangt, kann nur als Farce bezeichnet werden. Stünde nicht die Gesundheit von Zehntausenden auf dem Spiel, wäre es vielleicht lustig anzuschauen.
Leider verhält sich die Landesregierung auch bei der Umweltzone Wiesbaden nach einem ähnlichen Muster. Nachdem sie vor Gericht unterlag ( vorort.vcd.org/index.php ), bestreitet sie jetzt auch ausdrücklich das Klagerecht von Bürgern und Verbänden.
Tatsächlich kann man jetzt allnächtlich feststellen, dass die jetzige Regelung umsetzbar ist. Einige Lösungen mögen provisorisch sein, einige auch demonstrativ unsinnig. Aber im Großen und Ganzen geht es. Selbst die Verladung von Südamerikanischen Fisch auf die Urlauberflieger zu den Kanaren klappt ohne größere Verluste, niemand muss auf "frischen" Fisch im Strandrestaurant verzichten. Die Lufthansa hat mittlerweile angekündigt, auch für den Sommerflugplan auf Nachtflüge zu verzichten. Ein "unabweisbarer Bedarf" ist nicht zu erkennen.
Eins sollte aber auch klar sein: Ein Großflughafen inmitten eines Ballungsraumes mit Nachtflugbetrieb ist nicht dauerhaft zu halten, erst recht nicht, wenn er mit der neuen Bahn noch näher an die Städte gerückt ist.
VCD-Bundesdelegiertenversammlung in Hessen
Am zweiten Novembewochenende trafen sich etwa 80 Delegierte der VCD-Landesverbände in der evangelischen Akademie Hofgeismar. Die nordhessische Stadt hat damit einen Rekord aufgestellt: nirgendwo sonst hat dieses Gremium bislang häufiger getagt, wie der hessische VCD-Landesvorsitzende Günter Murr feststellte.
Da der Bundesvorstand nur alle zwei Jahre neu gewählt wird, blieb diesmal mehr Zeit für das inhaltliche. So beschloss die Versammlung einstimmig, dass sich der Verband gegenüber den Verkehrsunternehmen und Bundesländern für die Aufrechterhaltung einer hohen Reisekultur in Busen und Bahnen einsetzen wird ( www.vcd.org/nds/presse/2011/pm26-2011.htm ); ebenso wurde an die Wahlberechtigten in Baden-Württemberg apelliert, bei dem Volksentscheid über einen Ausstieg bei "Stuttgart 21" mit "Ja" (also für den Ausstieg) zu stimmen ( www.vcd.org/stuttgart21.html und www.vcd.org/pressemitteilung+M543402cf71b.html ).
Großes Interesse für "Shared Space" in Offenbach
Ein sehr großer Erfolg war die "Shared-Space"-Veranstaltung des VCD in Offenbach. Trotz eines heftigen Unwetters mit Verkehrsstörungen im Vorfeld, hatten ca. 40 Interessierte den Weg in die Volkshochschule am Marktplatz gefunden, um den informativen Vortrag von Beatrice Kamper, Sachgebietsleiterin Stadtplanung im Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement der Stadt Duisburg unter dem Titel "Shared Space – gleichberechtigter Verkehrsraum" zu verfolgen.
Mehr unter: www.vcd.org/vorort/frankfurt-maintaunus/aktuelles/
Petition zur kritischen Prüfung aller Straßenbauprojekte des Bundes
Bis zum 20.12.2011 kann diese unterstützenswerte Petition noch mitgezeichnet werden:
Alle Straßenprojekte des Bundes sind kritisch und ergebnisoffen auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. Dazu ist zunächst ein sofortiges Ausbau-Moratorium erforderlich, soweit nicht im Einzelfall rechtliche Gründe entgegenstehen. Freiwerdende Mittel werden in den Straßenunterhalt umgeschichtet. Es sind konkrete Vorschläge zur Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße zu erarbeiten und dazu, wie die Mittel für die Unterhaltung des Fernstraßennetzes zukünftig effizienter eingesetzt werden können.
Die Begründung zur Petition findet sich auf der Bundestagsseite zu ePetitionen:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=20526
Das Anmeldeverfahren ist auch nicht aufwändig. Sehr viel einfacher kann man Petitionen kaum unterstützen.
Alle Jahre wieder: Vernachlässigter Radverkehr, "Radlerrüpel" und Helmpflichtforderungen
Das Fahrrad kann viele Verkehrsprobleme lösen. Es ist gleichzeitig ein sehr gutes Gegenmittel gegen den weit verbreiteten Bewegungsmangel: Die einen fahren mit dem Rad in die Stadt, die anderen mit dem "Sportwagen" ins Fitnessstudio.
Gerade beim Radverkehr sind oft mit geringem Aufwand große Verbesserungen möglich. Weil dieses Verkehrsmittel oft missachtet wurde und leider immer noch wird, sind selbst einfachste Maßnahmen noch unerledigt. Ein Beispiel dafür war die Wiedereröffnung des Südtores am Industriepark Höchst ( vorort.vcd.org/index.php. Und auch sonst sind Platzbedarf, Mindestradien und Oberflächenbelastung nur noch von Fußgängern zu unterbieten. Das Fahrrad ist ein ideales Stadtverkehrsmittel.
Unsere Empfehlung: Wenn Sie Schäden melden (dazu gehören auch falsche Beschilderungen oder gefährliche Wegeführungen) wollen oder Verbesserungsvorschläge haben, können Sie diese für viele hessische Kommunen auf der Meldeplattform Radverkehr im Internet eingeben: www.meldeplattform-radverkehr.de.
Nimmt Ihre Kommune nicht an der Plattform teil (leider auch Kassel oder Fulda), wenden Sie sich direkt an diese. Sofern kein konkreter Ansprechpartner bekannt ist, nehmen Sie einfach die allgemeine Email-Adresse der Kommune. Kommt keine ausreichende Reaktion (bei gefährlichen Schäden inerhalb von wenigen Werktagen, bei Verbesserungsvorschlägen innerhalb eines Monats), teilen Sie das bitte Ihrem VCD-Kreisverband oder uns mit!
Zu den regelmäßigen Ärgernissen von Radfahrern gehört auch die mittlerweile traditionelle Polemik gegen angebliche "Radlerrüpel". Dahinter steckt sicher auch ein bequemer Vorwand, sich nicht mit dem Fahrrad beschäftigen zu wollen - nicht als Nutzer und erst recht nicht bei der Gestaltung des Verkehrs. Dahinter steckt leider auch ein kleiner Kern Wahrheit: Es ist völlig unverständlich, dass immer noch viele (keinesfalls alle und auch nicht die Mehrheit) Fahrradfahrer nachts ohne Licht unterwegs sind. Aus unserer Sicht reicht allerdings eine funktionierende Lampe mit Akku, auch wenn offiziell immer noch der Dynamo Pflicht ist. Diese Pflicht wurde übrigens einmal eingeführt, als die Alternative noch Petroleumfunzeln waren, deren Inhalt beim Sturz auslaufen und Feuer fangen konnte. Manche Regeln halten eben etwas länger. Vieles von dem, was Autofahrer bei Radfahrern als störend oder falsch empfinden, ist aber ganz einfach Vorschrift, zum Beispiel der Mindestabstand zu parkenden Fahrzeugen oder Benutzung der Fahrbahn bei zugeparkten Radweg. Es ist auch ausdrücklich erlaubt, rechts an wartenden Autos vorbei zu fahren.
Der VCD-Städtecheck zur Fahrradsicherheit ( www.vcd.org/verweis_vcd_staedtecheck.html ) hat in diesem Zusammenhang ergeben, dass umso weniger Radfahrer verunglücken, je mehr von ihnen unterwegs sind. Beides hat eine gemeinsame Ursache, nämlich gute Radverkehrsanlagen. In den Niederlanden gibt es keine Beschwerden über "Rüpelradler". Nicht obwohl, sondern weil man dort schnell und stressfrei voran pedalieren kann.
Noch ein Absatz zur immer wieder auftauchenden Forderung nach einer Helmpflicht für Radfahrer. Diesmal begründete Bundesverkehrsminister Ramsauer seine Forderung damit, dass zu wenige Radler freiwillig mit Helm unterwegs seien. Mit dem gleichen Argumentationsmuster muss er wohl ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen einführen, denn zu wenige Autofahrer halten sich an die Richtgeschwindigkeit. Tatsächlich ist der Helm aber ein Nebenthema. Er vermeidet keinen einzigen Unfall, sondern kann nur bestimmte Folgen mindern. Es gibt sogar Untersuchungen, dass Autofahrer behelmte Radfahrer unbewusst für sicherer halten und rücksichtsloser überholen. Dies führte zu der
scherzhaften Empfehlung, lieber eine langhaarige Perrücke aufzusetzen, denn attraktive Damen können nach diesen Untersuchungen mit besonderer Rücksicht rechnen. Kein Helm kann eine sichere Radverkehrsanlage (der klassische "Radweg" ist das nur selten) ersetzen. Zudem würde mit einer Helmpflicht die Verantwortung auf das (potentielle) Unfallopfer verschoben.
Es ist nicht falsch, einen Helm freiwillig zu tragen. Falsch ist es, den Radverkehr nicht sicher zu führen. Noch falscher ist es, davon mit Debatten über Helmpflicht oder "Radlerrüpeln" ablenken zu wollen.
Termine
Donnerstag, 17. Dezember 2011, 19:00 Uhr, Frankfurt, Nachbarschaftszentrum Ostend: Treffen der Regionalgruppe Rhein-Main.
Dienstag, 29. November 2011 um 20:00 Uhr: Frankfurt, Naxoshalle - Kino im Theater, Filmvorführung. Unser Beitrag zur Eröffnung der neuen Trambahnlinie 18 in Frankfurt:
Schienenfrei? Schiene frei! und
Die Illusion fährt mit der Straßenbahn.
Stephan Kyrieleis / Luis Buñuel (Deutschland 1989 / 13 Min - Mexiko 1954 / 82 Min).
Samstag, 18. Februar 2012: Landesvorstandssitzung; Mitglieder und Interessierte sind willkommen. Ort und genaue Zeit werden noch festgelegt.
Samstag, 17. März 2012, Wiesbaden: Mitgliederversammlung des VCD Hessen
Aktuelle Pressemitteilungen des VCD Hessen
16.11.2011 - Feinstaub-Limit in Hessen erneut überschritten: VCD fordert Maßnahmen für bessere Luft
08.11.2011 - Bahnbetrieb Korbach–Frankenberg wäre deutlich preisgünstiger als bislang angenommen, VCD: Bei Schnäppchen zugreifen!
28.10.2011 - VCD unterstützt Verkehrsminister Posch: Neue Prioritäten bei Schienen-Projekten nötig
28.10.2011 - Neubewertung A 44
26.10.2011 - Hessische Schieneninfrastruktur-Konferenz
21.10. 2011 - Straßenbahn nach Vellmar
20.10. 2011 - Neue Landebahn ist starke Belastung
11.10.2011 - Nachtflugverbot muss Dauereinrichtung werden
11.10.2011 - Blockadepolitik gegen Umweltzonen gescheitert
27.09.2011 - Ausbau der „Main-Weser-Bahn“ zwischen Frankfurt und Friedberg bringt klare Vorteile für Personennahverkehr
22.09.2011 - Engagement lohnt sich – Für das Fahrrad ist noch viel zu erreichen - Radfahrer erreichen Wiederöffnung am Südtor des Industrieparks Höchst
07.09.2011 - Novellierung des Personenbeförderungsgesetz
02.09.2011 - Land streicht bei Verkehrsverbünden
26.08.2011 - Flughafen Calden wieder einmal teurer
25.08.2011 - VCD begrüßt Planungen S-Bahn-Ausbau nach Friedberg dringend erforderlich
Alle Pressemitteilungen finden Sie unter
www.vcd.org/vorort/hessen/presse/aktuelle-pressemitteilungen/ .
Ausgewählte und online verfügbare Resonanzen haben wir unter
www.vcd.org/vorort/hessen/presse/ausgewaehlte-artikel-ueber-den-vcd-hessen/
aufgelistet.
Zum Schluss...
"Meine Damen und Herren, wir haben Kassel-Wilhelmshöhe mit etwa 20 Minuten Verspätung verlassen. Wir werden Göttingen pünktlich um 19:16 Uhr erreichen. Wir bitten um Entschuldigung."
(In einem Zug, der kurzfristig von der alten auf die neue Strecke verlegt wurde)

